Nach einem mutmaßlich judenfeindlichen Vorfall hat sich die Burschenschaft Normannia klar gegen Antisemitismus ausgesprochen Foto: dpa/Uwe Anspach

Ein Fall von Antisemitismus in einer Heidelberger Burschenschaft erschüttert die dortige jüdische Gemeinde. Die Burschenschaft distanziert sich von dem Übergriff. Das nehmen ihr nicht alle ab.

Heidelberg - Die Heidelberger Burschenschaft Normannia hat sich nach einem mutmaßlich judenfeindlichen Vorfall klar gegen Antisemitismus ausgesprochen. „Die Burschenschaft Normannia duldet keinen Antisemitismus in ihren Reihen oder durch Dritte auf ihrem Haus“, teilte die Normannia mit. „Antisemitismus und gewalttätige Übergriffe sind mit dem burschenschaftlichen Gedanken nicht zu vereinbaren“, heißt es in einer Mitteilung des Altherrenverbands, dem die Mitglieder angehören, wenn sie das Studium abgeschlossen haben und im Beruf stehen.

Der Rabbiner der jüdischen Kultusgemeinde Heidelberg, Janusz Pawelczyk-Kissin, zeigte sich am Mittwoch bestürzt über den „ekligen Vorfall“, bei dem ein junger Mann mit jüdischen Wurzeln von Burschenschaftern gedemütigt und geschlagen worden sein soll. Ähnliches sei ihm aus Heidelberg bislang nicht bekannt gewesen.

Aktuelle Vorfall sei keine Ausnahme

Die Antifaschistische Initiative Heidelberg betonte hingegen, Antisemitismus sei der Burschenschaft Normannia nicht fremd. Der aktuelle Vorfall sei keine Ausnahme, sondern Antisemitismus sei für die Normannia seit ihrer Gründung 1890 ein „sinnstiftendes Moment“. Clara Grube, Sprecherin der Initiative, sagte: „Eine Distanzierung der Alten Herren von der Nazivergangenheit hat in der Normannia nie stattgefunden.“ Die Aussage, dass Antisemitismus in ihren Reihen nicht gestattet sei, sei eine reine Schutzbehauptung.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung gegen sieben Männer und eine Frau. Sie sollen einen 25-Jährigen mit Gürteln geschlagen, mit Münzen beworfen und antisemitisch beleidigt haben. Der junge Mann hatte als Gast eine Verbindungsfeier der Normannia am 29. August besucht, als der Angriff passiert sein soll. Das Opfer hatte den Angaben zufolge vor dem Angriff von seinen jüdischen Vorfahren berichtet. Der Mann erstattete noch an demselben Tag Strafanzeige. Der Rabbiner sagte dazu: „Wir verstehen unter Gastfreundschaft etwas anderes.“

Studentengruppe bereits aufgelöst

Die Burschenschaft Normannia erklärte, sie kooperiere „vollumfänglich“ mit den Behörden. Sollten sich die Vorwürfe gegen einzelne Mitglieder erhärten, will die Burschenschaft Normannia nach eigenen Angaben Konsequenzen ziehen. Die Studentengruppe, in der der Vorfall passiert sein soll, sei bereits aufgelöst worden.

Burschenschaften gehören zu den Studentenverbindungen. Aber nicht jede Studentenverbindung ist eine Burschenschaft. Letztere zeichneten sich zum Teil durch das Ritual der Mensuren (Fechtkämpfe) sowie durch nationalistisches Gedankengut aus, sagte Hans Jürgen Fuchs vom Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen. „Solche Burschenschaften bringen das Verbindungsstudententum in Verruf.“ Die Verbindungen des Cartellverbandes seien proeuropäisch, nicht schlagend und nicht antizionistisch.

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