Die frühere japanische Schule in Bad Saulgau wird zum Exzellenzgymnasium. Foto: Karlheinz Fahlbusch

Baden-Württemberg geht in Bad Saulgau einen weiteren Schritt zur Begabtenförderung. Die ersten Schüler sollen im Jahr 2021 in der zehnten Klasse anfangen.

Stuttgart - „Wir konkurrieren mit Silicon Valley und Korea, nicht mit Mecklenburg-Vorpommern.“ Wenn es um herausragende Leistungen im Mintbereich (den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) geht, spannt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) den ganz großen Bogen. Baden-Württemberg strebe im Mintbereich nach Spitzenleistungen im internationalen Wettbewerb, sagte der Regierungschef. Deshalb müssten die Schüler gezielt gefördert werden.

„Leuchtturmprojekt“

Dazu soll das neue „Leuchtturmprojekt“ in Bad Saulgau beitragen. Dort, auf dem Gelände der ehemaligen japanischen Schule, plant das Land ein Exzellenzgymnasium mit dem Schwerpunkt Mintfächer. In der Internatsschule werden Schüler der Klassen zehn bis zwölf gezielt gefördert. Der Start soll zum Schuljahr 2021/22 erfolgen. Gedacht ist an ein vierzügiges Gymnasium. Die Grundsatzentscheidung hat der Ministerrat am Dienstag getroffen.

Für Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ist das geplante Exzellenzgymnasium ein Zeichen dafür, „dass in Baden-Württemberg leistungsstarke Schüler wieder stärker in den Blick genommen werden“. In der Begabtenförderung hat das Land nach Einschätzung der Ministerin in der Vergangenheit nachgelassen. „Die Begabtenförderung in Baden-Württemberg braucht neue Impulse“, sagte Eisenmann.

Vorarbeiten für das Studium

In Bad Saulgau sollen Gymnasien, Universitäten und Unternehmen vernetzt werden. Der Schwerpunkt soll auf den Fächern Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Informatik sowie Technik und Wirtschaft liegen. Die Schüler sollen in einem Pflichtmodul „Universität“ an einem Frühstudium einer Universität teilnehmen und im Modul „Wirtschaft“ ein praxisbezogenes Projekt absolvieren. Das Praktikumszertifikat soll als Vorpraktikum für technische Studiengänge an allen Hochschulen des Landes anerkannt werden.

Am pädagogischen Konzept arbeiten Vertreter der Wirtschaft, der Universitäten Tübingen und Ulm sowie das Schülerforschungszentrum Bad Saulgau mit.

Arbeitgeber voll des Lobes

Den Standort Bad Saulgau wertet Kretschmann auch aus strukturpolitischen Gründen als „sehr guten Schritt“. Der Arbeitgeberverband Südwestmetall, der an dem Konzept beteiligt ist, begrüßt das Exzellenzgymnasium als „Meilenstein der Mintförderung in Baden-Württemberg“. Damit werde die „Mintlücke in der Hochbegabtenförderung geschlossen“.

Keine Konkurrenz zum Landesgymnasium

Im Land gibt es 15 Hochbegabtenklassen und in Schwäbisch Gmünd ein Landesgymnasium für Hochbegabte. Dessen Leiter Christoph Sauer bewertet die neuen Regierungspläne positiv: „Wir freuen uns, dass die Begabtenförderung wieder in den Fokus rückt“, sagte er dieser Zeitung. Susanne Eisenmann sagte, das Exzellenzgymnasium in Bad Saulgau werde „eine Ergänzung, keine Konkurrenz zu Schwäbisch Gmünd“.

Die oppositionelle FDP erkennt „die Bemühungen um die Stärkung der Mintfächer“ an, gibt aber zu bedenken, dass im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich der Lehrermangel besonders ausgeprägt sei. Der FDP-Bildungspolitiker Timm Kern erwartet von Eisenmann „mehr Kreativität“ in der Lehrergewinnung.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: