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Die Freien Wähler haben in Bondorf ihre absolute Mehrheit eingebüßt, weil die Grünen erstmals angetreten sind. Ihr Vorsitzender Willi Gauß ist trotzdem zufrieden: Er sitzt seit 39 Jahren in dem Gremium und ist wieder einmal Stimmenkönig.

Bondorf - Bondorf kann mit Recht als Hochburg der Freien Wähler bezeichnet werden: Vor fünf Jahren erzielte die Vereinigung 55 Prozent der Stimmen. Von den 14 Sitzen im Gemeinderat erhielt sie sieben. Dieses Mal haben die Freien Wähler ebenfalls den Vormarsch der Grünen zu spüren bekommen, die auf Anhieb 12,5 Prozent erreichten. Aber mit einem Stimmenanteil von 42 Prozent sind die Freien Wähler noch immer tonangebend im Ort. Und ihr Vorsitzender Willi Gauß ist „eigentlich glücklich“ über das Ergebnis. Er hatte mit Schlimmerem gerechnet.

Herr Gauß, wie verschmerzen Sie den Verlust der absoluten Mehrheit im Bondorfer Gemeinderat?

Ich bin eigentlich glücklich. Wir sind bei sechs von 14 Sitzen gelandet – und ich hatte mit weniger gerechnet.

Was ist passiert?

Die Grünen sind zum ersten Mal in Bondorf angetreten. Ich wusste, dass im Ort ein Wählerpotenzial von zwölf bis 18 Prozent für sie vorhanden ist. Ich bin ja schon seit 39 Jahren dabei. Früher war die Kommunalwahl eine Persönlichkeitswahl. Mittlerweile hat Bondorf 6000 Einwohner, deshalb wird auch bei uns mehr nach Parteien gewählt. Und die Grünen sind im Moment sehr stark im Aufwind. Aber die Wähler waren mit ihrem Gemeinderat trotzdem sehr zufrieden: Von den 14 Mitgliedern wurden zehn wiedergewählt. Zwei sind nicht mehr angetreten. Es war also klar, dass Neue reinkommen.

Bringen die Grünen nun das Gefüge aus Freien Wählern, CDU und SPD durchein­ander?

Es war bisher auch keine gemütliche Runde. Bei den Freien Wählern gibt es keinen Fraktionszwang, jeder hat seine eigene Meinung. Ich denke, es wird passen – und die Grünen werden sich einfügen. Im Gemeinderat geht es schließlich nicht um Ideologien, sondern die Themen des Ortes werden behandelt.

Und Sie haben nach 39 Jahren als Gemeinderat noch immer nicht genug von dieser ungemütlichen Runde?

Wenn man mit 65 Jahren und nach 39 Jahren wieder zur Wahl antritt, könnte der ein oder andere Wähler schon denken: Dem erteile ich eine Quittung. Aber das ist nicht passiert. Ich habe sogar wieder die höchste Stimmenzahl erzielt – die gleiche wie vor fünf oder vor zehn Jahren auch. Ich war der älteste Kandidat. Der Bevölkerungsanteil der über 60-Jährigen liegt bei 20 bis 30 Prozent, das ist ein großes Wählerpotenzial. Und ich bin noch berufstätig. Deshalb dachte ich, ich kann mich noch einmal aufstellen lassen. Mich motiviert, dass Bondorf eigenständig ist und wir hier viel bewegen können.

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