Trauernde Angehörige vor den Särgen der Opfer des Brückeneinsturzes. Foto: AP

Während die Rettungskräfte nach dem Brückeneinsturz in Genua nach bis zu 20 Vermissten suchen, wird eine zentrale Trauerfeier für die Opfer geplant. Einige Angehörige wollen diese Trauerfeier jedoch aus Protest gegen die Regierung nicht besuchen.

Genua - Hunderte Rettungshelfer suchen in den Trümmern der eingestürzten Brücke von Genua weiter nach bis zu 20 Vermissten. In einem von der Feuerwehr veröffentlichten Video war am Freitag ein Helfer zu sehen, der in einen mühsam freigelegten Hohlraum zwischen Beton- und Stahlträgern ruft: „Ist da jemand? Ist da jemand?“ Nach Angaben von Genuas Staatsanwaltschaft könnten noch zehn bis 20 Menschen unter den Trümmern sein. Die Aussichten, Überlebende zu finden, gelten drei Tage nach dem Unglück allerdings als gering. Hunderte Helfer versuchten unter Einsatz von Kränen und Bulldozern, die größten Trümmerteile der eingestürzten Brücke zu beseitigen.

Spezialisten arbeiteten daran, die Trümmer in große Betonblöcke zu zerschneiden. Die vierspurige Morandi-Brücke im Westen von Genua war am Dienstag auf einer Länge von mehr als 200 Metern eingestürzt. Dabei kamen mindestens 38 Menschen ums Leben. Lastwagen und Autos stürzten rund 45 Meter in die Tiefe und wurden teils unter Betontrümmern begraben. Die Behörden bereiteten für Samstag eine große Trauerfeier in Genua vor, die zeitgleich mit einer landesweiten Staatstrauer abgehalten werden soll. An der Veranstaltung soll auch Staatspräsident Sergio Mattarella teilnehmen.

Angehörige verweigern Trauerfeier

Medienberichten zufolge wollen allerdings mehrere Familien nicht an der zentralen Trauerfeier teilnehmen, sondern ihre bei dem Brückeneinsturz ums Leben gekommenen Angehörigen lieber im kleinen Kreis beisetzen - unter diesen Opfern ist die 24 Jahre alte Stella Boccia, die zusammen mit ihrem Freund ums Leben kam. Einige Angehörige wollten auch aus Protest gegen die Regierung in Rom nicht an der Trauerfeier teilnehmen, der sie eine Mitverantwortung für das Unglück zuweisen. Die Regierung in Rom macht den Autobahnbetreiber Autostrade per l’Italia für das Unglück verantwortlich und wirft dem Privatunternehmen mangelhafte Wartungsarbeiten vor.

Die Firma betreibt die A10, zu der die eingestürzte Brücke gehört. Die Regierung drohte dem Unternehmen mit dem Entzug der Lizenz sowie hohen Strafzahlungen. Autostrade per l’Italia wies die Vorwürfe zurück. Die Brücke sei vorschriftsmäßig vierteljährlich überprüft worden. Außerdem seien zusätzliche Tests mittels hochspezialisierter Geräte erfolgt. Zudem habe das Unternehmen, das fast die Hälfte aller italienischen Autobahnen betreibt, seit 2012 jährlich mehr als eine Milliarde Euro in „Sicherheit, Instandhaltung und Verbesserung des Netzes“ investiert. Nach Schätzungen von Autostrade per l’Italia würde der Wiederaufbau der eingestürzten Brücke fünf Monate dauern.

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