Die weißen und grünen Stangen werden bereits seit der vergangenen Woche gestochen. Für das Pfund werden zurzeit noch bis zu 13,90 Euro verlangt. Doch die Erntemenge steigt von Tag zu Tag, die Verkaufspreise dürften demnach bald niedriger werden.
Wer hätte gedacht, dass im Rems-Murr-Kreis, wo Streuobstwiesen und Reben das Landschaftsbild bestimmen, einmal auch Spargelanbau heimisch ist? Der Schmidener Landwirt Klaus Bauerle hat sich vor mehr als 40 Jahren getraut. Er hat auf die gute Bodenqualität der Schmidener Felder gesetzt und Spargel angebaut.
Daniel Schmid in Waiblingen-Beinstein ist ihm 20 Jahre später mit grünem Spargel gefolgt, und Jörg Knödler in Winnenden-Leutenbach baut sowohl weißen als auch grünen Spargel an. Jetzt ist die regionale Ware wieder im Handel. So früh wie noch nie.
Warum Spargel Bio ist
Spargel ist ein gesundes Gemüse. Der letzte Pflanzenschutz wird Monate vor der Ernte im Herbst gemacht. Danach geht die Pflanze in die Winterpause. Bis die Stangen gestochen werden, ist von Kupfer und Schwefel – diese Produkte sind zugelassen – „nichts mehr übrig und alles abgebaut“, erklären die Spargelanbauer, der Zusatz „Bio“ sei keine Floskel. Durch Folien werde beim weißen Spargel als positiver Nebeneffekt der Wuchs von Unkraut eingedämmt,sagt Phillip Bauerle, Juniorchef bei „Früchtle vom Schmidener Feld“. Bei grünem Spargel sei „das Unkrautmanagement schwieriger“, sagt Daniel Schmid, vor allem mit Disteln und der Ackerwinde habe er es in seinem Betrieb zu tun. Zurzeit sind die Reihen zwischen den folienbedeckten Tunneln nahezu frei von Unkraut, das erleichtert den Erntehelfern die Arbeit. „Am ersten Tag haben wir 15 Kilo gestochen, am zweiten waren es viermal so viel, und jetzt am Donnerstag 120.“
Tochter Sina Schmid, gerade mit dem Gartenbaustudium fertig, zeigt stolz die hellgrünen Stangen. Ein Pfund kostet jetzt 9,50 Euro. „In der Hochphase der Ernte sind es zwischen 1200 und bis zu 2000 Kilo am Tag“, sagt Senior Schmid, der dann mit seiner Ware auch auf dem Großmarkt in Stuttgart ist. Im Moment vermarktet er den grünen Spargel direkt, zum Beispiel auf dem Wochenmarkt in Waiblingen. Ab Montag gibt es wieder einen Verkaufsstand an der Landesstraße zwischen Waiblingen und Endersbach. Dort befindet sich in unmittelbarer Nähe auch ein großer Teil seiner Spargelfelder, ein anderer ist am Sonnenhof bei Stuttgart-Mühlhausen.
Phillip Bauerle bietet zunächst an der Verkaufsscheune zwischen Schmiden und Bad Cannstatt und im Hofladen in Schmiden auf der Höhe die weißen und grünen Stangen an. Sobald die Erntemenge zu- und der Pfundpreis abnimmt, gibt es unter anderem in der Bahnhofstraße in Fellbach gegenüber von Kindermoden Schnaitmann wieder einen Stand. Dann wird er zudem auf dem Großmarkt in Stuttgart sein.
Spargel gehört zum Ostermenü
Schon jetzt klingelt bei ihm permanent das Telefon, er hat viele Stammkunden. Die 1a-Ware kostet aktuell 13,90 Euro je Pfund, die zweite Klasse gibt’s für 11,90 Euro. „Im Moment ist die Ernte noch mühsam“, sagt Philipp Bauerle. Seine Erntehelfer, sie kommen größtenteils aus Rumänien und Polen, müssen noch „suchen und weite Wege in den Reihen zurücklegen, um Menge zu machen“.
Wie der Stollen zu Weihnachten gehört offenbar der Spargel mittlerweile an Ostern zum Festtagsmenü. Dieses Jahr ist Ostern extrem früh, aber der Spargel legte erneut einen Frühstart hin. Die ersten Spargelköpfe hat Phillip Bauerle dieses Jahr am 5. März aus der Erde ragen sehen. Mit der Ernte der weißen Stangen, sie bilden den Schwerpunkt seiner Produktion, hat er am 15. März auf einer Fläche von 4,5 Hektar begonnen. Einen Tag früher als 2023. Den ersten grünen Spargel hat er am Donnerstag gestochen. Die Natur sei rund zehn Tage früher dran, beobachtet Daniel Schmid. „Wir haben uns mit dem grünen Spargel ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen“, sagt Schmid. Er baut auf rund zehn Hektar Fläche die Sorte Xenolim an – „schöne, hellgrüne, gerade Stangen“. Die Verbraucher fragten den grüner Spargel zunehmend nach. Auch aus Bequemlichkeit. „Er muss quasi nicht geschält werden.“ Wie beim weißen Spargel sind die Pflanzen zwei Jahre in der Erde, bis sie im dritten ihren ersten, noch reduzierten Ertrag bringen. Erst im vierten Jahr gibt es den vollen Ertrag.
Phillip Bauerle bewirtschaftet rund 70 Hektar Spargelfelder und studiert genau, wann und wo er neue Pflanzen ausbringt. Er denkt dabei im Rhythmus von 20 Jahren. Zehn Jahre ist die Pflanze insgesamt in der Erde, acht davon bringt sie Ertrag. Danach sollte für zehn Jahre kein Spargel auf dieser Fläche wachsen. „Am besten ist es, wenn auf Mais und Getreide Spargel folgt“, erklärt Bauerle den Wechsel. Und Spargel sollte nicht auf Kartoffeln folgen. „Wir Landwirte tauschen Felder untereinander, nur so können wir die Fruchtfolge einhalten.“
Der milde Winter habe den Spargelpflanzen gefallen, der Regen habe gut getan, freut er sich über kräftige Ware. Vergangenes Jahr war sie wesentlich dünner, „aber der Geschmack auch sehr gut“.