Detlef Scheele, der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), präsentiert Monat für Monat gute Arbeitsmarktzahlen. Ein Ende des Aufschwungs ist derzeit nicht absehbar. Foto: dpa

Noch gibt es keine Anzeichen, dass der Aufschwung am Arbeitsmarkt abflauen könnte. Trotzdem sollten Betriebe in die Qualität der Arbeit investieren, um sich für die nächste Krise zu rüsten, meint Wirtschaftsredakteur Thomas Thieme.

Stuttgart - Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich unbeeindruckt von den nahen und fernen Krisen. Bundesweit sinkt die Quote der Erwerbsfähigen ohne Arbeit auf unter fünf Prozent – im Südwesten erreicht sie mit 3,0 Prozent sogar einen Wert, ab dem mancher Ökonom bereits von Vollbeschäftigung spricht. Doch irgendwann endet jeder Aufschwung. Es ist jedoch nicht mehr so gewiss wie in früheren Konjunkturzyklen, dass eine wirtschaftliche Eintrübung mit der Verzögerung von wenigen Monaten auf die Arbeitslosenzahlen durchschlägt. Fachleute nennen das eine Abkoppelung von Konjunktur und Arbeitsmarkt. Kurz gesagt: Es droht kein Kahlschlag in den Betrieben, wenn sich die Auftragslage abrupt verschlechtern sollte.

Die aktuelle Lage ist eine andere: Betriebe im verarbeitenden Gewerbe, im Dienstleistungssektor oder in der Bauwirtschaft können Stellen nicht mehr besetzten. Ihre Kapazitäten sind ausgelastet, sie verschieben Investitionen und lehnen Aufträge ab. Ihr Wachstum und das der Wirtschaft insgesamt wird auch durch den Personalmangel gebremst. Dazu kommt die demografische Entwicklung: In den Zwanzigerjahren dieses Jahrhunderts verabschieden sich die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsleben. Die Arbeitgeber wissen das und sie haben aus vergangenen Krisen gelernt: Sie werden qualifizierte Beschäftigte nicht massenhaft vor die Tür setzen, weil der Wissensverlust und die hohen Kosten für die Wiedereinstellung im nächsten Aufschwung die kurzfristigen Spareffekte um ein Vielfaches überwiegen.

Immer mehr Frauen, Ältere und Schwächere sind berufstätig

Nachholbedarf besteht allerdings bei der Qualität der Arbeit. Zwar ist es gelungen, mehr Frauen, Ältere, Schwächere und Migranten ins Arbeitsleben zu integrieren. Dabei hat die Politik mit dem Mindestlohn, Rückkehrrechten aus Teil- in Vollzeit, höheren Hinzuverdienstgrenzen oder dem sozialen Arbeitsmarkt wichtige Weichen gestellt. Nun ist es an den Unternehmen, achtsam mit dem kostbaren Gut – ihren Mitarbeitern – umzugehen. Dauerbefristungen, Dumpinglöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse sind der falsche Weg.

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