Onlinehilfe bei der Mietersuche Online-Dating für Mieter und Vermieter

Von Sandra Markert 

Ob der suchende Vermieter diesen Aushang findet? Onlineportale versprechen bessere Hilfe bei der Wohnungssuche. Foto: privat
Ob der suchende Vermieter diesen Aushang findet? Onlineportale versprechen bessere Hilfe bei der Wohnungssuche. Foto: privat

Seit Juni müssen Vermieter die Kosten für einen Makler selbst tragen, wenn sie auf diesem Weg nach Mietern suchen. Neue Portale im Internet versprechen hierbei kostengünstigere Hilfe. Doch der Mieterbund warnt vor unzulässigen Gebühren.

Stuttgart - Ina Braun (Name geändert) vermietet in der Region Stuttgart 39 Wohnungen. Bislang hat sie mithilfe eines Maklers nach neuen Mietern gesucht. Die Maklergebühr mussten die ausgewählten Mieter zahlen. Doch seit dem 1. Juni ist das so genannte Bestellerprinzip in Kraft: Wer den Makler beauftragt, trägt auch die Kosten. Seitdem geht die Vermietung über Makler „tendenziell zurück“, sagt Stephan Kippes vom Immobilienverband Deutschland. „Seriöse Zahlen zum Rückgang gibt es aber keine.“

Auch Ina Braun war die Maklercourtage von bis zu zwei Monatsmieten zu teuer. Über einen Beitrag im Fernsehen ist sie auf eine neue Art von Onlineplattformen aufmerksam geworden. Sie versprechen Wohnungseigentümern günstige Hilfe bei der Suche nach neuen Mietern. Mehr als 30 solcher ­Firmen haben sich im Zuge der Gesetzesänderung gegründet, sagt Alexander Hüsing vom Branchendienst Deutsche Start-ups.

Braun entschied sich für den Anbieter ­Faceyourbase, bei welchem sie als Vermieter gar nichts bezahlen muss. „Ich kann meine Wohnung ausführlich in einer Anzeige ­beschreiben und potenzielle Mieter bewerben sich dann online bei mir mit einem kurzen Steckbrief.“

Verlangen die Portale eine verkappte Maklerprovision?

Ähnlich wie bei Partnerbörsen im Internet können Vermieter vorab Kriterien für die Auswahl der Mieter festlegen. Ina Braun beispielsweise möchte sich für eine Dreizimmerwohnung, die sie derzeit anbietet, nur Nachrichten von Interessenten anzeigen ­lassen , die ein bestimmtes Einkommen haben und nicht mehr als ein Kind. „Gefällt mir eine Anfrage, verschicke ich eine ­Einladung.“ Pro Wohnung darf sie maximal zehn Leute kontaktieren. Massenbesichtigungstermine gibt es nicht. Nur falls ihr keiner dieser zehn Interessenten zusagt, gibt es weitere Einladungen.

Für die Wohnungssuchenden wird bei ­Faceyourbase eine Gebühr von 9,99 Euro fällig, wenn sie einen Besichtigungstermin annehmen. Hinzu kommen Kosten von bis zu 20 Euro je nachdem wie viele Informationen man von sich bei den Profilen preisgeben möchte. Wer nur den Namen und die E-Mail-Adresse veröffentlicht, zahlt nichts. Wurde erfolgreich eine Wohnung vermittelt, fällt für die so genannte Anzeigenlöschungsfee eine Gebühr von 29,99 Euro an.

Für Ulrich Ropertz vom Deutschen ­Mieterbund sind alle diese Kosten „eine ­verkappte Maklerprovision“. Denn: „Alle dem Mieter in Rechnung gestellten Gebühren sind nach dem Wohnungsvermittlungsgesetz unzulässig“. Sie können Strafen von bis zu 25 000 Euro zur Folge haben.

Nicht bei allen Portalen müssen Wohnungssuchende etwas zahlen

Der ­Mieterverein Stuttgart plant nach dem Hinweis unserer Zeitung deshalb eine Unterlassungserklärung nach München zu Faceyourbase zu schicken. Rolf Gaßmann, Vorsitzender des Mietervereins hält die ­Portale für„nutzlose Abzocker“ und weist auf ähnliche Fälle hin. „Seit in Kraft treten des Bestellerprinzips wurden uns immer wieder Verstöße gemeldet. So gibt es beispielsweise auch Makler, die für die Besichtigungstermine Geld verlangen.“

Christian Dau, Vorstand von Faceyourbase sagt dagegen: „Die Höhe unserer Gebühren ist in keiner Weise mit der einer Maklercourtage vergleichbar. Außerdem verlangen wir das Geld, weil wir den Kunden mit unserem Onlineportal und der Filterfunktion eine Programmierleistung anbieten.“ Den Mietsuchenden würden zu ihnen passende Wohnungen vermittelt. „Und sie müssen nicht zu Massen-Besichtigungsterminen, sondern haben eine Chance von mindestens zehn Prozent auf die Wohnung.“

Johannes Dierbach hat ebenfalls einen günstigen Weg gesucht, um ohne Makler neue Mieter für seine drei Immobilien in Stuttgart zu finden. Er hat sich für das ­Portal Moovin entschieden. Für das Einstellen der Anzeige musste er ab dem zweiten Monat 199 Euro bezahlen. Der erste Monat war kostenlos. Auch er hat die Profile vor allem „nach finanziellen Kriterien“ sortiert und erfolgreich neue Mieter gefunden. Anders als bei Faceyourbase sind für die Mieter dabei keine Kosten angefallen.

