Patrick Angus in der Galerie Thomas Fuchs Die Wucht der leisen Töne

Von Nikolai B. Forstbauer 

Nahezu im Alleingang initiiert die Galerie Thomas Fuchs 2015 die Wiederentdeckung des Werkes von Patrick Angus. Am 11. Januar eröffnet die Galerie eine Schau mit Landschaften und Porträts von Angus.

Stuttgart - Die Wiederentdeckung des 1992 mit 38 ­Jahren gestorbenen US-amerikanischen Malers Patrick Angus zählt zu den spannendsten Kunstgeschichten der Gegenwart. Für Stuttgart hat Angus’ Comeback besondere Bedeutung: Die Galerie Thomas Fuchs gab 2015 den Anstoß für die neue Angus-Freude, und das Kunstmuseum Stuttgart präsentierte 2017 eine international viel ­beachtete erste Retrospektive.

Die Galerie Thomas Fuchs vertritt den Nachlass

Noch bevor Patrick Angus in diesem Jahr im Long Beach Museum in Kalifornien ­gewürdigt wird, präsentiert die ­Galerie ­Thomas Fuchs ihre dritte Einzelausstellung – mit eher stillen Werken aus dem Nachlass. Das ist wichtig, wurde Angus doch im Rausch der Wiederentdeckung zum Vir­tuosen der Nacht ausgerufen.

Eine eigene Einsamkeit

Diese Sicht aber verstellt den Blick auf die eigentlichen Qualitäten der Bildwelt von Patrick Angus. Sie liegt ja gerade nicht im Spektakulären, sondern im Leisen, im ­Zurückhaltenden. Natürlich blicken wir mit Angus in Clubs, in Hotelzimmer, auf junge Männer, die sich anbieten, auf alte Männer, die warten und hoffen. Immer aber bestimmt eine eigene Einsamkeit ­diese Szenen. Eine Einsamkeit, die sich in Angus’ ­Ansichten ­typisierter US-amerikanischer Vorstadtidylle wiederfindet.

Auch Angus’ Landschaften sind Porträts

Auch wenn Patrick Angus Gebäude malt, Räume, schafft er Porträts. Dieser Satz von 2016 gilt, wie in „Untitled (Beach, ­Tortuga, Hahiti) von 1985 oder „Red Shed, North ­California, Plymouth“ von 1982, nicht ­weniger für die Landschaft. Ein Stuhl, eine Hütte sind stille Sinnzeichen, erlauben die Annäherung, ebenso aber auch die Distanz.

Fragen kultureller Identität und Zugehörigkeit

Mit der Wucht der leisen Töne thematisiert Patrick Angus in der Landschaft ­Fragen von persönlicher wie kultureller Identität und Zugehörigkeit. Folgerichtig bleiben in dieser Ausstellung auch die Porträts – wie „J.B. with Black Tie“ im zarten Buntstiftton. Patrick Angus setzt eben genau keine Ausrufezeichen, er stellt Fragen – so zurückhaltend wie präzise.

Lesen Sie jetzt