Auch der baden-württembergische Landesvorsitzende Thomas Strobl versucht die Gefahr herunterzuspielen. Foto: dpa

Die Landes-CDU will Sorgen vor einer Spaltung der Partei zerstreuen – von der Hand zu weisen sind diese Bedenken allerdings nicht. Unmittelbar nach der Wahl hat es erste Parteiaustritte gegeben.

Berlin - Nach Annegret Kramp-Karrenbauers Sieg im Kampf um den Parteivorsitz bemühen sich Vertreter der Südwest-CDU in ersten Reaktionen, die Sorge vor einer Spaltung der Partei zu zerstreuen. Von der Hand zu weisen sind die Befürchtung aber keineswegs. Die Wut scheint groß: Ein Delegierter berichtete bereits unmittelbar nach der Wahl von ersten Parteiaustritten. Steffen Bilger, Bezirksvorsitzender in Nordwürttemberg, sagte unserer Zeitung ebenfalls, es gebe „einige negative und enttäuschte Reaktionen an der Basis“. Die Folgen der Wahlentscheidung seien noch nicht abzusehen. „Wir müssen alles tun, um zusammenstehen“, sagte Bilger fast beschwörend.

Der Landesvorsitzende Thomas Strobl versuchte am Freitag zunächst, der Situation die Dramatik zu nehmen. „Es wird sicher einige Enttäuschte geben. Aber ich sehe keine Gefahr einer Lagerbildung oder neuer Gräben“, sagte er unserer Zeitung. „Wir stehen als baden-württembergische CDU voll hinter und zu der neuen Vorsitzenden.“ Tatsächlich aber war aus Baden-Württemberg die vehementeste Unterstützung für den Verlierer Friedrich Merz gekommen. Dazu gehörte zuletzt auch Wolfgang Schäuble, der demonstrativ für Merz eingetreten war. Gut angekommen ist das in der CDU nicht. Das könnte sich nun zum Bumerang entwickeln. Strobl versucht, die Gefahr herunterzuspielen, und sagt in Bezug auf Schäuble: „Persönlich sage ich: Das kann man machen, muss man aber nicht. Wenn man das macht, ist es aber okay.“ Woraus zumindest keine Begeisterung spricht.

Ergebnisse der Parteivizes zeichnen genaues Bild der Machtverhältnisse

Verständlich, denn auch für Strobl selbst ist die Situation durchaus nicht angenehm. Bei der Wahl der fünf stellvertretenden Bundesvorsitzenden erhielt er sehr schlappe 59 Prozent der Delegiertenstimmen, womit er nur vor Ursula von der Leyen landete, die 57 Prozent erreichte. Auch das Ergebnis von Annette Widmann-Mauz bei den Präsidiumswahlen fiel mit 56 Prozent nicht glorreich aus. „Das ist die Quittung für das rabiate Eintreten der Südwestler für Merz“, sagte ein Delegierter unserer Zeitung.

Tatsächlich zeichnen die Wahlergebnisse bei den Parteivizes ein genaues Bild über die Machtverhältnisse in der Partei. Mit Volker Bouffier (90,4 Prozent) und Julia Klöckner erreichten zwei Vertraute Merkels satte Mehrheiten, auf die sich nun wohl auch Kramp-Karrenbauer stützen können wird. Armin Laschet, der NRW-Landeschef, kam auf 75 Prozent – auch er sicher kein Mann aus dem Merz-Lager. Im engsten Führungskreis der Union findet sich also künftig keine Unterstützung für eine neokonservative Wende. Sollte der Eindruck stimmen, dass die Basis der Südwest-CDU am Hamburger Wahlergebnis schwer zu beißen hat, kommt auf die Landespartei ein Problem zu. Auf Bundesebene gibt es unter der neuen Führung keinen Kursschwenk.

Freude einerseits, Besorgnis andererseits

Ohne Sorgen sind auch diejenigen nicht, die mit dem Ausgang gut leben können. Die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Karin Maag freute sich am Freitag zwar, „stolz, Teil dieser Volkspartei mit Zukunft zu sein“. Sie freue sich darauf, mit Kramp-Karrenbauer „offen, leidenschaftlich und kommunikativ in Wahlkämpfe zu gehen“. Sie würdigte die unterlegenen Spahn und Merz für ihre angekündigte unbedingte Unterstützung. Aber in ihrem Nachsatz schwingt gewisse Besorgnis mit. „Ich hoffe und wünsche mir, dass dies auch für die Parteimitglieder gilt, die ihre jeweiligen Kandidaten begleitet haben.“

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