Edgar Koslowski arbeitet seit 40 Jahren als Bademeister in einem Freibad. Foto: Olaf Michel

Nach einem Polizeieinsatz soll im Inselbad Stuttgart-Untertürkheim künftig Sicherheitspersonal auf der Liegewiese patrouillieren. Der Vorsitzende des baden-württembergischen Schwimmmeisterverbandes fordert noch schärfere Kontrollen.

Stuttgart - Edgar Koslowski arbeitet seit 40 Jahren als Bademeister und ist Vorsitzender des Landesverbands Baden-Württemberg beim Bundesverband Deutscher Schwimmmeister. Aktuell arbeitet er als Betriebsleiter im Freibad Ettenheim nördlich von Freiburg.

In den vergangenen Jahren beobachte Koslowski einen Werteverfall und immer mehr Rücksichtslosigkeit in Freibädern, erklärt er im Interview.

Herr Koslowski, am Wochenende musste in mehreren Freibädern in Deutschland wegen Auseinandersetzungen die Polizei kommen. Im Inselbad in Stuttgart Untertürkheim zum Beispiel wollten einige Gäste das Bad nicht wie aufgefordert verlassen, nachdem Sie auf der Liegewiese Fußball gespielt hatten. Es kam zu einer Auseinandersetzung mit der Polizei. Sie sind seit 40 Jahren Bademeister. Gehörten Polizeieinsätze schon immer zum Arbeitsalltag?

Mein Beruf hat sich in den letzten Jahren enorm verändert. Ich beobachte einen Werteverfall und Rücksichtslosigkeit, die es früher nicht gab. Vor 20 Jahren war der Bademeister noch eine Respektsperson. Das ist heute nicht mehr der Fall. Für ein bestimmtes Klientel gibt es keine Gesetze mehr. Das zeigt sich besonders in Problembädern in Ballungsgebieten. Im Freibad Ettenheim bei Rust, wo ich arbeite, müssen wir im Jahr im Schnitt etwa zehn Mal pro Saison die Polizei holen. Dieses Jahr war das bislang aber zum Glück noch nicht notwendig.

Die Stuttgarter Freibäder wollen nach dem Zwischenfall im Inselbad nun Sicherheitspersonal zusätzlich zum Bäderpersonal auf den Liegewiesen patrouillieren lassen. Wie bewerten Sie das?

Sicherheitspersonal ist meiner Meinung nach sehr wichtig und sinnvoll, vor allem in Brennpunktbädern. Ich denke, dass vor allem auch Kontrollen am Eingang wichtig wären – zum Beispiel für Taschenkontrollen und um Betrunkene oder Menschen, die schon mehrmals Badeverweise erhalten haben, direkt abzuweisen. Wenn man das ganze Konfliktpersonal erst einmal im Schwimmbad hat, hat man schon verloren. Security-Personal ist übrigens auch in anderen Freibädern schon im Einsatz, zum Beispiel im Freibad Kehl.

Anmerkung der Redaktion: Nach Angaben des Freibad Kehls besteht der Sicherheitsdienst dort an heißen Tagen aus acht Personen. Das Security-Personal kontrolliert am Eingang Taschen der Badegäste auf Alkohol, Drogen oder Waffen und patrouilliert auf der Liegewiese.

Wie sehen Ihre Arbeitszeiten aus?

Bei uns in Ettenheim haben wir pro Tag maximal 2500 Badegäste. Das müssen wir mit einem kleinen Personalstand bewältigen. Wir sind zwei Schwimmmeister und vier Rettungsschwimmer. Ich arbeite in den Sommermonaten immer eine Woche Früh- und eine Woche Spätschicht im Wechsel. Die Frühschicht beginnt um 6 Uhr morgens mit Vorbereitungen, damit der Gast um 9 Uhr bei Eröffnung ein sauberes Bad vorfindet. Um 12.30 Uhr kommt dann die zweite Schicht, die Frühschicht macht Pause und arbeitet anschließend bis 18 Uhr weiter. Die Spätschicht geht dann mit Saubermachen und allem anderen schon mal bis 23.30 Uhr. Jeden zweiten Sonntag habe ich frei.

Wie anstrengend ist der Job?

Wenn ich ins Schwimmbad komme, fährt direkt die Sensorik hoch. Ich muss ja immer alles im Blick haben, es darf nichts passieren, dazu noch der hohe Geräuschpegel und die Hitze. Nach zehn Stunden Arbeit bin ich erschlagen. Nach vier Monaten Badesaison brauche ich erst einmal acht Monate, um den Akku aufzuladen. Wenn dann noch Vorfälle wie jetzt wieder am Wochenende in Stuttgart und Düsseldorf hinzukommen, erhöht sich der Frust noch weiter. Mit besserer Bezahlung wäre das zum Teil gar nicht mehr aufzufangen. Ich kenne viele die sagen, sie würden den Job auch für 1000 Euro zusätzlich nicht mehr machen wollen.

Lesen Sie hier: Gehaltscheck Stuttgart – was verdient ein Bademeister im Schwimmbad?

Sie sprachen von Wertverfall und weniger Respekt. Was hat sich sonst noch verändert, seitdem Sie vor 40 Jahren Schwimmmeister wurden?

Mit der Lebensqualität der Menschen wachsen auch die Ansprüche. Heute erwarten die Gäste mehr Attraktivität, wie etwa verlängerte Öffnungszeiten, was mit dem wenigen Personal wiederum schwer zu machen ist. Bei mir im Bad habe ich zum Beispiel Sonnenliege und –schirme rund ums Becken. Selbst wenn alles belegt ist, kommen die Leute noch zu mir und verlangen nach Liegen. Ich sage dann: „Leute, ich kann doch da jetzt auch nichts machen.“ Mein Eindruck ist, dass die Menschen früher mit weniger zufrieden waren. Da war man froh, dass es überhaupt ein Freibad gab.

Was wünschen Sie sich für den Rest der Badesaison?

In erster Linie möchte ich an die Einsicht der Badegäste appellieren: Auch mal an das Personal denken, das relativ alleine ist. Auch mal daran denken, dass wir eine Gesellschaft sind, die zusammenhalten muss.

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