Eiche, Eibe und Lärche stehen bereit: SPD-Frau Angelika Maier, Bürgermeister Ralf Zimmermann und Freie-Wähler-Chef Thomas Stigler (von links) pflanzen mit. Foto: Andreas Essig

Bei einer Pflanzaktion am Großbottwarer Köchersberg werden rund 150 Bäume neu in den Wald gesetzt. Baumarten aus dem Mittelmeer-Raum bleiben außen vor.

Glitschig klebt der Waldboden am Schuh, als sich der Revierförster René Frank auf den Weg durch den Großbottwarer Stadtwald am Köchersberg macht. Frank ist an diesem grauen Vormittag nicht allein. Der Bürgermeister Ralf Zimmermann begleitet ihn, auch zwei Stadträte und Kollegen aus dem Forst. Alle halten einen Hohlspaten in der Hand, einige schleppen Baumsetzlinge mit. Am Ende sollen 150 Eichen, Eiben und Lärchen den Mischwald stärken.

 

Ein hoher Zaun schützt die jungen Bäume fünf Jahre lang

Der Start der Pflanzaktion im Herbst läuft unter dem Motto „Wald im Klimawandel“. Hitze und Trockenheit machen sich auch im 440 Hektar großen Stadtwald der Bottwartalkommune bemerkbar. So haben Borkenkäfer die Fichten auf dem 0,4  Hektar großen Waldstück zerstört. Es ist nun von einem recht hohen mobilen Zaun umrandet. „Manchmal wollen Wildschweine unter den Zäunen durch und beschädigen sie – dann können auch Rehe eindringen“, erzählt Frank, aber die neuen Zauntypen seien stabil. Sie würden nach fünf Jahren des Verbissschutzes anderswo wieder eingesetzt.

Eiben und Lärchen sind Nadelbäume – und die gelten im Klimawandel eigentlich als problematisch. Im Zusammenspiel mit der Eiche und anderen Laubbäumen trügen sie aber zu einer guten Durchmischung bei, erklärt Simon Boden, als Fachbereichsleiter Wald im Landratsamt Ludwigsburg für alle Forste im Landkreis zuständig. „Die Traubeneiche ist hitze- und trockentoleranter als die Buche“, sagt er. Viel hält der Experte Boden von der Eibe. „Sie wächst extrem langsam und hält Trockenheit besonders gut aus.“ Auch die Lärche sei widerstandsfähig.

Vögel verbreiten den Samen anderer Bäume in der Nähe

Bewusst setzt die Forstbehörde des Landkreises auf heimische Gewächse, um den Wald in den nächsten Jahrzehnten widerstandsfähiger zu machen. „Es bringt nichts, hier jetzt Bäume aus dem Mittelmeerraum zu pflanzen“, erklärt Simon Boden. Ein Spätfrost könnte die Anpflanzungen zerstören, es wäre schade ums Geld. Versuche mit Pinien, Zedern oder anderen Fremdkulturen würden gesondert vorgenommen. Eiche, Eibe und Lärche hingegen durchmischten sich gut mit anderen Baumarten in der Nachbarschaft. So verbreiteten Vögel den Samen von Bergahorn, Linde, Buche, Hainbuche, Birke und Vogelkirsche, die mitwüchsen.

So selbstverständlich wie früher ist eine Waldverjüngung heutzutage nicht mehr. „Wir müssen die Baumsetzlinge fast ein Jahr vorher bestellen“, sagt Simon Boden, denn die Nachfrage nach den jungen Bäumen aus dem Alpenraum und Österreich sei bundesweit hoch. Bewusst pflanze man viel im Herbst, denn dann sei genügend Regen gefallen und das Erdreich feucht. Wenn Profis die Bäume pflanzten, liege der Verlust der etwa zwei Euro teuren Setzlinge bei unter fünf Prozent. Er sei im Frühling höher, wenn die Erde unter Trockenheit leide, erzählt Simon Boden. Bäume wie die Elsbeere kosteten das Doppelte oder Dreifache und müssten besonders sorgfältig gepflanzt werden.

Zwei Stadträte packen beherzt mit an

Sie habe eigentlich keinen grünen Daumen, sagt Angelika Maier, Fraktionsvorsitzende der SPD in Großbottwar und an diesem Morgen mit großem Fleiß dabei. Als nach einer Stunde Arbeit der Projektleiter René Frank zur Stärkung eine Runde Kaffee mit Butterbrezeln spendiert, arbeiten die Sozialdemokratin und Thomas Stiegler, ihr Ratskollege und Chef der Freien Wähler, noch ein bisschen weiter. Auch Stigler ist hoch motiviert: „Wir finden es gut, wenn unsere Nachfahren in 30 Jahren sagen, dass wir hier etwas richtig gemacht haben.“

Nicht nur in Großbottwar, sondern in allen Wäldern des Landkreises Ludwigsburg werden Pflanzaktionen vorgenommen. Der waldärmste Kreis verfügt über 12 500 Hektar, von denen 9000 Hektar den Kommunen gehören. Die restlichen Waldanteile von je 1500 Hektar im Landkreis verteilen sich hälftig auf den Staatswald des Landes und auf Privatwälder. Dort ist der Fachbereich Wald des Landratsamtes beratend tätig.