Reaktionen aus Baden-Württemberg Wahl von Kramp-Karrenbauer stößt auch auf Entsetzen

Von red/dpa 

Die CDU hat nach 18 Jahren eine neue Parteichefin. Bundesvize Strobl sieht darin einen Startschuss und eine Sternstunde der Demokratie. Aber die Wahl von AKK stößt im Südwesten nicht nur auf Zustimmung.

Stuttgart - Der Wettbewerb um die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Chefin hat der Partei aus Sicht von Bundesvize Thomas Strobl neuen Schwung gegeben. „Von Hamburg aus weht ein neuer Wind in die CDU hinein, wir haben viel zu tun“, teilte Strobl am Freitagabend mit. „Wir krempeln gemeinsam mit AKK die Ärmel hoch und packen es an: für Deutschland und seine Menschen.“

Mit Annegret Kramp-Karrenbauer als Bundesparteichefin und Kanzlerin Angela Merkel werde die CDU überzeugende Antworten auf die existenziellen Herausforderungen in Deutschland, Europa und der Welt geben. „Mit der heutigen Entscheidung sind wir nicht über eine Ziellinie gelaufen, sondern wir haben einen Startschuss erlebt.“ Mit der Debatte um die Merkel-Nachfolge habe die CDU eine „Sternstunde der innerparteilichen Demokratie“ erlebt. „Das war geradezu stilbildend für die politische Kultur in unserem Land.“

Wahl mit Fotofinish

Kramp-Karrenbauer ist die neue Bundesvorsitzende der CDU. Die Delegierten des Parteitages in Hamburg wählten die bisherige CDU-Generalsekretärin am Freitag in Hamburg mit knapp 52 Prozent der Stimmen zur Nachfolgerin von Merkel, die aber Bundeskanzlerin bleiben wird. Für den früheren Unionsfraktionsvorsitzenden Friedrich Merz entschieden sich gut 48 Prozent der Delegierten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn war im ersten Wahlgang ausgeschieden.

„Bei einem solchen Fotofinish gibt es natürlich immer auch enttäuschte Stimmen - auch in Baden-Württemberg, genauso wie es bei uns auch freudige Stimmen gibt“, sagte der Generalsekretär der Landes-CDU, Manuel Hagel. Der Parteitag habe demokratisch mit Mehrheit entschieden. Wichtig sei, den Schwung aus dem Wahlkampf weiterzuführen. „In den Umfragen geht es wieder aufwärts und das ist auch gut so. Denn klar ist, nach unserer innerparteilichen Wahl ist vor der Kommunal- und Europawahl im kommenden Mai.“

Die Reaktionen: Von Freude bis Entsetzen

Der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter vom CDU-Kreisverband Ostalb lobte einen „wirklich fairen und engagierten Wettbewerb“. „Mit der neuen Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer gilt es nun den Aufwind und die spürbare Aufbruchsstimmung weiterzutragen und alle Parteiströmungen zusammenzuführen“, teilte Kiesewetter mit. „Alle Mitglieder sind jetzt gefordert, gemeinsam mit der Parteivorsitzenden die Arbeit der Regierungskoalition zu begleiten und nach Kräften zu unterstützen.“

SPD-Landeschef Andreas Stoch bezeichnete die Wahl von Kramp-Karrenbauer als „Chance, sich an dieser konservativeren Nachfolgerin von Frau Merkel reiben zu können“. „Das ist aber nicht entscheidend. Alles andere liegt nur an uns selbst.“ Dass die Südwest-CDU im Vorfeld so stark für Merz getrommelt habe, zeige, „dass die hiesige CDU neoliberaler und spießiger tickt als anderswo“.

Forderungen an „AKK“

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke reagierte hingegen nach eigenen Angaben entsetzt auf das Hamburger Wahlergebnis. Es sei ihm völlig unverständlich, dass die CDU nicht Merz gewählt habe. „Es hätte die Chance bestanden, wieder Wähler von der AfD zurück zu gewinnen und die politische Landschaft in Deutschland zu stabilisieren“, teilte Rülke am Freitagabend mit. „Mit der Wahl von Kramp-Karrenbauer hat sich die CDU dazu entschieden, das „System Merkel“ noch viele Jahre fortzusetzen.“ Die Union werde damit immer schwächer und der rechte Rand immer stärker werden.

Die CDU habe sich gegen einen klaren Bruch entschieden und die marktwirtschaftliche Erneuerung gescheut, betonte auch FDP-Landeschef Michael Theurer. „Es ist weiter an uns Freien Demokraten, für die arbeitende Mitte und die soziale Marktwirtschaft zu kämpfen.“

Der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT), Rainer Reichhold, forderte von der neuen Parteivorsitzenden ein starkes Engagement für das Handwerk. So müsse sich Kramp-Karrenbauer etwa für den Bürokratieabbau einsetzen.

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