Erfolgsbilanz: Mit dem Polizeihubschrauber wurden 2017 mehr Straftäter und Vermisste entdeckt. Foto: dpa

Die Hubschrauberstaffel der Polizei vermeldet ihr erfolgreichstes Jahr. Trotz weniger Einsätze und Flugstunden gab es dennoch so viele Erfolge wie noch nie.

Stuttgart - Auch Bussard hat den kleinen Lucas gesucht. Ein Polizeihubschrauber kreiste am Montagabend über dem Park Villa Berg im Stuttgarter Osten, wo der vermisste sechsjährige Bub vermutet wurde. Zwar spürte die Besatzung den Erstklässler nicht auf, der auf dem Weg von einer Schule zu einer Kindertagesstätte in Berg verschwunden war: „Aber die Besatzung konnte ausschließen, dass sich der Junge irgendwo im Park aufhielt“, sagt ­Roland Fleischer vom zuständigen Polizeipräsidium Einsatz. Tatsächlich übernachtete der Bub unbemerkt im Kindergartengebäude in Berg, wie sich dann am Dienstagmorgen herausstellte.

Wenn es um die Suche nach Wärmequellen in Parks, in Waldgebieten, am Flussufer oder in Gartenanlagen geht, kann niemand der neuen Generation von Polizeihubschraubern das Wasser reichen – das hat am Dienstag Landes-Innenminister Thomas Strobl festgestellt: „Noch nie in der 52-jährigen Geschichte der Polizeihubschrauberstaffel wurden so viele vermisste Menschen bei Sucheinsätzen lebend gefunden“, sagt er, „Gleiches gilt bei der Suche nach tatverdächtigen Personen.“

29 Straftäter aus der Luft aufgespürt

Der Minister führt das auf die neuen sechs Hubschrauber vom Typ Airbus H 145, für 60 Millionen Euro angeschafft, sowie auf die neuen hochauflösenden HD-Wärmebildkameras zurück: „Eine echte Erfolgsbilanz“, so Strobl. So wurden letztes Jahr 29 Straftäter aus der Luft aufgespürt – so viele wie noch nie. Etwa jenen 37-jährigen Wohnungseinbrecher, der im Juli 2017 mit Beute für 1500 Euro und durchgeladener Pistole aus einer Wohnung an der Einkornstraße im Stuttgarter Osten geflüchtet war. Die Piloten spürten ihn in einem Gartengrundstück auf, die Streifenbeamten am Boden nahmen ihn fest.

Zu den Festgenommenen zählen aber auch vier Verdächtige im Alter von 13 bis 25 Jahren, die in Zuffenhausen, Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) und Weissach im Tal (Rems-Murr-Kreis) mit Laserpointern den Flugverkehr geblendet hatten. Bussard entdeckte im vergangenen Jahr 62 vermisste Personen lebend – im Jahr davor waren es lediglich 50 solcher Erfolge gewesen. Herausragend dabei ein Fall vom 5. Dezember in Ostfildern: Die Piloten entdeckten im Scharnhauser Park einen vermissten dementen 80-Jährigen in hilfloser Lage bei eisigen Temperaturen. Sie landeten und leisteten Erste Hilfe, bis der Notarzt anrückte. Freilich: Im Jahr 2014 waren sogar 67 Vermisste entdeckt worden – allerdings bei viel mehr Einsätzen. Die lagen damals bei knapp 1000 Alarmfällen, jetzt wurden lediglich 873 Menschen vermisst.

Erste Hilfe für vermissten 80-Jährigen

Obwohl die Polizeihubschrauber im Dauereinsatz sind, geht die Zahl der Flugstunden zurück – von 3122 auf 2999. „Das liegt auch daran, dass der Hubschrauber bei der Suche nicht mehr so lange unterwegs sein muss“, sagt Polizeisprecher Fleischer. Mit anderen Worten: Die neue Bussard-Generation ist offenbar effizienter. Mehr Treffer – bei 300 Flügen weniger.

Das mussten auch zwei Einbrecher in Leinfelden-Echterdingen zerknirscht feststellen. Die waren vor einer Polizeistreife geflüchtet – doch Bussard machte sie ausfindig. Einer saß auf einem Baum.

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