Auf dem Gelände gegenüber von Theaterhaus und Mercedes-Benz-Bank soll der 90 Meter hohe Porsche-Tower entstehen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Porsche will auf dem Pragsattel ein 90 Meter hohen Tower errichten. Der Bezirksbeirat hatte davon bislang keine Ahnung und fühlt sich vor den Kopf gestoßen.

S-Nord - Timo Haug wollte die Tage vor dem Weihnachtsfest ruhig und entspannt angehen. Im zur Neige gehende Jahr gab es genug Grund zur Aufregung: Wiederholt hatte sich der CDU-Politiker, der dem Bezirksbeirat Nord angehört, in den Sitzungen des Gremiums darüber geärgert, dass die Beiräte nicht, ungenügend oder erst sehr spät von der Stadtverwaltung über geplante Projekte informiert wurden. Jetzt, zwischen den Jahren, wollte er den Frust erst mal vergessen. Doch kurz vor Heiligabend holte ihn der Ärger wieder ein: „Da les ich doch in der Zeitung, dass Porsche auf dem Pragsattel das mit 90 Metern höchste Hochhaus in Stuttgart bauen will. Im ersten Halbjahr 2019 soll bereits Baustart sein und der Bezirksbeirat hat keine Ahnung davon“, empört er sich – und aus ist’s mit seiner Gelassenheit.

Stante pede teilt Haug Bezirksvorsteherin Sabine Mezger und seinen Kolleginnen und Kollegen im Bezirksbeirat per Mail mit, dass er beantragt, gleich in der nächsten Sitzung des Gremiums im kommenden Jahr die geplante Bebauung in die Tagesordnung mit aufzunehmen. „Das Projekt entsteht zwar nicht auf unserer Gemarkung, sondern in Feuerbach. Aber wir haben die Verkehrsbelastung und die klimatologischen Folgen zu ertragen“, sagt Haug und fürchtet ein „Verkehrschaos am Pragsattel“ und einen klimatologischen Infarkt“ durch den zusätzlichen Verkehr.

Feurbacher Beiräte bleiben gelassen

Errichten will Sportwagenhersteller Porsche auf dem Grundstück gegenüber von Theaterhaus und der Mercedes-Bank einen „Porsche Design Tower“ mit 20 000 Quadratmetern Geschossfläche. Der Bauantrag soll drei Tage vor Heiligabend gestellt worden sein. Geplant und gebaut wird das 90 Meter hohe Hochhaus von der Bülow AG. Im Turm soll es außer Büros auch ein Hotel und Gastronomie geben sowie ein neues Porsche-Zentrum mit Ausstellungsflächen und einer Werkstatt. Die Mitarbeiter und Hotelgäste sollen ihre Autos in einer zweigeschossigen Tiefgarage mit 340 Stellplätzen abstellen können. Ende 2021 ist bereits der Umzug der Porsche-Niederlassung in Zuffenhausen in den Neubau am Pragsattel geplant.

Sabine Mezger, der Bezirksvorsteherin des Stadtbezirks Nord, ist seit Langem klar, dass das brachliegende Gelände, „irgendwann bebaut wird“. Dass Porsche dort Pläne verfolgt, hat sie jedoch überrascht. „Das wurde hinter sehr verschlossenen und schalldichten Türen verhandelt“, sagt sie. Sie sei davon ausgegangen, dass der Standort in Zuffenhausen gut ist. Auf den Antrag von Bezirksbeirat Haug reagiert sie ebenso prompt wie der. Per Mail teilt sie ihrem Gremium mit, dass der Bebauungsplan an dem Standort ein Hochhaus zulässt und das weder die Stadtverwaltung noch Porsche, sofern sich Porsche an die Vorgaben des Bebauungsplans hält, das Bezirksamt Feuerbach und auch nicht den Bezirksbeirat Nord einschalten muss. Allerdings sieht auch sie durch das Projekt Probleme auf den Norden zukommen: Zum einen vermutet sie wie ihr Parteifreund Haug, dass noch mehr Verkehr in den Norden schwappt. Zum anderen, dass die Parkplätze, die von den Theaterhaus- und Varietébesuchern abends genutzt werden können, nicht mehr für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. „Um das zu klären, werde ich mit Porsche in Verbindung treten“, verspricht sie. Ihre Kollegin Andrea Klöber, Bezirksvorsteherin in Feuerbach, wusste zwar, dass gebaut wird. „Wie die Pläne konkret aussehen, war mir nicht bekannt“, sagt sie. Ihre Beiräte hätten allerdings gelassener reagiert als die Nachbarn im Norden.

CDU-Mann Haug ist derweil immer noch auf 180. „Wir möchten nicht nur über das Aufstellen von Parkbänken entscheiden, sondern als beratendes Gremium bei der Stadtentwicklung mitreden“, sagt er und fordert, dass die Bezirksbeiräte über Vorhaben informiert werden, bevor sie abgemachte Sache sind. Nur so könne das Gremium seine Überlegungen einbringen. Haug: „Wenn wir von nichts wissen, können wir die Bürger auch nicht abholen und von den Vorhaben überzeugen. Haugs Kolleginnen und Kollegen in den anderen Fraktionen des Beirats sehen es wie er und haben die Unterstützung seines Antrags bereits zugesagt.

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