Zeitgemäßes Restaurant oder nicht? Bis zum 11. September läuft die europaweite Ausschreibung die Bewerber. Foto: Lichtgut/Rettig

Der Vertrag wurde nach 55 Jahren gekündigt, die Bewirtung europaweit neu ausgeschrieben. Denise Schuler will sich neu bewerben. Die Begründung für den Neustart schmeckt ihr gar nicht.

Stuttgart - Über Geschmack lässt sich streiten – und über Essen und Trinken erst Recht. Die Stuttgarter Wilhelma hat jedenfalls wie berichtet den Vertrag mit der Schuler-Gastronomie, die dort seit 55 Jahren drei Betriebe unterhält, zum Ende des Jahres gekündigt und die Neuvergabe europaweit ausschreiben lassen. Für die bisherigen Betreiber ein schwerer Schlag.

Denise Schuler führt seit 2014 die Schuler-Gastronomie. Ihr Vater Cornelius hatte vor 55 Jahren die Restaurants in der Wilhelma als Gastronomiepartner gestaltet. „Unser Unternehmen und die Wilhelma gehören zusammen“, sagt Denise Schuler, „ich bin hier groß geworden. Es gibt Tiere, die kenne ich seit meiner Geburt.“ Nicht nur deshalb wird sich ihr Unternehmen erneut bewerben. „Für uns ist das keine Frage“, sagt Denise Schuler, deren Firma auch die Bewirtung im Berliner Zoo mit sechs Betrieben verantwortet.

Die Gastronomin versteht die Wilhelma nicht

Ein wenig verschnupft ist die Stuttgarter Unternehmerin über die Begründung der Wilhelma für den „gastronomischen Neustart“, wie der zoologisch-botanische Garten in einer Pressemitteilung schreibt. Dort steht auch, dass künftig Nachhaltigkeit, die Verwendung von Produkten aus artgerechter Tierhaltung, Regionalität, Saisonalität und biologisch erzeugte Produkte eine größere Rolle spielen sollen als bisher. Für Denise Schuler ist das nicht nachvollziehbar, weil man darauf eh schon Wert lege. „Wir sind von der Aktion ,Schmeck den Süden’ mit zwei Löwen für regionale Küche ausgezeichnet worden“, sagt Denise Schuler, „das bedeutet mindestens 60 Prozent unserer Produkte sind bereits von hier.“ Die Gastronomin betont, dass man sich um die Anforderungen mühe, aber „wir werden auch in Zukunft Schnitzel und Pommes frites anbieten müssen.“

Wenn es denn über den 31.12. hinaus eine Zukunft gibt. Der Vertrag ist gekündigt, bis zum 11. September läuft jetzt die europaweite Ausschreibung über Pacht, Betrieb, Sanierung, Instandhaltung und Instandsetzung der Gastronomie. Der neue Pächter bekommt eine Vertrag über 15 Jahre, soll in der Zeit aber sieben Millionen Euro in die Generalsanierung des Wilhelma-Restaurants und des Bistro Belvedere beziehungsweise in den Neubau einer Gastronomie in der geplanten Elefantenwelt investieren. Das Land stellt dagegen in der Ausschreibung einen Baukostenzuschuss in Aussicht.

Das Verhältnis scheint gespannt zu sein

Die Schuler-Gastronomie will weitermachen, im Hintergrund scheint aber das Verhältnis angespannt zu sein. Die Ausschreibung sei zum jetzigen Zeitpunkt „vielleicht nicht ganz normal“, wie Wilhelma Verwaltungschef Volker Heß erklärt. Ob der Zoo unzufrieden mit der Gastronomie ist oder ob es anderen Zwist gibt – dazu wollte sich stellvertretende Zoo-Direktor nicht äußern. Nur so viel: Generell sei man auf der Suche nach „einem neuen, zweitgemäßen Konzept. Die Schuler-Gastronomie kann sich dazu wieder bewerben.“ Und das will sie auch tun: „Der Zoo hat 1,2 Millionen Besucher im Jahr, wir würden schon gerne bleiben“, sagt Denise Schuler.

Die Frage ist, ob die Wilhelma das auch will. Die Bewertung der Parkbesucher im Internet schwanken. Neben Lob kann man auch Verrisse lesen. Bei unser Umfrage überwog Kritik. Auf jeden Fall sind die Meinungen über die Qualität und das Preis-Leistungs-Verhältnis geteilt. Es bleibt also spannend, ob die Ära der Schuler-Gastronomie in der Wilhelma weiter geht.

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