Im Oktober 2018 ging der auffällig gesprenkelte X 1 an den Start. Die Nachfrage nach dem Busangebot ist verhalten, inzwischen fahren teils kleinere Busse. Foto: Lichtgut/Leif-Hendrik Piechowski

Seit einem Jahr verbindet ein neues Schnellbusangebot Bad Cannstatt und die Stuttgarter City. Wie lange fahren diese Busse noch?

Stuttgart - Vor einem Jahr hat die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) zur Feinstaub-Alarmsaison die neue Buslinie X 1 zwischen Bad Cannstatt und der City gestartet. Die Bilanz des pro Jahr 2,7 Millionen Euro teuren Angebots (Montag bis Freitag von 6 bis 20.30 Uhr im 5-Minuten-Takt) fällt durchwachsen aus.

Die Fahrgastzahlen, teilte die SSB am Montag auf Anfrage mit, hätten sich auf täglich durchschnittlich 2500 Nutzer „stabilisiert“. Das wären pro Umlauf 14. Im Aufsichtsrat des städtischen Nahverkehrs-Dienstleisters gibt es kritischere Einschätzungen und unterschiedliche Interpretationen zu diesem vergleichsweise elitären Personentransport: „Bis Ende 2020 sollen es 5000 sein, aber die Zahl stagniert, und die Linie ist nur noch bis Ende 2020 finanziert“, so ein Aufsichtsrat. Man müsse weiter testen, sagt ein anderer.

Kuhn hat kein Geld eingestellt

Das Geld für den X 1 stammt aus einem städtischen Sondertopf. Im neuen Doppelhaushalt hat OB Fritz Kuhn (Grüne) für die Fortführung 2021 keinen Euro vorgesehen. Die SSB auch nicht. „Es war eine böse Überraschung für den Aufsichtsrat, dass das X-1-Angebot nicht weiter finanziert ist“, so ein Mitglied. Nun müsse der Gemeinderat die Existenzfrage klären.

Die Schnellbusse sollten die in der Hauptverkehrszeit übervollen Stadtbahnen auf der Tallängslinie entlasten. Weil die Haltestellen nicht mehr hergeben, sind Züge nur 40 statt 80 Meter lang. Der nötige Bahnsteigausbau sollte, Stand April 2019, „etwa 2025“ abgeschlossen sein. Am Montag teilte die SSB unserer Zeitung mit, elf Haltestellen entlang der U 1 würden ab 2023 umgebaut, die Bauzeit werde etwa vier Jahre betragen. 80-Meter-Züge könnten dann nicht 2025, sondern 2027 fahren. Die zu geringen Planungskapazitäten der SSB rächten sich, so ein Aufsichtsrat. „Der Ausbau muss beschleunigt werden“, sagt er, „den X 1 bis 2027 fahren zu lassen ist keine Perspektive“.

Busse von Mercedes und Volvo fehlen

Außerdem propagiert die SSB, auf der X-1-Linie den Test neuer, lokal emissionsfreier Technik. Im Geschäftsbericht war der Einsatz von batterieelektrischen Gelenkbussen für diesen Herbst angekündigt. Nun sollen Fahrzeuge von Volvo und Mercedes erst ab dem dritten Quartal 2020 eingesetzt werden. Chinesische Hersteller wie BYD sind da weiter. Doch die SSB hat mit Volvo und Mercedes langfristige Kooperationen geschlossen. 2020 sei viel zu spät, monieren Aufsichtsräte. Außerdem sei die Frage, ob der Rundkurs Bad Cannstatt-Innenstadt angesichts der Hanglage Stuttgarts wirklich geeignet sei, um neue Antriebe auf Herz und Nieren zu testen.

Zur Daseinsberechtigung brauche man mehr Fahrgäste. Dazu, so Forderungen aus dem Aufsichtsrat, solle die Linie von Cannstatt kommend einen Schlenker zum Einkaufszentrum Milaneo machen. Diese Idee gab es bereits vor dem X-1-Start.

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