Gerd Rietsche trainiert mit Flüchtlingen für den Silvesterlauf. Foto: privat

Integration mal anders: seit mehr als vier Wochen trainiert Gerd Rietsche mit Flüchtlingen, um sie fit für den Bietigheimer Silvesterlauf zu machen. Rietsche selbst profitiert auch von der Aktion – sportlich und menschlich.

Mehrere tausend Läufer werden beim Silvesterlauf in Bietigheim an den Start gehen. Darunter ein Team des Freundeskreises Asyl mit rund 60 Flüchtlingen. Gerd Rietsche, 54 Jahre alt und Softwareprojektmanager, ist einer der Trainer – und läuft so viel wie nie zuvor in seinem Leben.
Herr Rietsche, seit mehr als vier Wochen trainieren Sie jeden zweiten Tag mit Flüchtlingen. Ein strammes Programm. Warum machen Sie das?
Ich bin Freizeitsportler, vorher bin ich einmal pro Woche laufen gegangen, jetzt eben deutlich häufiger. Als meine Frau und ich mitbekommen haben, dass hier Flüchtlinge sind, haben wir uns erkundigt, wie wir sie unterstützen können. Wir wollen einfach helfen. Seit Mitte November sind wir im Freundeskreis Asyl. Meine Frau gibt Deutschstunden, und ich habe mich zum Training bereit erklärt.
Nicht nur das: Sie und Ihre Mithelfer haben auch die Ausrüstung besorgt.
Ja, bei 60 Leuten kommt da ganz schön was zusammen. Wir haben Kleidung und Schuhe gesammelt, die Hilfsbereitschaft war wirklich riesig. Sehr viele Spender haben mitgeholfen, dass es funktioniert. Und die LG Neckar-Enz lässt die Flüchtlinge an Silvester kostenlos mitlaufen.
Wie sind die Reaktionen?
Wir haben durch unsere Arbeit im Freundeskreis einige neue Freunde gewonnen. Die Flüchtlinge sind dankbar. Sie sitzen sonst oft den ganzen Tag in ihrer Unterkunft und können nicht viel machen. Sie sind daher froh über jede Abwechslung – und darüber, auch mal etwas anderes zu sehen.
Hilft Sport bei der Integration?
Ich denke schon. In der Trainingsgruppe laufen nicht nur Flüchtlinge mit, sondern auch Deutsche. Wir starten immer um 10 Uhr. Anfangs war das etwas träge, aber inzwischen sind die Flüchtlinge ganz heiß aufs Laufen. Gestern standen die ersten eine Viertelstunde früher am Start und wollten loslegen. Sie freuen sich auf Silvester, das spürt man.
Was machen die sportlichen Fortschritte?
Ich laufe meistens vorneweg. Es sind natürlich nicht alle gleich fit und gleich schnell. Aber wenn man trainiert, bringt es einen weiter. Es werden immer mehr, die mit mir die elf Kilometer lange Originalrunde schaffen.
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: