Der Aufwand wird immer größer: Arbeiter hängen schwarze Netze zur Beschattung der Früchte über die Anlage Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Erdbeerensaison ist rum, jetzt kommen viele verschiedene Früchtchen auf den Markt: Himbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren, Träuble. Die Bauern stöhnen allerdings unter der Pflege ihrer Sträucher: Sie müssen vor der starken Sonnenbestrahlung geschützt werden.

Stuttgart - Schon der Name klingt verheißungsvoll. Sie heißt Clery, ist leicht süß und so früh reif wie keine andere Erdbeere. Wenig später folgen Vima Zanta, Sonata und Florence. Malwina ist dunkelrot und prall und schmeckt wie aus Omas Garten. Nur noch ein paar Tage, dann gibt es im Hofladen von Reinhard Ortlieb in Stuttgart-Uhlbach keine Körbchen mehr mit den gesunden Vitaminbomben. Leider, denn die Erdbeere ist Ortliebs Lieblingsbeere. „Sie hat auch was Erotisches“, schwärmt er. Aber eigentlich hat der Bio-Obstbauer gar keine Zeit, um über die Königin der Beeren zu philosophieren. Mit seinem Transporter fährt er auf das Feld bei der Katharinenlinde in Riedern, um zu sehen, wie seine Brombeeren die Hitzewelle überstanden haben. Angespannt läuft der 62-Jährige durch die Reihen. Einige Früchte sind aufgesprungen, haben Sonnenbrand und müssen schnell gepflückt werden, damit sich die asiatische Kirschessigfliege nicht einnistet. „Der Mensch geht bei dieser Hitze ins Freibad oder in den Schatten oder nimmt einen hohen Sonnenschutzfaktor, die Pflanze kann das nicht“, sagt Ortlieb.

Doch es sind weniger die heißen Temperaturen, sondern eher die zunehmenden UV-Strahlen, die den Pflanzen zusetzen. Deshalb müssen sie mit blauen Schattierungsnetzen geschützt werden. Einige bulgarische Saisonkräfte sind gerade dabei, schwarze Netze an den Pfosten aus Akazienholz zu befestigen, die schattierend wirken, aber auch möglichen Hagel abhalten sollen. Ist die Hitzewelle vorbei, werden sie wieder abgebaut. Danach muss das Areal von außen noch mit den weißen, engmaschigen Netzen gegen die Kirschessigfliege geschützt werden.

Feine Beeren-Rezepte

Mit der bisherigen Saison ist Reinhard Ortlieb zufrieden – Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren und Heidelbeeren haben die Reifeprüfung bestanden. „Wir hatten ein gutes Frühjahr ohne Frost, aber wir müssen inzwischen viel mehr Aufwand betreiben“, sagt der dreifache Familienvater.

Über den Mindestlohn will er nicht jammern. Er hat seine Mitarbeiter schon immer gut bezahlt. „Aber dann muss man eben auch einen Mindestpreis für gute Ware bezahlen“, sagt Ortlieb. Für die Vermarktung ist sein Sohn Daniel zuständig. Beide machen sich Sorgen, wie die Klimaerwärmung ihrem Erwerb zusetzen könnte, welche Auswirkungen es hätte, wenn die Jahrestemperatur im Durchschnitt dann um zwei Grad ansteigen sollte. „Wir Bauern spüren das zuerst, die Politiker sollten sich das viel öfter in der Praxis anschauen“, sagt Ortlieb.

Er fährt weiter zu einem Schuppen, wo er seine Gerätschaften aufbewahrt. Stolz zeigt er auf den Nordhang, wo er seit einigen Jahren Kiwibeeren anbaut. Sie stammen aus dem Kaukasus, sind winterhart und auch nicht anfällig für Schädlinge und Hitze. Die stachelbeergroßen Früchte wachsen wie an Reben und können Ende September mit der Schale gegessen werden. „Sie sind toll im Geschmack. In unserem Hofladen sind sie der Renner“, sagt Reinhard Ortlieb. Nur mit der bräunlich-grünlichen Hülle ist er nicht ganz einverstanden und experimentiert mit einer rötlichen Frucht. So schön wie die Erdbeere wird sie wohl nicht werden . . . 

Johannisbeer-Baiser

Zutaten: 300 g Johannisbeeren, 2 EL Zitronensaft, 20 g Puderzucker, 150 ml Schlagsahne, 20 g Baiser.

Zubereitung: Johannisbeeren putzen. Die Hälfte mit Zitronensaft und Puderzucker pürieren. Die übrigen Johannisbeeren untermischen, 5 Minuten kalt stellen. Sahne steif schlagen, Baiser grob zerbröseln, mit Johannisbeerpüree und der Sahne in Gläser schichten und servieren.

Stachelbeer-Wein-Konfitüre

Zutaten:500 g rote Stachelbeeren, 300 ml Weißwein (trocken), 1 kg Gelierzucker (1:1), 30 g frischer Ingwer, 5 EL Zitronensaft. Zubereitung: Stachelbeeren waschen, mit Wein und Gelierzucker in Topf mischen, zugedeckt 1 Stunde ziehen lassen. Pürieren. Geriebenen Ingwer, Zitronensaft dazu­geben, 3 Minuten unter Rühren kochen ­lassen. In Gläser füllen, nach 1 Minute auf Deckel stellen. Zehn Minuten später drehen.

Himbeer-Kaltschale

Zutaten: 500 g Himbeeren, 100 g Zucker, 200 ml Apfelsaft, 150 ml Sekt, 2 Stiele Minze. Zubereitung: Die Himbeeren waschen, verlesen. Zwei Drittel mit Zucker, Saft und Sekt pürieren, durch feines Sieb streichen. Minze waschen, trockenschütteln, Blättchen von Stielen zupfen und einige für Garnitur weglegen. Minze fein hacken und unterrühren. Im Kühlschrank 1 Stunde ziehen lassen. Mit restlichen Himbeeren und Minze servieren.

Heidelbeer-Pfannkuchen

Zutaten:Ein Körbchen Heidel- oder Blaubeeren, 200 g Mehl, 300 ml Milch, 4 Eier, 4 EL Zucker, Mineralwasser, etwas Butter, Puderzucker zum Bestäuben. Zubereiten: Mehl und Milch verquirlen, Eier unterrühren, Zucker untermischen und einen Schuss Mineralwasser. Den Teig kurz quellen lassen, Beeren waschen, vorsichtig untermischen, anschließend in der Pfanne backen und mit Puderzucker bestäuben.

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