Die Wilhelma will ein anderes Gastrokonzept als bisher. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Aus juristischen Gründen gibt die Stuttgarter Wilhelma keine Details der Kündigung preis. Doch was passiert eigentlich in den drei Monaten, wenn der alte Betrieber aufgehört und der neue noch nicht angefangen hat?

Stuttgart - Die Wilhelma hält sich weiterhin bedeckt, was die Gründe der Kündigung der bisherigen Gastronomie im Zoo angeht. Man könne und wolle dies nicht näher ausführen, da dies sonst das Ausschreibeverfahren und den Wettbewerb gefährden könne, teilt der Zoo mit. Das soll heißen, äußert sich die Wilhelma öffentlich, warum sie der Schuler-Gastronomie nach 55 Jahren gekündigt hat, könnte dies ein Vorteil für Schuler sein, weil der Platzhirsch leichter darauf reagieren könne als etwa ein Konkurrent aus dem Ausland. So die Argumentation der Juristen.

Neue Betreiber soll am 1. März beginnen

Die Wilhelma hatte dem Betreiber von zwei Restaurants und einem Café im zoologisch-botanischen Garten zum Jahresende gekündigt und die Neuvergabe europaweit ausgeschrieben. Bis zum 11. September läuft die Ausschreibung über Pacht, Betrieb, Sanierung, Instandhaltung und Instandsetzung der Gastronomie. Der neue Pächter bekommt einen Vertrag über mindestens 15 Jahre, soll aber sieben Millionen Euro in die Sanierung der Restaurants und des Cafés investieren. Beginnen soll er am 1. März 2018, gekündigt wurden die Schulers auf 31. Dezember 2017. Was passiert nun in den zwei Monaten dazwischen? Und reicht diese Frist überhaupt für eine Sanierung? Braucht es da nicht eine Übergangszeit? Aus der Wilhelma heißt es dazu: „Wir werden ein gastronomisches Angebot haben, wie auch immer das aussieht.“

Wie es nach der Vergabe aussehen soll, hat man folgendermaßen formuliert. Gewünscht sei künftig Nachhaltigkeit, die Verwendung von Produkten aus artgerechter Tierhaltung, Regionalität, Saisonalität und biologisch erzeugte Produkte in höherem Maße als bisher. Nun wundert sich Denise Schuler, Chefin des gleichnamigen Gastronomiebetriebs, über diese Ansage. Denn genau das biete man. „Mindestens 60 Prozent unserer Produkte sind von hier.“ Nicht nur sie rätselt deshalb darüber, was die Wilhelma eigentlich will. Vielleicht hilft ein Blick nach Erfurt, dort war Thomas Kölpin Zoodirektor, bevor er 2014 in die Wilhelma wechselte.

Leipzig: eine Blaupause für Stuttgart?

Dort betreibt Annemarie Höhn die Zoopark-Gaststätte „Weinberghaus“ in Erfurt. Sie hat sich vor allem auf Thüringer Küche konzentriert, ist aber im Außenbereich sehr vom Wetter abhängig. Salatbars oder vegetarische Angebote sind möglich und werden genutzt. Die jetzige Zoochefin Sabine März bedauert, dass die Räume für mehr Angebot nicht zur Verfügung stehen.

Ein anderes Konzept gibt es in der Nachbarschaft in Leipzig. Vor einigen Jahren öffnete im Leipziger Zoo die Kiwara-Lodge, wo man hoch über Zebras und Giraffen afrikanische und deutsche Speisen genießen kann. Im Innenraum finden rund 120 Personen Platz in stilechtem Ambiente. Das Restaurant wird vom Marché International betrieben. Das gleiche Unternehmen kümmert sich auch um den Palmengarten. Das Restaurant verbindet Jugendstil-Elemente mit einer architektonischen Orientierung an der Gründerzeit. Es wurde 2015 zusammen mit dem Gondwanaland eröffnet. 250 Sitzplätze sowohl im Innenbereich als auch auf Südterrasse stehen zur Verfügung. Die Hacienda Las Casas, gebaut im Jugendstil, lädt ein Abendveranstaltungen im südamerikanischen Ambiente abzuhalten. Im Gastraum finden Gruppen zwischen 30 und 100 Personen Platz. Führt die Spur dahin? Mehr Events? Mehr Veranstaltungen? In Berlin betreiben die Schulers auch die Gastronomie, dort „haben wir sehr viele Veranstaltungen mit Tausenden von Gästen“, sagt Denise Schuler. Auch ein Tagungsraum zählt zum Angebot für Seminare und Firmenveranstaltungen. Bisher hat die Wilhelma solcherart Nebengeschäfte stets ausgeschlossen.

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