Parteichef Martin Schulz und Fraktionschefin Andrea Nahles – hier in der der ersten Reihe auf dem Vorstandspodium des Berliner Parteitags – sind derzeit die mächtigsten Politiker in der SPD. Foto: AFP

Die SPD ringt mit sich, ob sie erneut ein Regierungsbündnis mit CDU und CSU eingehen soll. Wir stellen elf Männer und Frauen vor, die in dieser eine Schlüsselrolle spielen.

Berlin - Die Sozialdemokraten entscheiden am Sonntag auf einem Parteitag in Bonn, ob ihnen das Sondierungsergebnis mit der Union gut genug ist für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen. Die SPD ist hin- und hergerissen zwischen Regierungswillen und Unwillen über ein Neuauflage der großen Koalition.

In der Frage, ob Deutschland bald eine neue Regierung bekommt oder nicht, spielen diese elf Frauen und Männer der SPD eine entscheidende Rolle:

Martin Schulz – der Parteichef

Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz, vor nicht einmal einem Jahr mit 100 Prozent der Stimmen gewählt, hat mittlerweile ein Glaubwürdigkeitsproblem. Er war lange ein Gegner einer neuerlichen großen Koalition, schloss sie nach dem Wahlabend und noch einmal direkt nach dem Abbruch der Jamaika-Sondierungen kategorisch aus. Nun wirbt er für eine erneute Regierung mit der Union – und will dabei vor allem mit europäischen und sozialen Themen punkten. Das muss ihm allerdings deutlich besser gelingen als nach der durchverhandelten Nacht am vergangenen Freitag, als er in der anschließenden Pressekonferenz keinen einzigen Sondierungserfolg seiner Partei nannte.

Andrea Nahles – die Fraktionsvorsitzende im Bundestag

Sie wird auch in CDU und CSU schon als heimliche Chefin gehandelt und habe in den Sondierungsgesprächen viel mehr Sachkenntnis bewiesen als ihr Parteivorsitzender. Andrea Nahles, Vorsitzende der Bundestagsfraktion, ist zudem rauflustiger als Schulz und hat die Kritik am Sondierungsergebnis schon vorab als „mutwilliges Schlechtreden“ bezeichnet. Als ehemalige Juso-Chefin weiß sie mit am besten, wie die jungen Sozialdemokraten ticken und warum sie den Aufstand gegen die Groko anführen.

Kevin Kühnert – der Jusochef

Der 28-jährige Berliner Kevin Kühnert ist der neue Stern am sozialdemokratischen Abendhimmel. Erst seit November Chef der Nachwuchsorganisation, hat sich der eloquente Redner binnen kürzester Zeit zum Gegenspieler von Parteichef Schulz gemausert – vor allem mit seinem Auftritt beim Parteitag im November, der über die Aufnahme von Sondierungsgesprächen zu befinden hatte. Geschickt verwendet er Schulz‘ frühere Argumente gegen eine große Koalition, um ihn jetzt zu stellen.

Malu Dreyer – Regierungschefin in Mainz

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist eine große Sympathieträgerin in der Partei und genießt große Glaubwürdigkeit. Nicht zuletzt gehört sie zum kleinen Kreis der beim Wähler noch erfolgreichen Sozialdemokraten, was ihrer Stimme besonderes Gewicht verleiht. Sie setzt sich nach anfänglicher Kritik auch für die Groko ein, hat aber mögliche Nachverhandlungen ins Spiel gebracht.

Sigmar Gabriel – der frühere SPD-Vorsitzende

Schulz‘ Vorgänger als Parteichef ist sicher der mit Abstand redegewandteste Parteitagsdelegierte – und hat die Partei 2013 schon einmal gegen Widerstände für eine große Koalition begeistert. Sigmar Gabriel zählt mittlerweile allerdings auch zu den unglaubwürdigsten – weshalb er vielleicht besser nicht für eine große Koalition werben sollte. Er steht in Verdacht, eine Fortsetzung der Groko nur aus rein persönlichen Erwägungen zu fordern, weil er dann vielleicht Außenminister bleiben könnte. Am vorigen Wochenende warb er bei den Genossen in Sachsen-Anhalt für ein neues Regierungsbündnis mit Angela Merkel – aber die Parteitagsdelegierten entschieden sich mit knapper Mehrheit dagegen.

Natascha Kohnen – Jungstar aus Bayern

Die bayerische Landeschefin Natascha Kohnen ist neu ins Präsidium aufgerückt. Ihre Stimme hat aber allein deshalb Gewicht, weil sie in diesem Jahr eine Landtagswahl meistern muss. Dennoch ist fraglich, ob sie ihren traditionell eher linken Landesverband auf eine einheitliche Groko-Linie bringen kann – wahrscheinlicher ist, dass die bayerischen Delegierten frei abstimmen.

Johanna Uekermann – ehemalige Juso-Chefin

Die 30-Jährige ist Kühnerts Vorgängerin als Juso-Chefin und stellvertretende SPD-Landesvorsitzende in Bayern. Sie hat Schulz im Wahlkampf unterstützt und sogar dem bei Jusos wenig beliebten Altkanzler Gerhard Schröder öffentlich die Hand zur Versöhnung gereicht. Nun jedoch ist sie eine entschiedene Groko-Gegnerin – und hat als einziges Präsidiumsmitglied gegen das Sondierungspapier gestimmt.

Thorsten Schäfer-Gümbel – Genossenchef in Hessen

Der hessische Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel ist aus zwei Gründen wichtig: Er hat in diesem Jahr eine Landtagswahl zu bestreiten und hat sich als einziger aus dem Sondierungsteam seiner Partei enthalten, als über das Ergebnis der Gespräche mit der Union befunden wurde.

Michael Groschek – SPD-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen

Normalerweise ist der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD immer eine Macht in der Partei gewesen – nicht so im Jahr 2018. Michael Groschek gilt in einer nach der Landtagswahlschlappe im Mai völlig verunsicherten Landespartei als Mann des Übergangs und kann Bundesparteichef Schulz auch nicht garantieren, dass die NRW-Delegierten für dessen Pro-Groko-Kurs stimmen werden. Groschek hat die Abstimmung freigegeben. Aber dennoch beeinflusst er natürlich weiterhin die 144 nordrhein-westfälischen Genossen unter den 600 Parteitagsdelegierten, die damit die mit Abstand größte Abordnung stellen.

Manuela Schwesig – Ministerpräsidentin in Schwerin

Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg, Manuela Schwesig, führt zwar nur einen Mini-Landesverband. Ihr Wort – sie spricht sich nach anfänglicher Skepsis inzwischen klar für Koalitionsverhandlungen aus – hat aber Gewicht, weil sie als Hoffnungsträgerin für die Zukunft gilt und niemand sie dauerhaft beschädigen will.

Stephan Weil – Regierungschef in Hannover

Nach seinem Wahlerfolg in Niedersachsen zählt Stephan Weil derzeit zu den stärksten Figuren in der Partei. Weil hat seinen Landesverband im Griff, dessen zahlreiche Delegierte für Schulz‘ Kurs stimmen dürften – und ist damit von den großen Landesverbänden die einzige sichere Bank für den Parteichef.

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