Hütte vor Alpenpanorama: Fred Christmann von der Stiftung Psyche hat die Kulisse ganz bewusst sehr idyllisch gestaltet. Foto: Nina Ayerle

Die Stiftung Psyche an der Johannesstraße ergänzt ihre Ausstellung um das Thema Resilienz.

S-West - Fünf Freunde etwa braucht der Mensch. Die Natur. Tagebuch schreiben vielleicht noch. Das hält uns gesund, auch psychisch. Zumindest unterstützt es dabei, dass wir uns gut fühlen. Doch das ist es nicht allein. Manchen Menschen scheinen ja auch die größten Schicksalsschläge nichts anzuhaben. Auch nach dem größten Sturm stehen sie wieder auf und machen weiter.

Was macht sie so stark? Mit der Frage hat sich der Psychologe Fred Christmann, Leiter der Stiftung Psyche, beschäftigt und die dortige Ausstellung um das Thema innere Widerstandskraft erweitert: Resilienz nennt sich das in der psychologischen Fachsprache. Umgangssprachlich bezeichnen wir solche unerschütterlichen Charaktere oft als Stehaufmännchen. „Das signalisiert ein bisschen, mancher bleibe gar nie unten“, sagt Fred Christmann. Das ist falsch: „Der resiliente Mensch ist auch überforderbar, aber er nutzt jede kleine Chance, um wieder hochzukommen.“

Die Ausstellung erklärt psychologische Phänomene – auch anhand von Experimenten

Vor drei Jahren hat die Stiftung Psyche an der Johannesstraße 75 die Dauerausstellung „Faszination Psychologie – der Mensch im Spiegel psychologischer Experimente“ eröffnet. Die verschiedenen Stationen erklären lebensnah – aber eben auch wissenschaftlich – die Phänomene Glück, Konformität, Persönlichkeitsstruktur, Gewalt und zeitgeistige Themen wie Work-Life-Balance.

Mit Angst beschäftigt sich ein eigener Bereich. Fünf Tipps für Verhalten in Angstsituationen hängen dort zum Beispiel an der Wand. „Angst ist mein Thema“, sagt der 68-Jährige. Christmann hat einst das erste deutsche Ausbildungsinstitut für Verhaltenstherapeuten in Stuttgart gegründet – lange bevor die Therapieform eine anerkannte Strömung in der Psychotherapie war. „Das ist die Zukunft“, habe er sich schon am Ende seines Studiums gedacht. Als er in Ruhestand ging hat Christmann das Therapie- und Ausbildungszentrum an der Christophstraße verkauft. Es hat sich kein Nachfolger dafür gefunden.

Wie bleiben Menschen gesund? Die Stiftung bietet Orientierung dazu

Die Psychologie an sich wollte er aber nicht aufgeben. Nur sich anders damit beschäftigen wollte er. Als Psychologe und Psychotherapeut hat man es in der Regel mit Kranken zu tun. „Als wir eröffnet haben, kamen auch ganz viele Leute, die eine Therapie suchten“, erzählt Christmann. Mit der Stiftung Psyche möchte er sich aber nicht mehr direkt mit psychischen Krankheiten beschäftigen, sondern mit dem Gegenteil. Sein Ansatz ist dort die Salutogenese, positive Psychologie also. „Uns geht es darum, den Menschen Orientierung zu geben.“

Oder: Was braucht ein Mensch, um gesund zu sein? In dem neuen Themenbereich Resilienz wird anschaulich erklärt, was unsere Seele widerstandsfähiger macht; wie wir Krisen, Stress und Schicksalsschläge besser meistern. Als Kulisse hat Christmann dafür eine malerische Almhütte mit Holzbänken und Alpenpanorama gewählt. Ruhe und Natur – das macht uns natürlich gesünder. Das allein hilft aber nicht: sich selbst annehmen, realistischer Optimismus, lösungsorientierte Gedanken zählt Christmann noch auf. „Auch das Gefühl, ‚ich selbst kann etwas beeinflussen‘ lässt uns besser mit Problemen umgehen.“ Und dann sind da eben die Freunde oder Nachbarn, also die soziale Vernetzung: „Das braucht der Mensch.“ Einsamkeit wiederum mache krank.

In dem neuen Ausstellungsbereich geht es um Besinnlichkeit und Wohlfühlen

Während bei den anderen Themenbereichen die Besucher eher an Experimente machen können, geht es in der Almhütte eher um Besinnlichkeit, die Beschäftigung mit sich selbst. Man kann Erinnerungen notieren oder alte Postkarten lesen, die die Stiftung sammelt. Eine Möglichkeit, abzuschalten und sich zu entspannen, ist übrigens auch das Sammeln.

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