Am Montag im Rahmen einer Pressefahrt in Stuttgart unterwegs: Der batteriebetriebene Bus des polnischen Hersteller Solaris. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) wollen bis 2019 oder 2020 auf E-Busse von Daimler warten. Andere Hersteller können bereits jetzt liefern.

Stuttgart - Der Autoclub Europa (ACE) mit Sitz in Stuttgart hat am Montag die Städte aufgefordert, die vom Bund beim Dieselgipfel bereitgestellte eine Milliarde Euro an Fördermitteln so schnell wie möglich abzurufen. Beim Kauf von Elektrobussen solle nicht die nationale Karte gespielt werden. ACE-Vorsitzender Stefan Heimlich sagte bei der Testfahrt mit einem batteriebetriebenen Stadtbus außerdem, Verkehrsbetriebe müssten sich „von der Vorstellung lösen, dass ein Bus nur abends im Depot getankt wird“. E-Busse könnten auch unterwegs auf ihrer Tour durch die Stadt wieder aufgeladen werden.

Aus dem Sofortprogramm der Regierung für saubere Luft sind 350 Millionen Euro für die Elektrifizierung des Verkehrs vorgesehen. Bedacht werden sollen Busflotten im Nahverkehr, Taxen, Mietwagen, der Lieferverkehr, außerdem die Ladeinfrastruktur für diese Fahrzeuge. Bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB AG) hieß es dazu, dass man sich um eine Förderung bemühen werde, es sei aber „noch unklar, in welchen Punkten wir gefördert werden können“, so Sprecherin Brite Schaper. Die SSB haben noch 50 Busse der alten Euro-Stufe 3 im Fuhrpark, sie sollen 2018 und 2019 durch Euro-6-Diesel ersetzt werden, zudem 110 Busse mit der zwischen Euro 5 und 6 liegenden EEV-Norm. Sie sollen von 2020 an mit jährlich 25 Einheiten abgelöst werden.

ACE fährt mit Solaris-Bus durch Stuttgart

Der ACE hatte anlässlich des Pressetermins am Sitz des Vereins in der Schmidener Straße einen E-Bus des polnischen Hersteller Solaris aufgeboten. Das Modell Urbino 12 electric war in diesem Jahr bei der Nutzfahrzeug-Ausstellung in Hannover (IAA) als Bus des Jahres ausgezeichnet worden. Der Bus trägt im Heck und auf dem Dach Batterien, die 200 und 240 Kilowattstunden Kapazität hätten, sagte Solaris-Regionalvertreter Günter Maier. Damit komme er im Winter, wenn die Heizung mit den Batterien betrieben wird, bei minus zwölf Grad 100 Kilometer, im Sommer bei plus 32 Grad 120 und ohne Klimatisierung 160 Kilometer weit. Unterwegs können die Batterien an Haltestellen mit einem Stromabnehmer auf dem Dach geladen werden. Eine Diesel-Heizung sei möglich, so Maier. In diesem Jahr sollten 70, im nächsten Jahr 200 reine E-Busse ausgeliefert werden, so der Regionalvertreter. Der Solaris-Bus hat eine Elektroachse mit radnahen Motoren von der Zahnradfabrik Friedrichshafen (ZF).

E-Busse könnten einen Teil dazu beitragen, dass die Luftschadstoffe zurückgingen, so Heimlich. Vollelektrische Busse seien auf dem Markt, dieses Potenzial müssten Städte ausschöpfen. Für Kommunen wie Stuttgart müsse das unmittelbar heißen „umschauen und kaufen“, so der ACE-Chef. Er nannte die chinesische Firma BYD als einen der größten Anbieter vollelektrischer Busse.

Keine Ausschreibung wegen Felderprobung

Die SSB hätten sich mit dem Solaris-Bus „beschäftigt“, sagte Schaper, die geforderte Tagesleistung sie nicht erreichbar, man verfolge außerdem ein Konzept, bei dem nicht unterwegs Strom aufgenommen werde. SSB-Aufsichtsratschef OB Fritz Kuhn (Grüne) hatte vergangene Woche kritisiert, dass die Stadt bei der Umrüstung ihrer Flotten „weder auf Elektro-Busse noch auf elektrische PKW deutscher Hersteller zurückgreifen kann“. Hier müsse sich „rasch etwas ändern“.

Die SSB wollen Ende 2018 auf einer neuen Linie von Bad Cannstatt in die City Busse der Hersteller Mercedes und Volvo einsetzen. Voraussichtlich erst 2019 oder 2020 kämen von diesen vollelektrische Busse in der erforderlichen Größe (18 Meter Gelenkbus) auf den Markt, so Schaper. Die Lieferung für die Linie müsse nicht ausgeschrieben werden, da es sich um eine „Kunden-Felderprobung“ handele.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: