Die S 2 soll nach Neuhausen verlängert werden. Foto: Roberto Bulgrin

Es ist ein kleines Stuttgart 21: Auch die S-2-Verlängerung auf den Fildern wird teurer und später fertig als geplant, dennoch stimmte die Regionalversammlung dem Projekt zu. Der Tenor: Es sei unerlässlich, um die Verkehrssituation zu verbessern.

Stuttgart - Die S-Bahn-Verlängerung von Filderstadt-Bernhausen über Sielmingen nach Neuhausen auf den Fildern wird vier Jahre später fertig und fast doppelt so teuer wie zuletzt geplant. Die Regionalversammlung hat am Mittwoch einstimmig dem neuen Zuschussvertrag zugestimmt. Danach sollen die ersten S-Bahnen von und nach Neuhausen erst Mitte 2026 fahren. Die Kosten für das Projekt, die anfangs unter 100 Millionen Euro lagen, steigen von den zuletzt berechneten 125 Millionen Euro auf 209 Millionen Euro. Auch der Finanzierungsanteil der Region verdoppelt sich von 27,8 auf 53,2 Millionen Euro.

Mehr Geld für Lärmschutz

Der Verband Region Stuttgart ist als Aufgabenträger der S-Bahn an dem Projekt beteiligt. Weil er mit der Deutschen Bahn als Projektträger für die S 60 zwischen Böblingen und Renningen vor Jahren schlechte Erfahrungen wegen stark steigender Kosten gemacht hatte, betraute der Verband die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) mit dem Ausbauprojekt - nicht zuletzt weil die S-Bahn-Verlängerung nach Neuhausen eng mit den SSB-Stadtbahn-Projekten U 5 in Leinfelden und U 6 bis Flughafen/Messe verbunden ist. Die Hoffnung auf Kosten- und Zeitstabilität dank der SSB erfüllte sich nicht. Maßnahmen wegen zahlreicher Plan- und Gesetzesänderungen – vor allem für den Lärmschutz, aber auch wegen des von der Region gewünschten 15-Minuten-Takts – verteuern das Projekt. Dazu kommen beträchtliche Mehrkosten wegen der Verzögerung und der mittlerweile stark steigenden Preise in der Baubranche. Die Kalkulation enthalte nun die noch zu erwartenden Baukostensteigerungen bis zur Fertigstellung 2026, betonte der SSB-Vorstand Thomas Moser vor dem Verkehrsausschuss der Regionalversammlung vor einigen Wochen.

Weiter ins Neckartal?

In der Debatte am Mittwoch stellten sich alle Fraktionen hinter das Projekt, auch wenn sie mitunter scharfe Kritik an Zeitverzögerung und Kostensteigerung übten. Zur S-2-Verlängerung gebe es aber keine Alternative, so der Tenor. Zumal sie die Möglichkeit eröffne, einen Ringschluss zu den S-Bahn-Linien ins Neckartal zu bauen. Das lässt die Region momentan detailliert untersuchen. Jürgen Wurmthaler, Verkehrsdirektor der Region, rechnet damit, dass im Herbst das Anhörungsverfahren für die wegen der Lärmbelästigung vor Ort umstrittene Trasse beginnen könne und die Baugenehmigung bis 2021 vorliege. Danach müsse der endgültige Baubeschluss gefasst werden.

Kommunen werden zur Kasse gebeten

„Die S-2-Verlängerung ist ein erster wichtiger Schritt zur Entlastung des Straßennetzes auf den Fildern“, sagte CDU-Regionalrat Andreas Koch, der Erster Bürgermeister in Filderstadt ist. Auch für seine Kommune erhöht sich wie für die Nachbargemeinde Neuhausen der Finanzierungsanteil von 3,5 auf maximal 6,7 Millionen Euro. Der Obolus für den Kreis Esslingen steigt von 6,9 auf bis zu 13,3 Millionen Euro. Die Zahlen stehen erst fest, wenn die Zuschüsse des Bundes und Landes fixiert sind. Wurmthaler rechnet damit, dass die Förderung bei rund zwei Drittel der Gesamtkosten liegt.

Unterschiedliche Bewertungen

Der Grünen-Fraktionschef André Reichel erinnerte daran, dass es einmal eine Straßenbahnverbindung von Esslingen nach Neuhausen und eine Güterzugtrasse weiter nach Bernhausen gegeben habe. Dies sei zugunsten des Autoverkehrs aufgegeben worden. „Dieser Kurswechsel kommt uns nun teuer zu stehen“, sagte er. Die Verlängerung sei zur besseren Erschließung der Filder, die „der dynamischste Raum der Region mit den wenigsten Schienenverbindungen“ sei, aber unerlässlich. Der FDP-Regionalrat Hans Dieter Scheerer zeigte sich über die seit Längerem bekannte Kostenexplosion und die Gelassenheit, mit der das hingenommen werde, nach eigenem Bekunden geschockt. Und er griff dafür die SSB-Planer massiv an. Andere Redner wie Michael Makurath (SPD) und Frank Buß (Freie Wähler) machten für die Kostensteigerung vor allem das umfassende Regelwerk verantwortlich. Gerade Infrastrukturprojekte im eng besiedelten Ballungsraum seien oft teurer und langwieriger, so Makurath: „Sie haben aber auch oft eine höhere Wirksamkeit als erwartet.“ Buß sah in der einmütigen Zustimmung der Region auch ein Signal an die Rathauschefs der beiden beteiligten Kommunen, denen es „schwer fällt, weitergehende Beschlüsse ihrer Gemeinderäte zu erhalten“.

Wie Reichel betonte auch Wolfgang Hoepfner (Linke/Pirat), dass weitere Tangentialverbindungen besser genutzt werden müssten. Stephan Wunsch (AfD) stellte sich ebenfalls hinter das Projekt. Dadurch könne der Autoverkehr aber nicht ersetzt werden, deshalb müssten auch Straßen neu ausgebaut werden.

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