Der bayerische Ministerpräsident verlangt mehr Offensive von Armin Laschet und der CDU. Daheim in München hat er ein dickes Aiwanger-Problem.
München - Die CDU und ihr Kanzlerkandidat Armin Laschet müssen in diesem Wahlkampf feststellen, dass es einen in der Union gibt, der es immer besser weiß und seine Weisheit auch regelmäßig auftischt: Markus Söder. So nun erneut im ZDF-Sommerinterview, ausgestrahlt aus dem Max-Morlock-Stadion, Heimstätte des nicht eben erfolgsverwöhnten 1. FC Nürnberg.
Da sagt der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Markus Söder im leeren Oval und in überladenen Fußball-Vergleichen, was der Union derzeit alles fehlt: „Mehr Tempo nach vorne“, man müsse jetzt „stürmen und offensiv werden“. Über sich meint der Franke mit dem ihm eigenen Selbstbewusstsein: „Ich bin der Antreiber.“
Söder denkt nichts, ohne nicht auch an sich selbst zu denken
Damit treibt Söder, der sich weiterhin für den besseren Kanzlerkandidaten hält, vor allem Laschet vor sich her. Dass ausgerechnet die CSU bei der Sonntagsfrage mit derzeit 36 Prozent in Bayern extrem mies abschneidet, schert Söder wenig. Seine persönlichen Werte seien konstant gut, meint er. Der CSU-Mann warnt vor einer „zufälligen“ Ampel-Mehrheit aus Grünen, SPD und FDP. Und er erinnert an das Schicksal der deutschen Mannschaft bei der Fußball-EM, die sich „für die beste“ hielt und dann im Achtelfinale aus dem Turnier ausschied.
Söder will sich nun einerseits im Wahlkampf in den Dienst der Union stellen. Andererseits baut er aber schon für eine Niederlage vor, ohne dies jetzt direkt zu sagen: Armin Laschet wäre dann wegen einem „passiven Unionswahlkampf“ schuld. Söder denkt nichts, ohne nicht auch an sich selbst zu denken. Wer wäre dann 2025 selbstverständlich der beste Kandidat? Klar, er selbst.
In einem Gespräch hatte Aiwanger so ziemlich alle Register gezogen
Gerade muss er sich jedoch nicht nur an Laschet abarbeiten, sondern hat in München in der Regierung einen Krach, wie es ihn noch nie gab. Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler (FW) und Koalitionspartner, erweckt immer mehr den Anschein, ins Lager der Corona-Skeptiker zu wechseln. Von der guten Zusammenarbeit in der schwarz-orangenen Koalition scheint nichts übrig.
In einem Gespräch hatte Aiwanger so ziemlich alle Register gezogen, um sich als Gegner der bayerischen und deutschen Corona-Politik zu platzieren. So sprach er von einer „Jagd“ auf Ungeimpfte. Die „Minderheit“ werde „in eine Richtung frisiert“. Er wendet sich gegen die „Einheitsspritze für alle“ und sieht sich als „Vorbild für die Verteidigung selbstverständlicher Bürgerrechte“. Da fällt nicht weiter ins Gewicht, dass sich Aiwanger persönlich nicht impfen lässt.
Markus Söder konterte im Sommerinterview: „Meine Sorge ist, dass er sich in eine Ecke manövriert, aus der er nicht mehr rauskommt.“ Es gehe ihm um dessen Behauptungen zu nicht bewiesener Wirksamkeit von Impfstoffen. Wer glaube, „sich bei rechten Gruppen und Querdenkern anbiedern zu können“, der verlasse die Mitte und nehme selbst Schaden. Dagegen wehrt sich Aiwanger, spricht von einer Söder’schen „Falschbehauptung“ und von einer „Unverschämtheit“, ihn als Querdenker abzustempeln.
Nach dessen extremen Äußerungen hätte Söder Aiwanger eigentlich aus dem Kabinett entlassen müssen. Doch der Streit kommt zur Unzeit. Aiwanger arbeitet daran, in acht Wochen die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen und in den Bundestag einzuziehen. Gerade weil die Wahl ansteht, kann Söder aber in Bayern jetzt nicht das Regierungsbündnis platzen lassen und sich nach einem anderen Partner umschauen.