Im Polizeipräsidium auf dem Pragsattel wird ein neuer Vizepräsident gesucht. Der neue Chef der uniformierten Schutzpolizei ist dagegen schon gefunden.
Stuttgart - Die erste große Feuertaufe hat Carsten Höfler schon vor Monaten bestanden. Das erste Wochenende nach der Krawallnacht im Juni in der Innenstadt ist, bundesweit beäugt, sein Ding gewesen: Als Einsatzleiter sollte der 44-Jährige die Stuttgarter Polizei und die Eckensee-Szene wieder zurück in geregelte Bahnen führen. „Wir wollen ein Stück weit wieder Normalität bieten“, sagte er, als Hunderte Beamte unter Scheinwerferlicht zur Ausweiskontrolle baten und doch so etwas wie Party im Schlossgarten zuließen. Stuttgart atmete wieder auf – und auch Polizeipräsident Franz Lutz: „Solange mein Einsatzleiter hier entspannt Interviews gibt“, sagte er auf den Treppen des Neuen Schlosses, „ist alles gut.“
Jetzt ist Höfler eine Treppenstufe aufgestiegen. Der 44-Jährige ist neuer Leiter der Schutzpolizeidirektion im Polizeipräsidium Stuttgart – und damit sozusagen der Chef der uniformierten Beamten in der Stadt. Der 44-Jährige ist ein Beispiel dafür, dass immer mehr relativ junge Polizisten im Land in höchste Führungsämter aufsteigen. Vor zwei Jahrzehnten war es noch wie eine Revolution, als die Mittdreißiger als junge Polizeiräte die alteingesessenen Revierführer von ihren Posten verdrängten.
Der Vorgänger – oft genug an vorderster Front
Ein Generationswechsel. Höfler löst den 63-jährigen Harald Weber als Chef der Stuttgarter Polizeireviere und Verkehrspolizisten ab, einen Mann, der 14 Jahre lang manch heißen Einsatz auch selbst an vorderster Front verantwortet hat. Ganz in der Tradition des legendären Günther Rathgeb, der die Stuttgarter Linie prägte. Weber hatte verlängert, weil man die Alten noch brauchte. Eine Folge des rigorosen Personalabbaus in den späten 1990er Jahren, als niemand in der damaligen CDU-Landesregierung daran dachte, dass die Polizei später ein Heer von 60-Jährigen haben würde.
Vor seinem Ruhestand war der Leitende Polizeidirektor Weber stets an den Brennpunkten unterwegs. Seit 2006 erlebte er als Chef der Reviere, dass Stuttgart nicht nur die friedliche Stadt ist, für die sich hält. Randalierende Jugendliche? Weber erinnert sich daran, dass schon 2009 oder 2012 Komasaufen und Jugendgewalt in der Vergnügungsszene Großeinsätze auslösten. Oder Randale bei Fußballereignissen. Mittendrin war er auch bei Stuttgart 21, als er im Februar 2012 die hoch brisante Räumung des Schlossgartens am Südflügel verantwortete.
Innenministerium statt Revier
Höfler ist in Sachen Einsatz kein Neuling. Die vergangenen vier Jahre hat er unter Weber den Stabsbereich Einsätze geleitet. Stuttgarts Innenstadt lernte er 2005 als Dienstgruppenführer kennen. Beschäftigte sich in seinem Studium zum gehobenen Dienst mit dem „Nachahmungseffekt von Amoktaten“. Wurde 2010 als 34-Jähriger in Lauffen am Neckar (Kreis Heilbronn) Revierführer. Dabei stammt der Mann aus Schleswig-Holstein – ein „Nordlicht“, das allerdings seit 20 Jahren im Südwesten lebt.
Gerne wäre der verheiratete Familienvater Höfler auch Revierleiter in Zuffenhausen geworden - doch es kam anders. Vier Jahre im Innenministerium, die Polizeireform im Land unter dem damaligen SPD-Innenminister Reinhold Gall umsetzen helfen, dann in der Zentralstelle des Innenministeriums unter dessen damaligem Stabschef Thomas Berger im Scharnier zwischen Polizei und Politik Erfahrungen sammeln.
Der Vize ist jetzt Präsident – für die Logistik
Apropos Thomas Berger: Auch für ihn ist die Krawallnacht im Juni eine Feuertaufe gewesen. Als Stuttgarter Polizeivizepräsident musste der 49-Jährige vor laufenden Kameras dem bundesweit entsetzten Publikum erklären, was da in Stuttgart passiert war. Auch Berger hat inzwischen eine weitere Stufe genommen – und hat die Stuttgarter Polizei, nach knapp zwei Jahren, wieder verlassen. Berger ist jetzt Präsident des Polizeipräsidiums Technik und Logistik und damit für Ausrüstung und Nachschub der Polizei im Land verantwortlich. Das Bewerbungsverfahren für den zweithöchsten Posten bei der Stuttgarter Polizei läuft noch. „Sein Nachfolger sollte in wenigen Wochen feststehen“, heißt es in Behördenkreisen.
Übrigens: Höflers Nachfolger im Einsatzstab im Stuttgarter Polizeipräsidium ist ebenfalls gefunden. Er gehörte einst ebenfalls zur damaligen Generation der jungen Polizeiräte, die Stuttgarts Reviere übernahmen. Guido Passaro war seit 2006 Chef der Reviere in Bad Cannstatt, im Stuttgarter Osten, in Bietigheim-Bissingen, in Zuffenhausen und in der Wolframstraße. Jetzt ist er 51, damit ein alter Hase. Mit der Planung von Einsätzen zu Großveranstaltungen, die er als Stadion-Einsatzleiter schon kennt, wird er wohl erst mal weniger zu tun bekommen.
Denn Corona beschert der Polizei ganz andere Aufgaben. „Da wird sich manches verlagern“, sagt Schutzpolizeichef Carsten Höfler. Hin zu mehr Kontrollen und mehr Überwachungsmaßnahmen.