Provisorium in Gerlingen Per Holzrampe zum Schwimmen

Von Klaus Wagner 

In diesen Tagen wird die hölzerne Rampe zum Hallenbad gebaut. Foto: factum/Granville
In diesen Tagen wird die hölzerne Rampe zum Hallenbad gebaut. Foto: factum/Granville

Passanten wundern sich über eine Konstruktion vor dem Hallenbad. Weil der Aufzug defekt ist, wird dort ein barrierefreier Zugang gebastelt. Auch das VHS-Haus ist nur provisorisch barrierefrei erreichbar.

Gerlingen - Es sind acht Stufen mit insgesamt rund anderthalb Meter Höhe. Diese muss überwinden, wer in die Gerlinger Schwimmhalle möchte. Denn der störungsanfällige Aufzug vor dem Eingang ist defekt und kann nicht rasch repariert werden. Deshalb hat sich die Verwaltung entschlossen, eine etwa 25 Meter lange Rampe aus Holz bauen zu lassen. Damit soll Nutzern von Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen der barrierefreie Zugang in das Bad ermöglicht werden.

Seit Anfang der Woche bauen Handwerker aus Vierkanthölzern und starken Brettern die Rampe. Der Bürgermeister Georg Brenner hatte das Vorhaben in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats angekündigt. Der Aufzug, der von der Tiefgarage bis zum Eingang der Schwimmhalle führt, sei kaputt. „Zu viel Wasser von oben“, so Brenner, habe sich negativ auf die Elektronik des Fahrstuhls ausgewirkt. Die Reparatur sei „keine Kleinigkeit“ und dauere längere Zeit. Es sei nicht absehbar, wann der Aufzug wieder störungsfrei laufe. Weil das Risiko des Steckenbleibens bestehe, habe man den Aufzug gesperrt und sich für die Rampe entschieden. Ohne Aufzug habe die Schwimmhalle keinen barrierefreien Zugang. Die Kundschaft habe deutliche Hinweise gegeben, „dass wir den Zustand nicht lassen können“. Brenner gab zu, die Konstruktion werde gestalterisch „nicht der große Hit“ – aber sie sei zweckmäßig.

Ein Konstruktionsfehler?

Etliche Stadträte ließen diese Ankündigung nicht unkommentiert. Es sei ein Notnagel, meinte Martin Nufer (Freie Wähler). Die Konstruktion wird laut seinem Fraktionskollegen Gerhard Amos, der einen Rollstuhl braucht und auch örtlicher Vorsitzender des Sozialverbands VdK ist, ein „gewaltiges Monument“. Es sei ärgerlich, dass der Aufzug kaputt sei, merkte Barbara Günther (SPD) an. Sie wollte wissen, wie in die Elektronik des Aufzugs und den Schacht Wasser eindringen könne. Ob dies ein Bau- oder ein Konstruktionsfehler sei?

Auch an anderer Stelle der Stadt ist der barrierefreie Zugang in öffentliche Gebäude nur wenig komfortabel möglich. Am Eingang des Hauses der Volkshochschule werden zwei Stufen mit einer Rampe aus Metall überwunden, im Haus gibt es keinen Aufzug und auch keinen Platz für eine Nachrüstung. Das hätten Untersuchungen ergeben, sagte der VHS-Chef Markus Fink. Nur ein Raum im Erdgeschoss sei für Rollstuhlfahrer problemlos erreichbar. Auch ein Treppenlift sei nicht möglich, weil sonst die Treppe zu schmal werde. Es sei andererseits aber „extrem selten“, so Fink, dass Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte unter den VHS-Teilnehmern seien – und wenn, dann versuche man, den gewünschten Kurs in einen anderen Raum zu verlegen. Eine Dame mit Rollator komme regelmäßig in einen Gesundheitskurs – der im Erdgeschoss stattfinde.

Fassade des Turms wird gestrichen

Laut dem Gerlinger Stadtbauamt sind am Haus der Volkshochschule „aktuell keine baulichen Maßnahmen“ vorgesehen, um Barrierefreiheit zu erreichen. Es sei auch nichts geplant. Nichtsdestotrotz findet an dem Alten Feuerwehrhaus Renovierungsarbeiten statt: Die Fassade des Turms soll in diesem Jahr neu gestrichen werden.

Gerhard Amos fordert Verbesserungen für die Rampe am Eingang. „Die taugt für Kinderwagen, aber nicht für Rollstühle.“ Er gibt zu, das Gebäude sei alt. „Das ist eben so, da kann man nichts machen und muss damit leben.“ Angebote für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator sollten dann eben in anderen Räumen stattfinden.

Das Thema Barrierefreiheit ist der Gerlinger Stadtverwaltung und dem Bürgermeister ein Anliegen: Vor wenigen Jahren hatte Brenner angeregt, beim Umbau des Kelterplatzes, der mittlerweile fertig ist, einen neuen Gehweg entlang der Kirchstraße zu bauen. Damit sollten die Geschäfte 200 Meter weiter unterhalb besser erreicht werden können. Der Gemeinderat lehnte dieses Ansinnen ab.

Lesen Sie jetzt