Der Bariton Konstantin Krimmel studiert an der Musikhochschule in Stuttgart Gesang. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Stuttgarter Musikstudent Konstantin Krimmel singt bei einem Opernprojekt in der Ostukraine. Das Motto: Musik überwindet Mauern.

Stuttgart - Konstantin Krimmel weiß nicht genau, was ihn in der Ostukraine erwartet. „Es ist eine etwas untypische Region für eine Opernaufführung“, räumt der junge Mann ein. „Aber ich freue mich trotz aller Unwägbarkeiten riesig darauf.“ Krimmel ist Teil einer rund 100-köpfigen internationalen Truppe, die in der ukrainischen Stadt Seve­rodonetsk die Mozart-Oper „Don Giovanni“ aufführen wird. „Musik überwindet Mauern“ ist das Motto der Produktion, an der vor allem Musiker aus der Ukraine, Weißrussland und Deutschland teilnehmen werden. Die zentrale Rolle des Leporello, des Dieners des skrupellosen Lebemanns Don Giovanni, wird von Konstantin Krimmel gesungen. Der Bariton studiert seit 2014 an der Musikhochschule in Stuttgart Gesang.

Ein wichtige Rolle in einer großen Oper

Empfohlen für die Rolle wurde er von der Stuttgarter Musikprofessorin Ulrike Sonntag. Sie unterstützt ähnliche Konzertprojekte schon seit einigen Jahren mit Rat und Tat. Die Dozentin scheint von Krimmels Fähigkeiten als Sänger sehr überzeugt zu sein. „Ich war erstaunt, eine so wichtige Rolle in einer so großen Oper angeboten zu bekommen“, sagt der 25-Jährige. Vor der Zusage musste er allerdings im Frühjahr einige Videos seiner Auftritte an den Dirigenten und Regisseur des Stücks schicken. „Nach ein paar Tagen bekam ich die Zusage, dass es passt.“ Mitte April hat Konstantin Krimmel schließlich begonnen, seine Rolle zu erarbeiten. Ende Juli wird er sich mit seinen Mitstreitern in Severodonetsk treffen, wo sie noch einige Wochen Zeit zur Probe haben, bevor Ende August die erste Aufführung des „Don Giovanni“ auf dem Programm steht. In der Stadt selbst wird es rund um die Oper „Don Giovanni“ auch ein Musikfestival geben mit Gästen aus verschiedenen Ländern.

Eine musikalische Heimat in der Ukraine

„Es ist ziemlich verrückt, dass viele der ukrainischen Musiker und Sänger vor dem Krieg in der Ostukraine fliehen mussten und nun in Severodonetsk eine neue musikalische Heimat finden“, sagt Krimmel. Bedenken, in die Region zu fliegen, hat er nicht, obwohl die Stadt nur wenige Kilometer von der ehemaligen Frontlinie zu der von russischen Aufständischen besetzten ukrainischen Region Lugansk entfernt liegt. „Uns wurde versichert, dass es dort ruhig ist“, sagt der Musikstudent.

Aufgewachsen ist Krimmel in Ulm, wo er im Alter von fünf Jahren bei den St.-Georgs-Chorknaben aufgenommen worden war. „Der Wunsch, Sänger zu werden, kam allerdings viel später“, erinnert er sich. „Ich habe damals viel Klavier und Fagott gespielt.“ Erst mit 16 Jahren habe er begonnen, Gesangsunterricht zu nehmen. Allerdings habe er sich auch sehr für Sport interessiert, ein Fach, in dem Krimmel auch sein Abitur gemacht hat. Es brauchte allerdings die Zeit bei der Bundeswehr, als er kaum zum Spielen kam, dass er merkte, wie wichtig ihm die Musik ist. „Damals habe ich dann auch die Entscheidung getroffen, das Singen zum Beruf zu machen“, sagt Krimmel.

Eine ungewisse Karriere als Sänger

Der Bariton hat sich damit auch für eine ungewisse Karriere entschieden. Es reiche nicht, gut zu singen, wichtig sei es auch, Kontakte zu knüpfen, sagt Konstantin Krimmel. „Man muss schon während des Studiums beginnen, sich ein Netzwerk zu knüpfen.“ Das heißt für ihn, an Wettbewerben teilzunehmen und sich um kleinere Auftritte zu bemühen. In diesem Sinne ist das ungewöhnliche Engagement bei dem Opernprojekt in der Ostukraine nicht nur eine wichtige Erfahrung, sondern auch ein Schritt auf der Karriereleiter. „Das alles ist schon ziemlich anstrengend“, so Konstantin Krimmel, „aber wenn es klappt und die Auftritte erfolgreich sind, dann ist Musiker einer der schönsten Berufe der Welt.“

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