Mit dem Tablet ist es nicht getan, für die digitale Bildung braucht es Lehrer. Foto: dpa/Britta Pedersen

Kenntnisse in Informatik zählen viele inzwischen zur Allgemeinbildung. Doch Fachlehrer sind knapp. Jetzt sollen drei neue Professuren im Land zügig Lehrer qualifizieren.

Stuttgart - Die Schulen und die Eltern in Baden-Württemberg rufen nach mehr Informatikunterricht, um die Schüler auf den digitalen Wandel vorzubereiten. „Grundkompetenzen in der Informatik sind heute Teil einer zeitgemäßen Allgemeinbildung“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) schon, als vor zwei Jahren das Kabinett den Ausbau des Informatikunterrichts an den Schulen beschloss. „Kenntnisse in Informatik ergänzen die klassischen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen“, befand Eisenmann.

Das Angebot soll ausgebaut werden, doch häufig hapert es damit, weil entsprechend ausgebildete Lehrer fehlen. Obwohl der Bedarf wächst, verzeichnet der Hochschulbildungsreport 2020 sogar einen leichten Rückgang (-0,2 Prozent) der Lehramtsstudienanfänger im Fach Informatik gegenüber dem Jahr 2010.

Auch Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) ist davon überzeugt: „Informatische Bildung muss in allen Schulformen, beginnend in der Grundschule, fest im Unterricht verankert werden.“ Es reiche nicht, den Schulen Tablets, Wlan oder Beamer zu versprechen, denn die Geräte allein garantierten kein Verständnis oder Wissen. Lehrer müssten in der Vermittlung der entsprechenden Kompetenzen eine Schlüsselrolle einnehmen.

Stiftungsprofessuren zur Lehrerbildung

Jetzt preschen die Hochschulen im Land vor. Wie unsere Zeitung erfuhr, richtet die Carl-Zeiss-Stiftung in Tübingen, Karlsruhe und Heidelberg Stiftungsprofessuren für Informatik und ihre Didaktik ein. Damit will die Stiftung „dem Mangel der Lehramtsausbildung“ in Sachen digitaler Expertise begegnen. Ziel ist es laut einer Mitteilung der Stiftung, die demnächst veröffentlicht werden soll, „die Hochschulen darin zu unterstützen, zeitnah Lehrerinnen und Lehrer für das Fach Informatik auszubilden.“

Pro Professur stehen bis zu drei Millionen Euro zur Verfügung. Das Programm soll zehn Jahre laufen. Bauer betont als Vorsitzende der Stiftungsverwaltung, „in Zeiten des Fachkräftemangels fällt es den Hochschulen teilweise schwer, attraktive Bedingungen für die besten Köpfe zu bieten.“ Mit drei Millionen Euro pro Kopf sei das Programm daher sehr großzügig ausgestattet. Die Förderung umfasst nach Angaben der Stiftung die Professur selbst, sowie Mitarbeiterstellen und Sachmittel. Voraussetzung für die Förderung war, dass die Professur sich auf die Vermittlung zentraler Inhalte der Informatik konzentriert und auf Dauer eingerichtet wird.

Zwei weitere Professuren fördert die Stiftung in Rheinland-Pfalz an den Universitäten Trier und Koblenz-Landau. Vergleichbare Institutionen gibt es bereits etwa an der Technischen Universität Dresden oder der Universität Leipzig.

Fachleute weltweit gesucht

Bauer betont gegenüber unserer Zeitung ausdrücklich: „Diese Talente sind weltweit gesucht. Es ist umso besser, dass die Carl-Zeiss-Stiftung nicht abwartet, sondern gleich reagiert“. Die Ministerin geht davon aus, dass es trotz der guten Ausstattung der Professuren angesichts des internationalen Wettbewerbs ohnehin „eine Weile dauern wird, bis die Professorenstellen besetzt sind“.

Antragsberechtigt waren laut Ausschreibung aus Baden-Württemberg das Freiburg Advanced Center of Education, die Heidelberg School of Education, die binational School of Education der Uni Konstanz, das Karlsruher Institut of Technologie (KIT), die Professional School of Education Stuttgart-Ludwigsburg sowie die Tübingen School of Education. Zum Zuge kamen das KIT, die Tübingen School of Education sowie die Heidelberg School of Education, ein Verbund aus Universität und Pädagogischer Hochschule Heidelberg.

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