Die S 2 fährt frühestens 2022 nicht nur bis Filderstadt, sondern weiter nach Neuhausen. Eine Verlängerung ins Neckartal ist aber ungewiss. Deshalb plant die Region eine andere Lösung, bis es soweit ist. Foto: Horst Rudel

Mit der Inbetriebnahme von Stuttgart 21, die für Dezember 2025 geplant ist, könnte es auch endlich eine Schienenverbindung von den Fildern ins Neckartal geben. Der Verband Region Stuttgart hat einen Plan. Details und Hintergründe.

Stuttgart - Die Nahverkehrsexperten im Verband Region Stuttgart planen nach Informationen unserer Zeitung einen weiteren Streckenausbau der S-Bahn: Mit der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 Ende 2025 wollen sie das S-Bahnnetz bis nach Nürtingen ausdehnen und zugleich erstmals im Rahmen einer Kombilösung eine direkte Nahverkehrsverbindung vom Neckartal auf die Filder schaffen. Am 22. Januar soll das Konzept auf dem Mobilitätskongress der Metropolregion vorgestellt werden.

Die Ausgangslage

Es gehört zu den großen Nachteilen des zentral auf Stuttgart zulaufenden S-Bahnsystems, dass es – Ausnahmen Böblingen-Renningen (S 60) und Marbach-Backnang (S 4) – keine tangentialen Verbindungen gibt. Deshalb rollen alles S-Bahnen durch die heute schon überlastete unterirdische Stammstrecke in Stuttgart. Die Folge: Wenn es dort klemmt und zu Verspätungen kommt, wirkt es sich auf alle sechs Linien aus. Deshalb will der Verband Region Stuttgart mit der modernen Signaltechnik ETCS die Kapazität des Tunnels erhöhen, weil dann die S-Bahnen im dichteren Takt fahren können. Dazu gehört nicht nur eine neue technische Ausstattung auf der Strecke, sondern auch in den Fahrzeugen. Um diese Umrüstungsaktion der 157 S-Bahnen bis 2025 bei laufendem Betrieb bewältigen zu können und genügend Fahrzeuge für einen dichteren Takt zu haben, will der Verband 50 neue S-Bahnen, die schon mit ETCS ausgerüstet sind und 7,5 Millionen Euro pro Stück kosten, bestellen. Gesamtausgaben: 375 Millionen Euro. Der Beschluss soll am 30. Januar in der Regionalversammlung fallen.

Der S-Bahn-Ausbau

Momentan ist die Verlängerung der Linie 2 von Filderstadt bis Neuhausen auf der Tagesordnung. Frühestens Ende 2022 werden die ersten S-Bahnen auf dem in der Planungsphase befindlichen 125-Millionen-Euro-Projekt fahren. Doch wie kann es weitergehen? Im Kreis Esslingen und im Verkehrsausschuss der Region setzt man auf eine Verbindung von den Fildern ins Neckartal, für die es unterschiedliche Varianten gibt. In diesem Jahr soll eine genauere Untersuchung für 150 000 Euro weitere Erkenntnisse bringen. Doch schon jetzt steht fest, dass die Baukosten bei mindestens einer halben Milliarde Euro liegen und ein Fertigstellungstermin frühestens in der Mitte der 2030er Jahre denkbar ist.

Die Pläne der Region

So lange will der Verband Region Stuttgart aber nicht warten. Unter dem Projektnamen „Kombiringschluss“ plant er hinter verschlossenen Türen eine tangentiale Verbindung im Südwesten der Region, die das Neckartal mit den Fildern und weiter dem Raum Böblingen/Sindelfingen oder Stuttgart-City verbinden und gleichzeitig den Fahrgästen eine Alternative zur störanfälligen Stammstrecke bieten könnte. Und so sieht der Plan aus: Die S 1, die heute zwischen Herrenberg über Böblingen, Stuttgart, Esslingen, Plochingen und Kirchheim/Teck fährt, wird in ihrem östlichen Abschnitt aufgeteilt: Von Wendlingen aus fährt sie wechselweise nach Kirchheim und nach Nürtingen, sodass beide Städte zweimal pro Stunde erreicht werden. In Nürtingen könnten die S-Bahnfahrgäste dann in die Metropolexpresszüge umsteigen, die von Reutlingen und Tübingen kommend auf der S-21-Neubautrasse in Richtung Flughafen und Stuttgart fahren. „Trotz des Umsteigens könne das für Pendler eine attraktive Verbindung sein“, sagt Regionalpräsident Thomas Bopp. Zudem bestehe dann endlich ein Nahverkehrsring rund um Stuttgart.

Die Wendlinger Kurve

Voraussetzung für diese Lösung ist aber der Bau der sogenannten Großen Wendlinger Kurve im Zuge der S-21-Neubaustrecke. Sie wird für das Ein- und Ausfädeln der Züge aus dem Neckartal gebraucht. Im S-21-Projekt ist aber nur eine kapazitätseinschränkende Schmalspurlösung mit einer eingleisigen Variante für beide Richtungen verankert. Eine Große Wendlinger Kurve muss deshalb extra finanziert werden. Das Land und die Bahn sind sich einig, dass die Zusatzkosten von 80 bis 100 Millionen zu 60 Prozent vom Bund bezahlt werden, 40 Prozent sollen aus dem Land kommen. Die Landesregierung wird die Hälfte übernehmen. Der Regionalverband Neckar-Alb soll sich beteiligen, weil es Vorteile für Bahnfahrer aus Tübingen/Reutlingen gibt. Auch der Verband Region Stuttgart könnte mit der Kombiringlösung von dem Ausbau profitieren und müsste sich dann daran beteiligen. Allerdings ergibt sich daraus Zeitdruck: Damit die Große Wendlinger Kurve ins S-21-Bauprogramm aufgenommen werden kann, muss rasch eine Einigung über die Finanzierung erreicht werden. Deshalb soll die Region Stuttgart in wenigen Wochen darüber entscheiden.

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