Shial und Dijana haben Nachwuchs bekommen. Sabine Wezel freut sich über die Welpen. Foto: Ines Rudel

Die Familie Wezel züchtet Wolfshunde, die ihren nahen Verwandten täuschend ähnlich sehen. Die Züchter sind fasziniert von den Tieren. Ein wichtiges Anliegen ist es ihnen, das Bild vom „bösen Wolf“ zurecht zu rücken.

Neckartailfingen - Großmutter, warum hast du so große Zähne?“ Wer kennt es nicht, das Märchen vom bösen Wolf, der das Rotkäppchen verschlingt. Der Wolf hat seit alters her nicht das beste Image in der Bevölkerung. Allen Aufklärungsversuchen zum Trotz löst sein Anblick bei vielen Menschen Ängste aus. Das wissen auch Sabine und Roland Wezel und ihre Tochter Angelique. Die Familie aus Neckartailfingen züchtet Wolfshunde, die echten Wölfen zum Verwechseln ähnlich sehen.

Sozialverhalten ausgeprägter als bei gewöhnlichen Hunden

Gleich an der Gartentüre begrüßt Shial aufgeregt die Besucher. Shial, der sich offenkundig sehr freut, ist ein Amerikanischer Wolfshund, der zusammen mit der Saarlooswolfshündin Dijana für einen Wurf Welpen zuständig ist. Der Nachwuchs tummelt sich derweil im hinteren Teil des Gartens im Schatten. Wer sich nicht auskennt, glaubt, es tatsächlich mit Wölfen zu tun zu haben. Die langen, spitzen Reißzähne sind respekteinflößend. Dennoch sind nach wenigen Minuten die Berührungsängste abgebaut.

Das liegt am Charakter der Tiere, die laut Sabine Wezel ein noch deutlich ausgeprägteres Sozialverhalten haben als die meisten Haushunde. „Wolfshunde sind sehr kinderlieb“, weiß Sabine Wezel aus Erfahrung. Wenn die Züchterin über die Tiere spricht, gerät sie ins Schwärmen. Genetisch sind die Wolfshunde noch sehr nah am Wolf. So seien etwa die Rüden der amerikanischen Wolfshunde nur in den Wintermonaten zeugungsfähig, und es gebe maximal, sofern man das möchte, nur einen Wurf pro Jahr. „Wolfshunden unterscheiden sich von richtigen Wölfen nur durch ihre extreme Affinität zu Menschen, sofern sie gut sozialisiert sind. Sie könnten sicher schon, wollen aber unter keinen Umständen ohne ihre Menschen leben“, sagt Sabine Wezel.

Wolfshunde treten in Spielfilmen und Werbeclips auf

Ihre Intelligenz, vor allem jedoch ihr Aussehen macht Wolfshunde zu begehrten Akteuren für die Film- und Werbebranche. So sind Wolfshunde die Stars in dem „Junge Wölfe“-Spot von Volkswagen, in dem der Konzern aus Wolfsburg Werbung für ihre Gebrauchtfahrzeuge machte. Die Vierbeiner steigen in mehrere Autos, begutachten Kofferraum, Motorraum und Felgen, und am Ende des auch bei Youtube eingestellten Clips ist ein Wolfshund zu sehen, der heult wie ein echter Wolf.

Auch in einer Folge der ARD-Krimiserie „Polizeiruf 110“, die sich mit der Rückkehr des Wolfs nach Brandenburg auseinander setzt, hat der Regisseur auf Wolfshunde zurückgegriffen. Denn mit echten Wölfen wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen – zumindest wären die Dreharbeiten sehr viel schwieriger geworden. Und in einer Folge von „Großstadtrevier“ löst ein vermeintlich junger Wolf auf Streifzug durch die Stadt eine Hysterie aus. Dabei ist der Wolfshund Wolfgang eigentlich „ein ganz Lieber und Zahmer“, wie der Tiertrainer Marco Heyse im Interview mit der ARD erklärt.

Halter brauchen viel Erfahrung und Konsequenz

Ungeachtet dieser positiven Charaktereigenschaften erfordert die Haltung von Wolfshunden von den Besitzern viel Fingerspitzengefühl, Liebe zu den Tieren, Erfahrung und Konsequenz. Unter anderem wegen ihres ausgeprägten Jagdtriebes sind Wolfshunde laut den Wezels, die vor 15 Jahren ihren ersten Wolfshund bekommen haben, für Anfänger nicht geeignet.

Der Züchterfamilie ist es auch wichtig, den Vorurteilen und Ängsten gegenüber wilden Wölfen, die sich trotz aller Aufklärungsversuche in der Bevölkerung hartnäckig halten, zu begegnen. „Der Wolf sieht uns nicht als Beute, und für ihn sind wir auch keine Gefahr“, zitiert Sabine Wezel den Tierfilmer Andreas Kieling. Begegne man einem Wolf in der Wildnis, dann werde dieser einen höchstens mit einem kurzen Blick beachten. Zwar gibt es immer wieder Meldungen, dass Wölfe Schafe reißen. Gleichwohl warnen die Wezels vor einer Emotionalisierung der Debatte. Wenn die Familie mit ihren Wolfshunden wandern gehen, ernten sie häufig ängstliche Blicke. Deshalb tragen Shial und Co. auch Halstücher. Sie signalisieren: „Wir sind Wolfshunde, aber keine wilden Wölfe.“

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