Daimler muss zahlen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Nach VW und Audi muss auch Daimler wegen der Dieselaffäre tief in die Tasche greifen: Das Bußgeldverfahren ist damit vom Tisch, nicht aber die strafrechtlichen Ermittlungen.

Stuttgart/Wolfsburg - Der Daimler-Konzern muss wegen des Dieselskandals ein Bußgeld von 870 Millionen Euro zahlen, weil er von 2008 an Dieselfahrzeuge auf den Markt brachte, deren Ausstoß von Stickoxiden „teilweise nicht den regulatorischen Anforderungen entsprach“. Einen entsprechenden Bußgeldbescheid der Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Daimler bereits akzeptiert. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, in einer Abteilung, die für die Zertifizierung von Autos zuständig ist, die Aufsichtspflicht fahrlässig vernachlässigt zu haben.

Eigentliche Strafe: nur vier Millionen

Von den 870 Millionen Euro sind lediglich vier Millionen als eigentliche Strafe vorgesehen; die übrigen 866 Millionen Euro bestehen aus der Abschöpfung der Zusatzgewinne, die Daimler durch die günstigere Herstellung der nicht vorschriftsmäßigen Autos erzielt hat. Allerdings durfte Daimler von diesen Gewinnen die bisherigen Kosten für die Dieselumrüstung absetzen.

Mit der eigentlichen Buße von vier Millionen Euro bewegt sich die Justiz unterhalb der Sanktionen gegen VW und Audi, die jeweils die Höchststrafe von fünf Millionen Euro zahlen mussten. Porsche musste wie Daimler vier Millionen zahlen, Bosch lediglich zwei Millionen Euro.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat gegen VW-Chef Herbert Diess, den Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und den früheren Konzernchef Martin Winterkorn Anklage wegen Marktmanipulation erhoben. Sie sollen Anleger im Jahr 2015 nicht rechtzeitig über die drohenden finanziellen Folgen der gefälschten Abgaswerte von Dieselautos in den USA informiert haben. Deshalb blieben diese teilweise auf den drastischen Kursverlusten der VW-Aktie sitzen, die nach Bekanntwerden der Manipulationen eintraten.

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