Kosten für Wohnungssuchende sind unkalkulierbar

„Ob Mieter oder Vermieter oder beide bei diesen neuen Online-Portalen die Kosten tragen, ist sehr unterschiedlich“, sagt ­Renate Daum. Sie hat für die September-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest zehn Online-Plattformen der Immobilienbranche verglichen. Ihr Fazit: „Für Vermieter ist das auf jeden Fall eine günstige Möglichkeit neue Mieter zu finden. Und da ich selbst auswählen kann, wer zu den Besichtigungen kommt, lässt sich die Zahl der Anfragen gut kontrollieren.“ Sie merkt aber auch an, dass die Mitarbeiter der Onlineportale meist keine ausgebildeten Makler seien. „Wer eine umfassende Beratung wünscht oder eine Problemimmobilie hat, ist bei einem Makler besser aufgehoben.“

Stephan Kippes vom Immobilienverband Deutschland glaubt, dass sich die Portale aus diesem Grund langfristig nicht durchsetzen werden. „ Vermieten ist eine komplexe Sache. Wenn Vermieter die ersten schlechten Erfahrungen mit mangelnder Bonität oder Mietnomaden gemacht haben, kommen sie zum Makler zurück.“

Aus Sicht der Mieter sieht Renate Daum von „Finanztest“ die teils unkalkulierbaren Kosten kritisch. „Bezahle ich pro Besichtigung, kann ich überhaupt nicht einschätzen, zu wie vielen Terminen ich muss, bevor ich eine Wohnung finde.“

Datenschutz nicht bei allen Portalen ausgereift

Auch das Thema Datenschutz sei bei den oft noch jungen Start-ups, die hinter, den Onlineplattformen stecken, mit Vorsicht zu genießen. „Als Mieter kann ich mich schnell gedrängt fühlen, möglichst viele Dinge wie Gehaltsnachweise oder Schufaauskunft auf die Plattform hochzuladen, um die Chancen auf eine Wohnung zu erhöhen.“ Sie rät dazu, nur solche Portale zu wählen, bei denen ­diese Unterlagen erst zur Besichtigung mitgebracht werden müssen. Dort kann sie nur der potenzielle Vermieter einsehen und nicht das Online-Unternehmen.

Ein entscheidendes Auswahlkriterium für die Einladung zu einer Besichtigung blieben die online eingestellten Daten aber ­trotzdem. Mieter, die auf dem Papier nicht so perfekt aussähen würden so gar nicht mehr erst zu einer Besichtigung eingeladen, ­befürchtet Daum.

Der Vermieterin Ina Braun reichen die Informationen, die sie über die Profile bekommt jedoch aus. „Ich kann mir damit ein recht gutes Bild von den Personen machen. Und wer die Wohnung will, muss mich am Ende doch im persönlichen Gespräch überzeugen.“

Diese Onlineplattformen sind derzeit in der Region Stuttgart aktiv

Faceyourbase.com: Das Start-up aus München bezeichnet sich als Matchingbörse für Mieter und Vermieter. Mieter markieren genau die Wohnung, die ihnen gefällt. Für das Hochladen von Informationen werden genauso geringe Summen fällig wie für den Besuch von Besichtigungsterminen. Der Vermieter wählt über ein Filtersystem die Mieter aus, die ihm gefallen. Dann kann er direkt Termine vergeben. Vermieter bieten die Wohnungen kostenlos an.

Moovin.de: Vermieter stellen Inserate ein und können individuelle Bewerberkriterien wie Familienstand, Gehaltsgrenzen oder Haustiere festlegen. Das kostet 199 Euro im Monat. Ein Bewerber-Matching filtert dann die registrierten Nutzer aus, die zu den Vorgaben des Vermieters passen. Mieter zahlen für die Plattform nichts.

Wunderagent.de: Dieses Berliner Start-up unterstützt Vermieter dabei, ihre Wunschmieter zu finden. Je nachdem, ob nur eine kleine Anzeige geschaltet wird oder das Portal sich von der Auswahl über die Begleitung der Besichtigung bis zum Mietvertrag um alles kümmern soll, fallen dafür Kosten von 4,90 bis 497 Euro an. Melden sich nicht mindestens 20 Bewerber in 30 Tagen, erhalten Vermieter ihr Geld zurück. Mieter zahlen nichts.

Mietercasting.de: Mieter geben gezielt Gesuche auf. Vermieter geben wenige Eckdaten zu ihrer Immobilie ein und wählen dann aus den Gesuchen aus. Kommt ein Vertrag zustande, zahlen sowohl Vermieter als auch Mieter (zwei Prozent der angegeben Monatskaltmiete).

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