Uwe Hück scheut keinen Schlagabtausch – wenn dieser seinen Anliegen dient. Foto: dpa

Er ist Porsche-Betriebsratschef und Aufsichtsratsvize, Sozialaktivist, Sigmar-Gabriel-Freund sowie Ex-Profi-Boxer – Uwe Hück hat viele Gesichter. Nun hat der Bundespräsident dem Schwergewicht der IG Metall für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Stuttgart - Dass eine Vergangenheit im Kinderheim kein Hindernis für Erfolg im Leben sein muss, hat Uwe Hück längst bewiesen. Der 54-Jährige ist Gesamtbetriebsratschef und Aufsichtsratsvize bei Porsche – und jetzt auch noch Bundesverdienstkreuzträger. Bundespräsident Joachim Gauck hat ihm „für sein herausragendes Engagement“ das „Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik“ verliehen. Dazu gratuliert auch der Ministerpräsident: Hücks „herausragende Leistungen für das Gemeinwesen“ hätten die verdiente Anerkennung gefunden, wird Winfried Kretschmann (Grüne) zitiert.

Er sei sehr stolz auf diese Auszeichnung, sagt Hück. Der Brief Kretschmanns habe ihn völlig überrascht. Der Einsatz für die benachteiligten Menschen sowie für kranke Kinder und Jugendliche unabhängig von sozialer, nationaler oder ethnischer Herkunft „treibt mich jeden Tag an“. Wer Erfolg habe, müsse der Gesellschaft etwas zurückgeben. Das Verdienstkreuz „hilft mir, meinen Weg unbeirrt weiter zu gehen“. Er habe „eine Mission zu erfüllen“.

„Uwe Hück steht für Verlässlichkeit – hart in der Verhandlung, aber immer für das Wohl des Unternehmens und der Mitarbeiter im Einsatz“, ergänzt Porsche-Vorstandschef Oliver Blume. „Dabei beweist er strategischen Weitblick – zuletzt bei den Verhandlungen um den Produktionsstandort für den ersten rein elektrisch betriebenen Porsche.“

Harte Kindheit ohne Eltern

Vor allem das soziale Engagement wird gewürdigt: etwa sein Ehrenamt als Vorsitzender des FSV Buckenberg, einem integrativem Sportverein aus Pforzheim, wo Hück in seiner Freizeit jugendliche Thaiboxer trainiert. Im September 2013 gründete er die Lernstiftung Hück mit Sitz in Pforzheim. Dort eröffnete er im Juni 2015 auch ein Bildungs- und Sportzentrum, das benachteiligten Jugendlichen eine Perspektive geben soll. Zudem ist er Botschafter der Initiative „Respekt!“, die sich gegen jegliche Diskriminierung wendet, sowie Botschafter des Bundesverbands Kinderhospiz.

Der Einsatz hat mit seiner Vergangenheit zu tun: Uwe Hück kam wahrscheinlich – genau weiß er es selbst nicht – am 22. Mai 1962 in Stuttgart zur Welt. Er wuchs als Waise im Kinderheim Sperlingshof nahe Pforzheim auf, nachdem die Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen waren, von 1977 bis 1981 absolvierte er eine Ausbildung als Maler und Lackierer. Bis 1985 war er professioneller Thaiboxer und wurde zweimal Europameister. In demselben Jahr begann er bei Porsche. Dort ist er seit 2002 Gesamtbetriebsratschef, seit 2003 auch Vorsitzender des Konzernbetriebsrats. 2007 wurde er Aufsichtsratsvize der Automobil Holding SE, 2010 auch der Porsche AG. Seit Juli 2015 gehört Hück dem Aufsichtsrat von Volkswagen an.

Eine der schillerndsten Figuren der Gewerkschaftsszene

Seine bewegte Kindheit, in der er auch Gewalt ertragen musste, hat Hück in seiner Autobiografie „Volle Drehzahl“ geschildert. Ende der siebziger Jahre kamen dann die Boatpeople. Hück kümmerte sich um die vietnamesischen Flüchtlinge und lernte so seine Frau Phuong kennen. Quasi mit der Heirat adoptierte der Buddhist zudem zwei junge Vietnamesen. 1995 kam dann der gemeinsame Sohn Vincent zur Welt.

Hück gehört zu den schillerndsten Figuren der Gewerkschaftsszene: In der IG Metall wird er respektiert und von seinen Porsche-Kollegen bejubelt, mittlerweile hält er sich aus den Belangen der IG-Metall-Führung eher raus – das war nicht immer so. In der SPD zählt Hück den Altkanzler Gerhard Schröder und den heutigen Parteichef Sigmar Gabriel zu seinen Freunden. Zuletzt hatte er sich vergeblich als Co-Chef für die Sozialdemokraten in Baden-Württemberg angeboten. Das ist wie beim Boxen: Er musste immer wieder auch Schläge einstecken.

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