Qualitätskontrolle: Arbeiter überprüfen die fertigen Silikon-Körper der Sexpuppen. Foto: AFP

Sexroboter werden in China immer beliebter. Eine Firma stellt eine lebensechte Silikonpuppe her, die nicht nur lächeln und einfache Sätze sagen, sondern auch den Geschirrspüler ausräumen kann.

Dalian - Sieht so unsere Zukunft aus? Klick für Klick entscheiden wir uns für die richtige Augenfarbe, die perfekte Haarfarbe, eine Frisur, die uns gefällt, die gewünschte Körbchengröße oder den Waschbrettbauch. Wir überweisen ein paar Tausend Euro und einige Wochen später steht der DHL- oder Hermes-Bote vor unserer Tür, mit einem Paket, das größer ist als wir selbst. „Einmal hier unterschreiben, bitte.“ Dann hieven wir das Ding in unsere Wohnung, holen ein Obstmesser aus der Schublade, um vorsichtig den Karton aufzuschlitzen. Endlich ist sie angekommen: die eigene Sexpuppe.

Und die ist nicht nur zum Vergnügen da, wann immer wir Lust haben. Nein – die Puppe redet mit uns, sie spielt unsere Lieblingsmusik ab und schaltet den Geschirrspüler an. Zwischenmenschliche Kontakte? Haben ausgedient. Die lebensechte Silikon-Sexpuppe ist der Lebenspartner 2.0, vielleicht auch 6.0, schließlich gibt sie keine Widerworte, ist stets freundlich und sieht dazu auch noch umwerfend aus. Ein Traum. Oder doch nicht?

Die Modelle: von der Elfe bis zur Polizistin

In Japan und China kaufen jetzt schon immer mehr Menschen Sexpuppen. Das japanisch-chinesische Unternehmen Exdoll beispielsweise, eine Firma in der Hafenstadt Dalian im Nordosten Chinas, stellt seit 2013 Dutzende verschiedene Modelle her. Von der Elfe über die Schülerin bis zur Polizistin ist alles mit dabei. Auch einige männliche Puppen stehen zur Auswahl, doch die weiblichen verkaufen sich viel besser.

Warum das so ist, ist einfach zu erklären. Im Zuge der Ein-Kind-Politik wurden in China viele Mädchen abgetrieben, sie galten als unerwünscht. Nun gibt es in der Generation der unter 30-Jährigen etwa 20 Millionen mehr Männer als Frauen. Es ist also für junge Menschen ungleich schwieriger geworden, eine Partnerin fürs Leben zu finden als einen passenden Partner.

Und teurer: Der Seite „China Business News“ zufolge müssen Männer in ländlichen Gebieten der Familie ihrer Zukünftigen eine Mitgift in Höhe von durchschnittlich 150 000 Yuan zahlen (rund 19 000 Euro). Dafür kann man sich, wenn man nicht ganz so wählerisch ist, gleich mehrere Sexpuppen anschaffen. Die gibt es mitunter schon für umgerechnet 500 Euro.

Auskünfte nach dem Wetter sind kein Problem

Wirklich unterhalten kann man sich mit den Exdoll-Puppen zwar noch nicht. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens oder bei wegweisenden Entscheidungen wird einem die Silikon-Gefährtin wenig weiterhelfen. Auskünfte nach dem Wetter sind, auf Chinesisch, dagegen kein Problem – das Ergebnis wirkt ein bisschen so, als hätte man Apples Sprachassistentin Siri ein Gesicht gegeben und einen Körper. Eines der Modelle soll sogar einer Mitarbeiterin der Firma nachempfunden sein. Die hatte angeblich nichts dagegen, dass ihr Ebenbild tausendfach produziert und ausgeliefert wird, heißt es bei der Newsplattform Sixthtone.

Mit den Augen rollen, lächeln, nach links und rechts schauen: Die Fähigkeiten der humanoiden Roboter werden ständig ausgebaut. Ihr Gesichtsausdruck kann über einen Spielecontroller oder ein Smartphone gesteuert werden. Auch das Aussehen der Puppen wird weiter optimiert. „Wir wollen, dass dieser Roboter noch schöner aussieht, das ist unser Hauptziel“, lässt der Hersteller wissen. Etwa 5000 Exemplare stellt Exdoll jährlich her. Die Preise reichen von 3980 bis 23 800 Yuan, das entspricht rund 500 bis 3000 Euro.

Jeder fünfte Deutsche hätte gerne einmal Sex mit einem Roboter

Nach Angaben der Firma Sixthtone ist das derzeit beliebteste Modell in China UT145: eine 1,45 Meter große Silikonpuppe mit den Brüsten einer Frau, aber der Statur eines 10-jährigen chinesischen Mädchens. Auf der Webseite des Herstellers wird UT145 unter anderem im Rotkäppchen-Kostüm, in bordeauxrotem Kapuzenmantel und mit einem Körbchen in der Hand, sowie als Gothic-Girl mit Kreuz um den Hals und Nieten auf der schwarzen Jacke präsentiert. Sogar als Nonne ist der Roboter einmal angezogen. In der linken Hand hält er dabei eine Bibel, gleichzeitig ist er von schwerem Geschütz umgeben. Vor seinem Knie liegt eine Handgranate.

Wen macht das an? Ganz genau will man das wohl gar nicht wissen, denn nach der Zukunftsstudie „Homo Digitalis“, die seit Herbst 2017 von BR, Arte, ORF und dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) durchgeführt wird, würde ungefähr jeder fünfte Deutsche gerne einmal mit einem Sexroboter schlafen. Sechs Prozent können sich der Umfrage zufolge sogar vorstellen, sich in eine Silikon-Gespielin zu verlieben.

Vernetzte Sextech-Geräte bringen schon heute einen Umsatz von 30 Milliarden Dollar. Zahlreiche Wissenschaftler, darunter die Computerspezialistin Kate Devlin von der University of London, sind der Meinung: „Diese Entwicklung lässt sich nicht mehr aufhalten.“

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