Helmut Fastje wünscht sich einen Nachfolger, der sich um die Maschine kümmert. Foto: Philipp Braitinger

Der 83-jährige Erfinder Helmut Fastje hat ein Gerät patentieren lassen, das laut seiner Aussage seinesgleichen sucht. Per Rotationsstrahlung reinige es Oberflächen von Bauwerken präzise und ohne Schäden. Perfekt für Schlösser, Kirchen und Brücken.

Echterdingen - Seine Erfindung sei die beste. Kein anderes Gerät vermag Oberflächen aller Art so präzise und schonend zu bearbeiten, sagt Helmut Fastje über sein Rotationsstrahlgerät. „Es ist ein Weltmarkt-Artikel, patentiert und konkurrenzlos.“ Die Begeisterung ist dem 83-jährigen Erfinder aus Echterdingen anzumerken, wenn er über seine Entwicklung spricht. Besonders auf die neueste Version des Rotationsstrahlgeräts ist er stolz.

 

Maschinen anderer Hersteller verursachten stets unterschiedliche Druckpunkte, da diese nach wie vor mit normalen Druckstrahldüsen arbeiten, erklärt er. In der Mitte gebe es einen sogenannten Hotspot. Die Folge sei, dass Oberflächen nur unpräzise gereinigt werden könnten. Das Rotationsstrahlgerät sei dagegen in der Lage, beispielsweise Schmutz von einer Wand zu entfernen und darunterliegende Schichten unbeschädigt zu lassen.

Über Jahrzehnte hat er die Technik weiterentwickelt

Bereits in den 1980er Jahren hat Helmut Fastje damit begonnen, Oberflächen zu reinigen. Die Geräte, die es dafür auf dem Markt gegeben habe, hätten seinen Ansprüchen allerdings nicht genügt. Also habe er selbst damit begonnen, ein derartiges Gerät zu bauen. Über Jahrzehnte hat er die Technik weiterentwickelt und verfeinert.

Oft sei er in der Vergangenheit vom Denkmalamt gerufen worden, wenn Vorgänger etwas beschädigt hätten. „Ich war immer die Feuerwehr, zu mir kamen sie, wenn nichts mehr ging“, erinnert sich Fastje. Zu den Gebäuden, bei denen Fastje mit seiner Firma im Einsatz war, zählen die Residenz in Würzburg oder die Friedenskirche in Ludwigsburg. Über die Jahre hat er an Schlössern, Kirchen oder Brücken in ganz Deutschland gearbeitet.

Nach der Schule wurde er zunächst Bergmann in Gelsenkirchen

Der Weg zum Konstrukteur war für Helmut Fastje keinesfalls vorgezeichnet. Geboren und aufgewachsen ist der Erfinder in der Lüneburger Heide. Nach der Schule wurde er zunächst Bergmann in Gelsenkirchen, bevor er zur Bundeswehr ging, die ihn nach Großengstigen im Landkreis Reutlingen schickte. Von dort kam Fastje in die Region Stuttgart, wo er blieb.

Heute wohnt der Vater dreier Kinder zusammen mit seiner Frau in Echterdingen. Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr arbeitete er als Großhandelskaufmann, dann als Lastwagen- und Reisebusfahrer. Während einer Fahrt mit dem Reisebus nach Paris hat Fastje in der französischen Hauptstadt beobachtet, wie Arbeiter eine Fassade reinigten. Da dachte er sich, dass das doch besser geht. Er gründete mit einem Partner eine Firma und war fortan in der mobilen Oberflächenbearbeitung tätig. Stein, Holz, Metall, sogar Fossilien hat er gestrahlt. Über viele Jahre hat er die Technik dafür weiterentwickelt. „Ich habe mich sofort reingekniet“, erinnert sich Fastje an die Anfänge. Als er im Jahr 2012 das Patent für sein Rotationsstrahlgerät anmelden wollte, dauerte es noch einmal fünf Jahre, bis er es bekam. Zunächst mussten zahlreiche Einsprüche anderer Firmen widerlegt werden, erzählt er.

Die Gesamtmaschine besteht aus vielen einzelnen Teilen

Allerdings: Obwohl das Gerät in den Augen seines Erfinders konkurrenzlos gut ist, gelang es Helmut Fastje bislang nicht, sein Rotationsstrahlgerät erfolgreich zu vermarkten. „Bei vielen Firmen lief ich gegen Wände“, berichtet er. Und nicht nur das. Die Gesamtmaschine besteht aus vielen einzelnen Teilen, die der Erfinder in müßiger Kleinarbeit immer weiterentwickelt hat: Ventile, Düsen und vieles mehr. Bei einer Gummimembran, die im Rotationsstrahlgerät zum Einsatz kommt, habe er sich von der Natur inspirieren lassen und an den Hals einer Schildkröte gedacht, berichtet Fastje. Inzwischen ist er aber vorsichtig geworden, wenn er die Technik vorstellt. Mehr als einmal sei es in der Vergangenheit vorgekommen, dass er Unternehmen Einzelteile zum Testen zur Verfügung gestellt habe, und die Unternehmen die Teile anschließend einfach kopiert hätten, erinnert sich der 83-Jährige. „Sie müssen mit allem rechnen. Es gibt viele Menschen, die wollen Sie über den Tisch ziehen“, sagt Fastje.

Nun denkt er ans Aufhören. Seine Gesundheit erfordert es, kürzer zu treten. „Ich muss vorsichtig sein. Es geht nicht mehr“, sagt der Senior. Von seinen drei Kindern wollte keines die Arbeit des Vaters fortsetzen. „Sie haben alle eigene Berufe“, berichtet Fastje. Wenn sich aber jemand fände, der die Arbeit fortsetzen oder die Maschine vermarkten würde, würde sich der Erfinder freuen. „Ich möchte es nicht mit ins Grab nehmen.“