Ein Mann hat in der Schweiz eineinhalb Stunden unter einer Lawine begraben überlebt. Meist kann nach einer Stunde kann nur noch jeder Dritte lebend geborgen werden (Symbolbild). Foto: Angelika Warmuth/dpa

Wie durch ein Wunder hat ein Mann in der Schweiz einen Lawinenabgang überlebt. Er war eineinhalb Stunden unter den Schneemassen verschüttet. Ein Hohlraum rettete ihn das Leben.

Andermatt - Schweizer Rettungskräfte haben am Dienstag nahe der Göscheneralp südlich von Luzern einen verschütteten Mann nach eineinhalb Stunden lebend aus einer Lawine befreit. Der Mann sei auf einer Straße von dem Nassschnee erfasst worden, teilte die Rettungsflugwacht (Rega) mit. Er wurde komplett von den Schneemassen verschüttet.

„Dank eines Hohlraumes verfügte der Mann offenbar über genügend Luft, bis ihn die Rettungskräfte finden und ausgraben konnten“, so die Rega. Ein Suchhund spürte ihn auf. Eine Notärztin versorgte den unterkühlten und mittelschwer verletzten Mann an Ort und Stelle, bevor er im Helikopter ins Krankenhaus geflogen wurde.

Verhalten bei Lawinenabgängen

Im Schnitt kommt es nach Angaben des Deutschen Alpenvereins (DAV) pro Jahr zu etwa 100 Lawinentoten in den Alpen. Wer in eine Lawine gerät, kann seine Überlebenschancen durch richtiges Verhalten erhöhen.

1. Skiausrüstung abwerfen

Wenn keine Möglichkeit mehr besteht, den Hang hinabzurasen und so vor der Lawine zu fliehen, sollte man Skistöcke (das hat absolute Priorität), Skier oder Snowboard abwerfen.

2. Nach oben „schwimmen“

Wer von einer Lawine mitgerissen wird, muss den Lawinen-Airbag im Rucksack auslösen. Mit Schwimmbewegungen sollte er versuchen, sich an der Oberfläche zu halten und an den Rand des Schneeabgangs zu gelangen.

3. Atemhöhle bilden

Sobald sich die Lawine verlangsamt, sollte man sich zusammenzukauern sowie Arme und Hände über Mund und Nase zu einer Atemhöhle wölben. Wenn man einmal unter einer Schneedecke begraben ist, kann man selbst seine Finger oft nicht mehr bewegen.

4. Verschüttet

Soweit die Theorie. In der Praxis gelingt es jedoch nur wenigen, diese Verhaltensregeln auch anzuwenden. In der Regel ist die Wucht der Lawine zu groß, um noch kontrolliert zu agieren. Laut Statistik sind die meisten Lawinenopfer in einer Tiefe von wenigen Dutzend Zentimetern bis eineinhalb Metern verschüttet.

5. Größte Gefahr: Ersticken

Da Lawinenschnee komprimierter und schwerer als Pulverschnee ist, lastet ein enormes Gewicht auf Brustkorb und Lunge. Der Körper wird nicht mehr ausreichend durchblutet, Arme und Beine fangen schnell an zu erfrieren. Hinzu kommt, das Mund und Nase meist durch Schnee verstopft sind und der Atem den Schnee vereisen lässt.

Die meisten Lawinenopfer sterben deshalb nicht an Unterkühlung oder an ihren Verletzungen, sondern ersticken unter den Schneemassen. Die Überlebenschance Verschütteter sinkt bereits nach 15 Minuten drastisch. Nach einer Stunde kann nur noch jeder Dritte lebend geborgen werden. Nach mehr als zwei Stunden sinkt die Überlebensrate auf weniger als zehn Prozent.

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