Die Anwälte von Beate Zschäpe (Mitte), Anja Sturm und Wolfgang Heer haben im NSU-Prozess die Ermittlungsmethoden des BKA angezweifelt. (Archivfoto) Foto: dpa

Im NSU-Prozess hat die Verteidigung der Hauptangeklagten Beate Zschäpe die Ermittlungen des BKA zur Mordwaffe vom Typ "Ceska" als "dilettantisch" kritisiert.

München - Die Verteidigung der Hauptangeklagten im Münchner NSU-Prozess, Beate Zschäpe, hat die Ermittlungen zur Mordwaffe vom Typ "Ceska" als "dilettantisch" kritisiert. Anlass war die Vernehmung eines Beamten des Bundeskriminalamts (BKA).

Der Zeuge beschrieb, wie der als Unterstützer mitangeklagte Carsten S. die Pistole mit Schalldämpfer bei einer Vernehmung im Jahr 2012 identifiziert hatte. Ihm seien mehrere Bilder und später auch Originalwaffen gezeigt worden, bei denen Carsten S. dann im Ausschlussverfahren einzelne Typen aussortierte, bis die "Ceska" übrig blieb. Bei einer der Waffen war etwa der beigelegte Schalldämpfer zu kurz, eine andere hatte auffällige Kanten, bei den meisten Vergleichswaffen lag kein Schalldämpfer dabei.

Zschäpe-Verteidiger Wolfgang Stahl sagte, das BKA habe es versäumt, S. die Waffe zuerst aus seiner Erinnerung beschreiben zu lassen. Das sei ein "katastrophaler Fehler". Die Methode, die Waffe im Ausschlussverfahren zu identifizieren, sei "dilettantisch". Carsten S. hatte gestanden, die Mordwaffe in einem Szeneladen der rechtsextremen Szene in Jena bekommen und dann zu Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gebracht zu haben. Mit der Pistole soll der "Nationalsozialistische Untergrund" neun seiner zehn Morde verübt haben.

Zeugin hat offensichtlich gelogen

Eine Zeugin aus der rechtsextremen Szene ist derweil bei einer Unwahrheit ertappt worden. Die Frau, die nach eigener Aussage zum Führungszirkel der Organisation „Blood & Honour“ in Chemnitz gehörte, bestritt am Donnerstag vehement, irgendetwas mit dem NSU zu tun zu haben. Erst nach einem Vorhalt des Richters räumte sie ein, zumindest einen der Angeklagten zu kennen.

„Ich kannte weder Zschäpe noch Mundlos und Böhnhardt“, sagte die 40-Jährige zunächst. Auch die anderen Angeklagten kenne sie nicht. Dann hielt der Richter ihr vor, dass sie sich vor zwei Jahren in einer Polizeivernehmung detailliert über den wegen Beihilfe angeklagten André E. geäußert habe. Da habe sie beispielsweise gewusst, dass er aus dem Erzgebirge stamme und einen Zwillingsbruder habe. Die Zeugin räumte dann ein, ihr Ehemann habe mit den Zwillingen über eine Beteiligung an ihrem Geschäft - einem Laden der rechtsextremen Szene - verhandelt. Die Zeugin sagte, sie habe Mitte der 90er Jahre mit drei oder vier Gleichgesinnten „Blood & Honour“ in Sachsen gegründet. Auch hier räumte sie erst nach zahlreichen Nachfragen ein, dass die Gruppe rassistisch gesinnt gewesen sei: „Der Sinn war, dass man seine Hautfarbe erhält und sich nicht mischt.“

Bis zum Schluss bestritt die Frau, dass sie Beate Zschäpe ihren Pass zur Verfügung stellen wollte. Das hatte ein V-Mann des Verfassungsschutzes berichtet. Er hatte außerdem angegeben, „Blood & Honour“ habe Geld und Waffen für das Trio beschaffen wollen.

Die Vernehmung der Zeugin wurde am Nachmittag unterbrochen, nachdem die Verteidiger von André E. und Beate Zschäpe angeregt hatten, ihr einen Anwalt zur Seite zu stellen. Sie muss im Dezember erneut erscheinen.

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