Auf einem Laptop ist am 30.10.2015 im Innenministerium in Stuttgart, die neue Prognosesoftware „precobs“ neben einem symbolischen Startknopf zu sehen. Foto: dpa

Die Polizei wollte eigentlich eine Million Euro jährlich für die Vorhersage von Einbrüchen ausgeben. Jetzt zeigt sich aber ein Problem: für gute Prognosen wird im Land zu wenig eingebrochen.

Stuttgart - Die baden-württembergische Polizei wird in Zukunft wohl nicht mehr auf die Einbruchprognose-Software Precobs setzen. Eine abschließende Bewertung stehe noch aus, sagte ein Sprecher des Landesinnenministeriums unserer Zeitung. Allerdings, teilt der Sprecher mit, komme man nach zwei abgeschlossenen Testphasen in den Polizeipräsidien Stuttgart und Karlsruhe zu folgender Einschätzung: „Der maßgebliche Nutzen scheint nicht in der Prognoseleistung der Software, sondern vor allem in den Möglichkeiten des Programms zur strukturierten Analyse und statistischen Aufbereitung von verfügbaren Daten zu liegen.“

Zweiter Testlauf kostete 260 000 Euro

Das spezielle Computerprogramm wertet Daten aus Wohnungseinbrüchen wie Tatzeit, Tatort, Vorgehensweise und Art des Gebäudes aus und berechnet Tatwahrscheinlichkeiten in bestimmten Gegenden. Eigentlich sollte es den Polizisten also sagen, wo sie verstärkt Präsenz zeigen müssen, um mögliche Einbrüche zu verhindern. Nach Informationen unserer Zeitung gab es in den Pilotphasen allerdings nicht genügend Daten, um verlässliche Vorhersagen treffen zu können. Dies habe vor allem daran gelegen, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sei.

Es gilt deshalb als unwahrscheinlich, dass das Land die Software für alle Polizeipräsidien anschafft. Eine landesweite Einführung würde rund eine Million Euro pro Jahr kosten. Trotz einzelner positiver Elemente des Programms stehen die Kosten somit in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Um ein besseres Bild zu bekommen hatte Innenminister Thomas Strobl (CDU) nach einer ersten Pilotphase von Oktober 2015 bis April 2016 in Stuttgart sowie in Karlsruhe und Umgebung angeordnet, den Versuch in den Polizeipräsidien mit einer weiterentwickelten Programmversion zu verlängern. Der 260 000 Euro teure Test lief bis April.

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