Wer hat den vielfältigsten Garten? Monika Zentgraf (rechts) gehört zu den Gewinnern. Noch im Bild zu sehen: Claudia Schwarz (links), Anja Deininger (Zweite von links) und Claudia Halici (Zweite von rechts) von der Klima-Kehrwoche. Foto: factum/Simon Granville

Die Initiative Klima-Kehrwoche aus Ditzingen-Schöckingen will mit vielen kleinen Aktionen darauf aufmerksam machen: Jeder Einzelne kann etwas dazu beitragen, das Klima zu schonen. Die nächste Mitmachaktion naht. Corona hin oder her.

Ditzingen - Die Corona-Krise durchkreuzte auch einige Veranstaltungen der Klimaschutz-Initiative Klima-Kehrwoche aus dem Ditzinger Ortsteil Schöckingen. Doch wie weit wäre es mit einer Initiative mit dem Anspruch, vor der eigenen Tür zu kehren, her, wenn sie sich von der Pandemie unterkriegen ließe? Die nächste Aktion naht. Die Devise der Macher: Mit ein paar guten Einfällen kann man sich auch in Zeiten des Abstandhaltens gemeinsam für das Klima engagieren.

Fast ein Jahr ist es nun her, dass Claudia Halici und Simone Rathfelder die Initiative gründeten. „Wir wollen gern selbst etwas tun, um für uns ein besseres Gefühl zu bekommen“, berichtet Claudia Halici. Jeder Einzelne habe Möglichkeiten, das Klima zu schonen. Dabei könne er auch noch die Mitmenschen zum Nachdenken und Mitmachen animieren. „Natürlich verbessern oder retten wir damit nicht die Welt oder erzielen einen riesigen Effekt auf das Klima“, sagt Halici – das sei aber gar nicht das Ziel. Auch im Kleinen könne man sich durchaus einiger Dinge bewusst werden und manches bewirken.

So geschehen nach einigen Startschwierigkeiten. Zunächst bremsten Außenstehende den Enthusiasmus der zwölfköpfigen Truppe. Sie rieten ihnen, sich von ihrem Vorhaben nicht zu viel zu versprechen. „Die Erste, die uns Mut machte, war Martina Bährle-Pfleiderer von der Stadt“, sagt Claudia Halici. Die Abteilungsleiterin für Kommunikation und Beteiligung gab der Initiative zudem Tipps, etwa, wie sie an Geld herankommt. Mittlerweile erhält sie eine Finanzspritze aus dem Förderprogramm „Beteiligungstaler“ der Allianz für Beteiligung und des Landes Baden-Württemberg.

„Die meisten wollen eine Belohnung“

Rasch veränderten die Klimaschützer die Form ihrer Projekte. Aus Wettbewerben wurden Mitmachaktionen, bei denen sich die Teilnehmer gemeinsam für die Sache einsetzen. Alle werden vorher gefragt, ob sie einen Preis möchten – der beim Klimaschutz hilft, eine Luftpumpe oder eine abschaltbare Steckdosenleiste. „Wir denken uns bei den Preisen etwas. Die meisten wollen eine Belohnung“, sagt Halici und lacht. Bei der Mobilitätsaktion sparten 25 Personen zusammen eine Tonne CO2 ein, indem sie andere Verkehrsmittel als das eigene Auto nutzten. 40 Personen sparten beim Thema Ernährung eine halbe Tonne CO2 ein, indem sie weniger Fleisch aßen.

Ursprünglich plante die Initiative Wettbewerbe, bei denen Teams aus Vereinen andere herausfordern – und so weitere Teilnehmer mobilisieren. Die erste Aufgabe zum Thema Wohnen war, bei sich daheim zwei Wochen lang die Temperatur zu senken und Strom zu sparen. Die Initiative erlebte eine „herbe Enttäuschung“, erinnert sich Halici: Weniger Menschen als erwartet meldeten sich an. Ein Wettbewerb, der neben Gewinnern Verlierer hervorbringt, schreckt ab. Und noch etwas lernte Halici: „Verzicht kommt auch nicht gut an.“ Die Leute seien zwar „vielfältig interessiert“, wollten aber Spaß haben. So feilen die „sehr humorigen Leute“, aus denen die Initiative besteht, stets an der Formulierung ihrer Aktionen. „Wir heben das Positive hervor und erläutern den Teilnehmern, dass sie was davon haben.“ Gleichwohl wolle man niemandem Sand in die Augen streuen.

Einen erfolgreichen Wettbewerb gab es doch

Einzig die Suche nach dem vielfältigsten Garten im Mai war ausdrücklich ein Wettbewerb – ein sehr erfolgreicher. Was wohl auch daran lag, dass jedes von außen einsehbare Grundstück automatisch mitmachte und der Preis ein Gutschein im Wert von 50 Euro für den Ditzinger Baumarkt war, der auch ein Gartencenter hat. „Viele Schöckinger wollten einen Besichtigungstermin“, sagt Claudia Halici. Ein Beweis dafür, dass den Bürgern biologische Vielfalt wichtig sei – was sie dann auch zeigen wollten. Sechs von ihnen erhielten die volle Punktzahl, sechs weitere verpassten den Sieg um einen Punkt.

Insgesamt sind die Mitglieder der Initiative „mittelzufrieden“ mit der Resonanz auf ihre Aktionen. „Wir haben immer ein paar Leute mitgerissen, die sich sonst vermutlich nicht mit dem Thema befasst hätten“, sagt Claudia Halici.

Nun heißt es: Plastik und Müll vermeiden

Von 20. Juni an steht der Konsum im Fokus. 14 Tage lang gilt es, Plastik und Müll zu vermeiden. Den Auftakt machte ein Büchertauschregal. Für ein Wochenende stand es mitten im Ort und war heiß begehrt. Vielleicht wird es nächstes Jahr wieder aufgebaut. „Wenn etwas immer da ist, verliert es seinen Reiz“, sagt Halici. Sie ist auch der Ansicht, dass man mit dem Thema Konsum alle für das Klima wichtigen Lebensbereiche abgedeckt habe.

Eine Sache fehlt dann aber doch noch: Die Feierlichkeiten zum Ein-Jahr-Bestehen der Initiative. Dazu wird am 19. September (10 Uhr, Waldhütte Schöckingen) ein Baum gepflanzt. Wegen Corona fällt die geplante Party am Abend aus. Die Initiative sucht Alternativen, denkbar sei ein Open-Air-Kino. Was danach kommt? Die Initiative will weitermachen, wenn auch mit weniger Projekten samt Begleitprogramm als bisher. Es werden wieder Aktionen sein, die den Teilnehmern nutzen – „mit großem Spaßfaktor“.

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