Beginn der neuen Prognose-Software: Ende Oktober drückten auf einen Symbolischen Startknopf LKA-Präsident Ralf Michelfelder, Innenminister Reinhold Galls, Landespolizeipräsident Gerhard Klotter und Thomas Schweer vom Institut für musterbasierte Prognosetechnik (von links). Foto: dpa

Die Polizei in Stuttgart und Karlsruhe testet gerade eine neue Software, die ihr im Kampf gegen Einbrecher helfen soll. Die Begeisterung hält sich in Grenzen– trotz rückläufiger Zahlen. Die Trendwende habe man auch ohne Maschine geschafft, heißt es.

Stuttgart - Vom System „precobs“ hat man bislang nur Gutes gehört. Precobs steht für „Pre Crime Observation System“. Es soll mithelfen, Verbrechen zu verhindern. Verbrechen wie Einbrüche, die das Sicherheitsgefühl der Bürger besonders stark beeinträchtigen, wie es immer heißt. Precobs wurde von einem privaten Institut in Oberhausen entwickelt, dem Institut für musterbasierte Prognosetechnik (IfmPt). Wenn man den Computer mit Daten begangener Einbrüche füttert, soll das System der Polizei die Arbeit erleichtern: Die Software sagt voraus, in welchem Viertel Einbrecher in den nächsten Tagen voraussichtlich wieder zuschlagen werden. Dort geht die Polizei dann gezielt auf Streife, die Beamten werden so effizienter eingesetzt. Soweit die Theorie.

In der Praxis wird die Software bislang in der Schweiz eingesetzt und in Bayern getestet. Von dort kommen Erfolgsmeldungen, was allerdings auch daran liegen könnte, dass Bayern mit dem Test bereits im Oktober 2014 angefangen hat – zu einer Zeit also, als fast jeden Monat die Zahl der Einbrüche einen neuen Höchststand erreichte. Daher wird auch der Rückgang um neun Prozent, den Bayern im vergangenen Jahr verzeichnen konnte, unter anderem auf den Einsatz der neuen Software zurückgeführt.

In Baden-Württemberg ist es anders. Auch dort gingen die Einbruchszahlen 2015 zurück, und zwar um rund zehn Prozent. Allerdings bereits ohne die neue Software. Als Ende Oktober die gesamte Polizeiführung den Beginn des Tests des neuen Systems in den Polizeipräsidien Stuttgart und Karlsruhe bekannt gab, waren die Zahlen schon massiv am Sinken. Entsprechend hielt sich schon damals die Begeisterung für das Projekt in Polizeikreisen in Grenzen. Man habe die Trendwende bereits ohne die neue Software geschafft, hieß es stolz. Ganz einfach, in dem man die Einbruchskriminalität zum Schwerpunkt machte.

Schon davor erstellte die Polizei ein Lagebild

Es ist auch nicht so, dass die Polizei bislang ins Blaue hinein gefahren ist, um Einbrecher zu schnappen. Auch ohne die Software ermittelte man die bei Einbrechern besonders beliebten Viertel und Gebiete. Und auch für diese Ermittlungen benutzte die Polizei natürlich einen Computer.

Insofern wird es nun spannend. Denn Baden-Württemberg könnte das erste Bundesland sein, das die neue Software entzaubert. Laut Polizeiführung werden die Erfahrungen nämlich erstmals auch von unabhängiger Stelle bewertet – vom Max-Planck-Institut in Freiburg.

Das Ergebnis wird intern für Ende Juli/Anfang August erwartet. Keine leichte Aufgabe für die Wissenschaftler, wie man in Polizeikreisen meint. „Wir fragen uns, wie die objektiv feststellen wollen, ob die Software etwas gebracht hat“, sagt ein Beamter. Zwar sind die Einbruchszahlen auch in der Testphase stark gesunken, aber das taten sie eben auch bereits davor.

Um die Lizenzgebühren wird ein Geheimnis gemacht

Und selbst wenn das Max-Planck-Institut zu dem Ergebnis kommen sollte, dass es hilfreich wäre, die neue Software dauerhaft und vielleicht sogar flächendecken einzusetzen, muss die Polizeiführung noch eine Kosten-Nutzen-Abwägung vornehmen. Denn das Institut, das die Software entwickelt hat, verlangt Lizenzgebühren, und zwar dem Vernehmen nach nicht zu knapp.

„Billig ist anders“, heißt es in Polizeikreisen, wobei um die genaue Summe ein Geheimnis gemacht wird. Zu Beginn des Tests in Stuttgart und Karlsruhe hieß es lediglich, das Ganze werde den Steuerzahler und 220 000 Euro kosten. Dafür könnte man auch den einen oder anderen Polizeibeamten mehr einstellen.

Zumal die Beamten ohnehin davon überzeugt sind, dass sie im Kampf gegen Einbrecher effizienter sind als eine Maschine. Zwar gibt es auch Befürworter der neuen Software, aber die Testphase hat doch einige Beamte genervt. Bis zu zwölf Alarme am Tag gibt es, was in dem Fall heißt: Zwölf Streifen sollten in gefährdete Viertel raus. Aber so viel Beamte hat man nun mal nicht immer zur Verfügung, zumal die Software selbst ebenfalls betreut und gefüttert werden will.

Bis zu einer Entscheidung wird die Software weiter benutzt

Offiziell sagt keiner was, alle warten auf die Ergebnisse und darauf, wer neuer Innenminister wird. Bis dahin will sich niemand den Mund verbrennen.

Dass die Software nun über die Testphase hinaus weiter betrieben wird, darf man laut einem Sprecher des Innenministeriums auch nicht als Vorentscheidung für das neue System werten. Es gehe nur darum, dass man nicht ein System abschalte, das dann im Ergebnis womöglich doch als sinnvoll erachtet werde, sagt er. „Da ist noch nichts entschieden.“ Und zusätzlich etwas kosten tue dieser Weiterbetrieb den Steuerzahler auch nicht.

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