Spatenstich für das letzte große Baugebiet in der Großen Kreisstadt. Foto: Simon Granville

Die Erschließung von „Ob dem Korntaler Weg“ in Ditzingen hat begonnen. Von den schwierigen Situationen spricht niemand mehr.

Jedes Jahr zu Weihnachten habe er versucht, „Hoffnung zu vermitteln“, sagt Michael Makurath am Donnerstagnachmittag beim Spatenstich in der Ditzinger Kernstadt. Tatsächlich hatte der Verwaltungschef beim Gemeinderat dafür geworben, an den Plänen festzuhalten, in der Hoffnung, im nächsten Jahr über alle Grundstücke zu verfügen. Dass der Gemeinderat beinahe die Pläne aufgegeben hatte, am nordöstlichen Ortsrand von Ditzingen rund 300 Wohneinheiten zu schaffen, ist am Donnerstag beim Spatenstich freilich nur am Rande zu hören. Groß ist die Freude darüber, endlich dem entgegenzuwirken, was ihnen als landesweit eine von 89 Kommunen attestiert wurde, nämlich einen angespannten Wohnungsmarkt zu haben. Ideen für das Baugebiet sind 24 Jahre alt.

 

Der Spatenstich markierte den offiziellen Beginn der Erschließungsarbeiten. Die Herstellung der Straßen, Kanäle, Daten-, Strom- und Wasserleitungen sowie der Infrastruktur für die Nahwärmeversorgung dauert laut der Verwaltung rund anderthalb Jahre. Noch währenddessen, in ein bis anderthalb Jahren, werde die Kommune ihre städtischen Grundstücke an den Markt bringen, so Makurath. Quasi alle im Landkreis tätigen Bauträger haben sich in dem nordöstlichen Ortsrand der Kernstadt eingekauft, um Wohnraum für rund für 500 Personen zu schaffen: Am Ortsausgang in Richtung Münchingen sind 300 Wohneinheiten in Einfamilienhäusern und Geschosswohnungsbauten geplant.

Erstes großes Baugebiet seit 13 Jahren

Die Stadt benötigt dringend den zusätzlichen Wohnraum: Das letzte große Baugebiet entstand vor 13 Jahren am westlichen Ortsrand der Kernstadt. Das Baugebiet „Ob dem Korntaler Weg“ ist nun das letzte große Baugebiet der Kernstadt, das nach den derzeit gültigen Rahmenplänen von Land und Region ausgewiesen werden darf.

Eigentlich hätte das Gebiet längst bebaut sein sollen. Ein Privateigentümer verhinderte dies, er hatte nicht verkaufen wollen. Im Oktober 2010 hatte der Gemeinderat den Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplans „Ob dem Korntaler Weg“ gefasst. Damit war das Bebauungsplanverfahren begonnen – und damit auch das gesetzlich vorgeschriebene Verfahren, um die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Bebauung des Gebiets zu schaffen. Der Satzungsbeschluss im Rat folgte im Juli 2021, damit war das Baurecht geschaffen. Zuletzt hatte der Gemeinderat noch mit den Fachleuten um den Hochwasserschutz gerungen. Die Stadt hielt an ihren Anforderungen fest – einem Schutz vor einem Starkregen, wie er statistisch nur alle hundert Jahre vorkommt.

Während Makurath einerseits auf das Prinzip Hoffnung setzte, das Baugebiet irgendwann realisieren zu können, hatte er zugleich den Vorstoß der Freien Wähler begrüßt, die dafür geworben hatten, fortan in der Stadt auf die Ausweisung kleiner Baugebiete zu setzen. Diese wären erstens schneller realisierbar, zweitens würde die Kommune dafür nicht so viele Flächen benötigen, wie das im Gebiet „Ob dem Korntaler Weg“ der Fall ist.

Der Gemeinderat verständigte sich in der Folge darauf, fortan einerseits auf kleine Baugebiete zu setzen. Andererseits beschloss der Gemeinderat auf Anregung der Verwaltung künftig vor Baubeginn alle notwendigen Grundstücke selbst zu erwerben, um im weiteren Verlauf darüber zu verfügen.

Bauen auf den letzten großen verfügbaren Flächen

Korntal-Münchingen
 445 Wohneinheiten, eine Fläche von 11,5 Hektar – das ist das Baugebiet Korntal West. Lange hatte der Gemeinderat darum gerungen, inzwischen sind weite Teile des Gebiets fertiggestellt und bewohnt.

Gerlingen
 Das rund 13 Hektar große Gebiet Bruhweg II ist das letzte großes Entwicklungsgebiet im Ort. Der Rat hat daher angeregt, den übergeordneten Flächennutzungsplan zu ändern. Platz für 700 Menschen und Gewerbe ist geplant.

Leonberg
Geplant ist im Norden der Kernstadt eine 0,8 Hektar große Fläche mit rund 50 Winkelhäusern. Beschlossen wurde das Projekt – mit einem weiteren in der Berliner Straße – vor rund vier Jahren nach langer Debatte.