Stiftung Psyche in S-West Es begann mit einem Zusammenbruch

Von Kathrin Wesely 

Kritisch wird es, wenn vor lauter Arbeit die Erholung zu kurz kommt Foto: Ute Grabowsky/photothek.net
Kritisch wird es, wenn vor lauter Arbeit die Erholung zu kurz kommt Foto: Ute Grabowsky/photothek.net

Burn-out ist der Dauerbrenner. Veranstaltungen zu diesem Thema und zu Fragen der Work-Life-Balance werden besonders von Firmen nachgefragt, sagt Fred Christmann, Leiter der Stiftung Psyche, die Anfang des Jahres in der Johannesstraße eröffnet hat.

S-West - Burn-out ist der Dauerbrenner. Veranstaltungen zu diesem Thema und zu Fragen der Work-Life-Balance werden insbesondere von Firmen nachgefragt, sagt Fred Christmann, der Leiter der Stiftung Psyche. Die Einrichtung mit ihrer Dauerausstellung „Brechungen der Seele“ hat erst Anfang des Jahres an der Johannesstraße 75 eröffnet. Die wissenschaftliche Ausstellung befasst sich mit Themen wie Glück, Angst, Konformität, Autorität, Persönlichkeit, den Geschlechterrollen und der Work-Life-Balance.

„Unser Ziel ist es, dass die Menschen sich besser verstehen. Dann begreifen sie auch eher, wie wir besser leben und zu besseren Menschen werden können“, erklärt der Psychotherapeut Christmann. Das Haus bietet bei Beratung und Coaching die Möglichkeiten, einzelne Themen zu vertiefen. Offenbar trifft die Einrichtung den Nerv der Zeit, denn schon macht man sich dort Gedanken über eine mögliche Erweiterung der Ausstellung.

Oft sind es einfache Mechanismen, die es zu begreifen gilt, sagt Christmann. Burn-out etwa beschreibt er schlicht als „Missbalance von eigenen Kompetenzen und Anforderungen“. Auslöser sei nicht ein einzelnes Ereignis, sondern eine Anhäufung alltäglicher Überlastungen. „So lange es genug Ressourcen gibt, die Familie zum Beispiel, und so lange jemand genug Erholung genießt, kann man das auffangen.“ Problematisch werde es, wenn der Ausgleich fehle. Erholung bedeute, „einfach die Zeit verstreichen lassen“ – am besten im Grünen. Doch die Menschen setzten sich in ihrer Freizeit hohen Leistungsanforderungen aus. „Wir definieren uns heute sehr stark über unsere Aktivitäten“, sagt Christmann. Die Menschen strebten danach, in möglichst wenig Zeit möglichst viele Dinge zu verrichten.

Ganz falsch, urteilt Christmann. „Nehmen wir das Putzen, was ja auch zur Freizeit gehört, weil man seine Sachen in Ordnung halten möchte. Man sollte auch dabei ganz bei der Sache sein und nicht 100 andere Dinge im Kopf haben. Die Gedanken sollten weder in die Vergangenheit noch in die Zukunft wandern, sondern sich auf den Moment konzentrieren.“ Christmann beschreibt eine meditative Grundhaltung. Er selbst spricht von „Achtsamkeit“, und diese lasse sich in fast jeder Lebenslage anwenden – auch beim Putzen.

Das Thema Burn-Out begleitet den Psychotherapeuten schon seit mittlerweile drei Jahrzehnten. Es ist ein relativ junges Phänomen, das nach Auffassung von Christmann in engem Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen entsteht. Ein Burn-Out ist auch die Ursache dafür, dass es die Stiftung Psyche überhaupt gibt: In den 1980er Jahren tauchte der ausgebrannte Landwirt Gerhard Alber in Christmanns Praxis auf. Der Hofbesitzer aus Altdorf bei Böblingen hatte bereits mehrere körperliche Zusammenbrüche erlitten; die behandelnden Ärzte konnten ihm nicht mehr zu helfen. Anfangs hat sich der knurrige Bauer gegen den Seelenklempner gesträubt, doch im Lauf der Zeit kamen sich Alber und Christmann näher.

Redaktion Stuttgart-West

Ansprechpartnerin
Kathrin Wesely
s-west@stz.zgs.de

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