Experimente sind das A und O im naturwissenschaftlichen Unterricht. Foto: Johannes List

Das Interesse der Schüler an den Naturwissenschaften lässt nach. Das kann nur durch guten Unterricht geändert werden, kommentiert Renate Allgöwer

Stuttgart - Pisa ruft in Deutschland keinen Schock mehr hervor. Was den internationalen Vergleich angeht, gibt es dazu auch keinen Grund. Man hat mit den Jahren einigermaßen aufgeholt, steht stabil im oberen Drittel. Offenbar hat man aus Pisa gelernt. Die deutschen Schüler sind inzwischen auch auf die Testfragen eingestellt, auch an deutschen Schulen hat die Kompetenzorientierung Einzug gehalten.

Auch wenn es sich nicht aus den Ranglisten ablesbar ist, ist das Ergebnis für Deutschland aber alles andere als zufriedenstellend. Gerade im aktuellen Schwerpunkt Naturwissenschaften. Die Schüler werden in dem Bereich schlechter – gerade die Gymnasiasten. Das zeigt vor allem eines: Dass die Lehrer mit der Heterogenität, die auch am Gymnasium Einzug gehalten hat, nicht adäquat umzugehen wissen.

Mädchen fühlen sich nicht angesprochen

Dazu kommt, dass sich die Jugendlichen in Deutschland weniger für Naturwissenschaften interessieren, als noch vor zehn Jahren. Mädchen fühlen sich schon gar nicht angesprochen von Physik, Chemie und Mathematik. Der Unterricht, sagen die Pisaforscher, habe sich in zehn Jahren kaum verbessert und mit Computern könnten die deutschen Schüler auch nicht recht umgehen.

Das ist ein fataler Befund für Deutschland. Seit Jahren predigen Politik und Wirtschaft die Bedeutung der Mintfächer. Auf besonders fruchtbaren Boden scheint das nicht zu fallen. Im Gegenteil. Die Jugendlichen scheint das nicht zu beeindrucken.

Ursache liegt im Klassenzimmer

Am Ende landet man bei der Ursachenforschung doch wieder im Klassenzimmer. Wozu Leistungsvergleiche, wenn sich die Erkenntnisse nicht im Unterricht niederschlagen? Der Befund lautet: Es gibt zu wenig motivierenden Unterricht und zu wenig Experimente. Es gibt aber auch zu wenig Fachlehrer. Es fehlt an Physikern, Mathematikern oder Informatikern, die einer Schulklasse die Begeisterung für ihr Fach vermitteln wollen. Und es gibt zu wenig Fortbildungen.

Wenn die Lehrer nicht in die Lage versetzt werden, das Interesse der Schüler an den Naturwissenschaften zu wecken, helfen noch so viele Leistungsvergleiche und Mintkampagnen nicht weiter.

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