Eine Schülerin der Jakobschule steht noch ein wenig wackelig, aber doch schon trittfest auf dem Trapez. Foto: Cedric Rehman

Der Künstler Boris Hauck übt mit Schülern der Stuttgarter Jakobschule für eine Zirkusaufführung. Sie wird der Auftakt sein für die sechsten Theatertage in Klein-Paris.

S-Mitte - Das „Schlangending“ hat es dem Künstler Boris Hauck angetan. Ein Schüler robbt über eine Matratze in der Turnhalle der Jakobschule. Er verrenkt dabei die Glieder. Das nennt er Schlangending. Hauck ist begeistert. Er bittet die 21 Schüler der vierten Klasse, vorzutreten, wenn ihnen auch ein Kunststück einfällt. Das Wunder geschieht. Ein Kind nach dem anderen steht auf und führt etwas vor. „Diese Energie bei den Kindern fehlt uns Künstlern“, meint Hauck.

Er organisiert seit Jahren die Theatertage in Klein-Paris. Veranstaltungen gibt es jeweils im Herbst und Frühjahr an verschiedenen Orten im Bohnen- und im Leonhardsviertel. Hauck will nach eigenen Worten die beiden Viertel als lebenswerte Orte zeigen. Gerade das Leonhardsviertel werde zu oft mit Problemen wie der Drogenszene oder der Prostitution in Verbindung gebracht, findet er. Hauck freut sich, dass in diesem Jahr eine Zirkusvorstellung an der Jakobschule der Auftakt für die sechsten Theatertage im Frühjahr 2019 ist. Bei seinem „Zirkus Barnitos“ am Donnerstag, 28. März, treten Kinder und Erwachsene gleich zwei Mal um 14 Uhr und um 16 Uhr in der Turnhalle der Jakobschule auf. Der Eintritt kostet 50 Cent.

Auch Erwachsene treten auf

Die Schüler werden am Trapez Kunststücke aufführen. Sie werden jonglieren und Akrobatik präsentieren. Aber auch erwachsene Künstler werden bei der Aufführung ihr Können zeigen. Die Kinder würden ihnen dann attestieren, erklärt Hauck.

Die Vorbereitung für den Auftritt am 28. März dauern laut Hauck drei Wochen. Sie sind in den Turnunterricht an der Jakobschule integriert. Schulleiterin Claudia Dobrich-Hoier lobt die Kooperation mit dem Künstler Hauck als perfekte Ergänzung zum Unterricht an der Schule. Ein Zirkusprojekt eröffne gleich eine Fülle an pädagogischen Möglichkeiten, meint Dobrich-Hoier. Kreativität werde zum Beispiel gefördert und Selbstwert gesteigert, meint sie. „Auch für das Gemeinschaftsgefühl unter den Schülern ist das gut“, sagt die Schulleiterin.

Schulleiterin lobt Projekt

Dobrich-Hoiser freut sich, dass die Schüler an einer Kulturveranstaltung teilnimmt, die das Leonhardsviertel in ein Licht jenseits von Drogen und Rotlichtmilieu stellen will. „Unsere Schule leistet eine gute Arbeit. Wir sind froh über eine solche Gelegenheit, das Positive darzustellen“, meint die Schulleiterin.

Die Schulleiterin wohnt der Probe bei. Sie beobachtet, wie ihre Schüler Spagats machen und sich spontan akrobatische Kunststücke einfallen lassen. „Unsere Schüler sind ganz schön sportlich“, sagt sie nicht unzufrieden. Auch der Zirkuspädagoge Christian Lessing lobt die Fitness der Schüler. Einige hätte schon Erfahrung bei einem anderen Zirkusprojekt an der Schule gesammelt, erzählt er. „Die Kinder sind außerdem ziemlich motiviert“, sagt Blessing. Der Künstler Hauck scheint diese Motivation verstärken zu wollen, in dem er großzügig lobt. Er lässt die Kinder sich zunächst mit einfachen Übungen aufwärmen. Dann trennen sich zwei Gruppen. Die einen Schüler üben am Trapez. Die andere trainieren die Jonglage. Auf den ersten Blick möge die Probe wie ein Durcheinander erscheinen, meint Hauck. Ihm sei es aber wichtig, dass die Kinder selbst ihr Potenzial als Artisten entdecken.

Es scheint auch zu funktionieren. Schüler üben in einer Ecke der Turnhalle eine Pyramide. „Wenn die Kinder anfangen, die Dinge von selbst zu machen, dann haben wir Künstler gewonnen“, meint Hauck.

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