Derartige E-Busse werden ab 2018 in Göttingen fahren. In Stuttgart haben sich die SSB gegen Ladestellen im Stadtbild entschieden. Die Volvo-Busse, die zwischen Bad Cannstatt und der City pendeln, haben einen Dieselmotor, der auf definierten Strecken anspringt, um die Batterien zu laden. Foto: Volvo

Die Stuttgarter Straßenbahnen AG startet Ende 2018 zwischen Bad Cannstatt und der City mit Modellen von Volvo und Evobus, die neben Strom auch Diesel und Wasserstoff tanken. Für die Entwckler ist Stuttgart eine große Herausforderung.

Stuttgart - Die geplante Schnellbuslinie X 1 der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), die zwischen dem Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt und dem Hauptbahnhof pendeln soll, wird zunächst überwiegend nicht mit völlig abgasfreien Fahrzeugen betrieben werden. Starten soll das neue Angebot mit Bussen im Fünfminutentakt voraussichtlich erst zum Fahrplanwechsel Ende 2018. Die Busse ersetzen die fehlende Kapazität auf der Stadtbahn. Ohne den Ausbau der Haltestellen können keine 80-Meter-Züge rollen.

Das neue Angebot könne zunächst nicht ganz emissionsfrei bestritten werden, sagten SSB-Technikvorstand Wolfgang Arnold und Markus Wiedemann, Leiter des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeuge, dieser Zeitung. Es wird testweise nur ein reiner E-Bus von Volvo eingesetzt werden. Man lehne eine „Showlinie“, die nur vordergründig vollelektrisch sei, ab. Arnold verweist darauf, dass bei batteriebetriebenen Bussen im Winter eine Dieselheizung laufen müsse, weil sich der Einsatzradius mit E-Heizung deutlich verringere. „Die Dieselheizung braucht aber 20 Liter auf 100 Kilometer, und die läuft nicht unter der Euro-6-Norm“, so der Technikvorstand. Der Aufsichtsrat hat die SSB verpflichtet, ab 2018 im Talkessel ausschließlich Busse einzusetzen, die die Euro-6-Norm einhalten oder noch emissionsärmer sind. Grund ist die hohe Schadstoffbelastung der Luft.

Die SSB wollen nicht unterwegs laden

„Unser Anspruch ist, dass die Busse der Linie X 1 überall eingesetzt werden können“, so Wiedemann. Gemeinsam mit anderen Verkehrsbetrieben habe man insgesamt neun Hersteller geprüft. Ergebnis: „Vor 2025 bis 2028 wird es keine Batterie geben, die ohne Zwischenladen auf der Strecke auskommt“, so Wiedemann. Zum Thema Laden ist bei den SSB eine Grundsatzentscheidung gefallen. Man habe dazu auch mit dem Versorger Stuttgart Netze gesprochen, sagt Arnold. Die SSB will die Busse nicht auf der Strecke zwischendurch laden, sondern die Batterien nachts im Depot in Gaisburg oder einer anderen SSB-Liegenschaft füllen. Mit dem bisherigen Angebot (einer 100 Kilowattstunden-Batterie) „wäre nach zwei Umläufen Feierabend und es müsste nachgeladen werden“, sagt Wiedemann. Dann bräuchte der Betrieb mehr als die kalkulierten zehn Busse und mehr Personal. Die Fahrgäste hätten davon keinen Nutzen, der sowieso defizitäre Betrieb aber noch höhere Kosten – das sei nicht machbar.

Der stadteigene Betrieb, der bisher täglich 256 Busse einsetzt, hat sich auf die beiden Hersteller Volvo und die Daimler-Tochter Evobus festgelegt, mit denen auf der X-1-Linie neu entwickelte Fahrzeuge erprobt werden sollen. „Das soll uns letztlich den Weg zu einer emissionsfreien Flotte eröffnen“, so Arnold. Ein Problem sind die Busgrößen. Solobusse mit zwölf Meter Länge sind lieferbar, die von den SSB wegen des Fahrgastandrangs benötigten Gelenkbusse mit 18 bis 19,5 Meter aber noch nicht.

Drei verschieden Typen im Einsatz

Gestartet wird zum Fahrplan 2019 mit Bussen von Volvo (Modell 7900 AH). Das Fahrzeug wird einen Batteriesatz und einen Dieselmotor haben, der den E-Speicher an definierten Stellen füllt, möglichst nicht in der Haltebucht oder vor Wohnhäusern. Dazu werde man Geofencing nutzen, so Wiedemann. Der Bus wird lokalisiert, der Dieselmotor springt im gewünschten Gebiet an. Später kommt ein reiner Batteriebus dazu.

Von Evobus erwarten die SSB 2020 ebenfalls Hybrid-Gelenkbusse. Hier soll eine Brennstoffzelle als Reichweitenverlängerer die Batterie laden. Die nötige Wasserstofftankstelle will der Betrieb in Gaisburg aufbauen, der Förderantrag sei gestellt und werde hoffentlich in diesem Jahr vom Bundesverkehrsministerium genehmigt werden.

Alle Busse sollen gemietet werden, so käme die jeweils neueste Technik zum Einsatz. Monate zuvor müssen Werkstattmitarbeiter geschult werden. Ziel seien Busse, die letztlich die Leistung konventionell angetriebener Fahrzeuge erreichen. Angesichts der Stuttgarter Topografie ist das für die Entwickler eine große Herausforderung. http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.buendnis-fuer-mobilitaet-und-luftreinhaltung-ratsmehrheit-gibt-gas-bei-mobilitaetspakt.c7b2355b-950b-4e19-aff7-d5326d

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