Amadou Fadera – hier mit seinen Azubi-Kollegen in der Schule für Farbe und Gestaltung – wünscht sich mehr Nachhilfe beim Deutschlernen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Mehr als 300 neu zugewanderte Azubis drohen an ihren schlechten Sprachkenntnissen zu scheitern. Das wollen die Stadt Stuttgart, Schulen, Kammern und Arbeitsagentur unbedingt verhindern. Doch die Frage ist: Wie?

Stuttgart - Mehr als 300 neu zugewanderte Azubis in Stuttgart drohen an ihren schlechten Sprachkenntnissen zu scheitern. Das hat eine Erhebung der 21 Berufsschulen ergeben. Und das wollen die Stadt Stuttgart, Schulen, Kammern, Regierungspräsidium und Arbeitsagentur jetzt unbedingt verhindern. Doch die Frage ist: Wie? Der von Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) einberufene Ausbildungsgipfel am Mittwoch im Rathaus hat noch keine Lösungen gebracht. Aber ein paar Vorschläge. Und eine gemeinsame Absichtserklärung.

Darin erkennen alle Beteiligten an, dass mit zu geringen Deutschkenntnissen ein erfolgreicher Schulbesuch kaum möglich und der Abschluss einer Ausbildung gefährdet ist. Und dass sich diese nun festgestellte Situation auch mittelfristig nicht von selbst behebt. Alle Beteiligten sind bereit, sich deshalb an einer Arbeitsgruppe zu beteiligen, die rasch Lösungen und Verfahrensweisen zu Verbesserung entwickeln und die Umsetzung begleiten soll.

Bürgermeisterin kündigt Ergebnisse noch vor der Sommerpause an

Dabei drückte Fezer aufs Tempo: „Wir werden noch vor der Sommerpause Ergebnisse auf den Tisch legen“, kündigte sie an. Und die Bürgermeisterin hatte auch bereits Knackpunkte identifiziert: Es gebe zwar viele Förderangebote – „aber sie sind weder transparent, noch kommen sie bei den jungen Menschen an“. Man müsse die Förderung also künftig zielgerichteter, passgenauer und transparenter gestalten.

Felix Winkler, der geschäftsführende Leiter der gewerblichen Schulen und der Schule für Farbe und Gestaltung, machte konkrete Verbesserungsvorschläge. So sei der Wechsel von acht Wochen Baustelle und drei Wochen Berufsschule gerade für Flüchtlinge und Neuzugewanderte ungünstig, denn nach acht Wochen Baustelle hätten sie viel Schulisches wieder vergessen – „besser wären kleinere Blöcke“, meinte der Schulleiter. Aber das könne ja nicht er allein entscheiden.

Martin Sabelhaus vom Regierungspräsidium Stuttgart sah die Vielfältigkeit des Förderangebots als Hauptproblem. Und bei einem „zweiten Berufsschultag mit der Gießkanne“ gäbe es Probleme mit der Lehrerversorgung. Andrea Bosch von der IHK Region Stuttgart berichtete, dass schon viel zur Unterstützung der Azubis getan werde, vom Mentorenprogramm bis zum Nachhilfeunterricht – auch in den Unternehmen. Diese kümmerten sich sehr intensiv um ihren Nachwuchs. Deutsch lernen sei doch auch im beruflichen Umfeld möglich, wichtig seien aber deutsche Ansprechpartner in den Unternehmen.

Verbindliche Sprachtests sind nicht so einfach durchzusetzen

Doch wie kann gewährleistet werden, dass Flüchtlinge ausreichend deutsch können, wenn sie die Ausbildung beginnen? Durch verbindliche Sprachtests? Da möchte sich Christine Schwab von der Handwerkskammer Region Stuttgart „nicht festlegen – das müssen die Schulen einschätzen“, meint sie. „Wir kriegen den Ausbildungsvertrag erst, wenn die schon an der Schule sind.“ Ihre Kollegin Andrea Bosch (IHK)fragt sich, ob man solche Tests überhaupt verbindlich einführen kann. Dies sei doch Aufgabe der Arbeitsagentur. Gari Pavkovic von der städtischen Abteilung Integrationspolitik hält eine gesetzliche Verpflichtung für nicht möglich. Aber, Pavkovic: „Wir brauchen Deutschförderung für die Azubis – und das werden wir auf den Weg bringen.“

Jürgen Peeß vom Jobcenter schlug vor, die Sprachförderung bereits in der Einstiegsqualifizierung zu intensivieren, die Flüchtlinge auf die Ausbildung vorbereitet.

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