Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit sind laut nun veröffentlichten einer Studie übergewichtig. Das ist eine beängstigende Zahl. Die Politik muss endlich handeln, kommentiert unsere Autorin Bettina Hartmann.
Es ist erschreckend: Weltweit sind mehr als eine Milliarde Menschen stark übergewichtig. Der Anteil der Fettleibigen, in der Fachsprache Adipöse genannt, habe sich seit 1990 mehr als verdoppelt, heißt es in einer nun veröffentlichten Studie, an der auch die Weltgesundheitsorganisation WHO beteiligt war. Was noch mehr alarmiert: Unter Kinder und Jugendlichen hat sich Adipositas sogar vervierfacht. Kein Wunder, dass die WHO von einer „Pandemie“ spricht.
Ein Viertel der Deutschen ist fettleibig
Die meisten Dicken leben im südpazifischen Inselstaat Tonga – 81 Prozent der dortigen Bevölkerung bringt viel zu viel auf die Waage. Deutschland liegt in der Liste mit einem Anteil von etwa 20 Prozent zwar nur auf Platz 137. Doch auch hierzulande ist mehr als die Hälfte übergewichtig, etwa ein Viertel gilt als adipös. Es geht somit nicht um das eine oder andere Speckröllchen. Sondern um Körperfülle, die krank macht.
Mit Übergewicht ist erwiesenermaßen ein deutlich höheres Risiko für Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, Diabetes und verschiedene Krebsformen verbunden. Das führt zu einer verkürzten Lebenserwartung und verursacht zudem immense Kosten, etwa im Gesundheitssystem.
Wer nun sagt, das Problem lässt sich doch ganz locker lösen – gesündere Ernährung, mehr Bewegung plus Disziplin –, hat damit zwar recht, macht es sich aber zu einfach. Jeder, der zu viel auf den Rippen hat oder schon mal hatte, weiß, wie schwer es ist, abzunehmen. Vor allem bei starkem Übergewicht reicht es nicht, täglich ein bisschen spazieren zu gehen und sich mal den Nachschlag zu verkneifen. Man muss seine Gewohnheiten ändern – und zwar auf Dauer.
Hochverarbeitete Lebensmittel als Problem
Das Thema Essen ist komplex. Es geht nicht nur um Nahrungsaufnahme, um das Stillen von Hunger, sondern auch um Begierden, um Frust- und Stresskompensation, um Belohnung, um soziale Interaktion. Was also tun, wenn überall Verlockungen lauern? Klar ist: Kasteien sollte sich keiner, kleine Sünden zwischendurch sind in aller Regel nicht schädlich.
Ein riesiges Problem sind inzwischen jedoch hochverarbeitete Lebensmittel. Ob Fertigpizza, Süßigkeiten, Softdrinks, Frühstückscerealien oder industriell gefertigte Brot- und Wurstwaren: Gut die Hälfte des Energiebedarfs decken die Menschen mittlerweile über Produkte, die in Fabriken verschiedene Verarbeitungsschritte durchlaufen und viele künstliche Zutaten enthalten. In hochverarbeiteten Nahrungsmitteln steckt zudem fast immer zu viel Salz, Zucker und Fett. Fabrikkost hat somit meist zu viele Kalorien, schmeckt aber intensiv, liegt gut im Mund – und macht quasi süchtig.
Dazu kommt, dass viele Menschen bis heute nicht wissen oder haben verlernt, wie gesunde Ernährung aussieht. Es braucht somit noch mehr Aufklärung. Da Essensgewohnheiten in der Kindheit geprägt werden, müsste an Kitas und Schulen vermittelt werden, dass Obst und Gemüse schmeckt – im Unterricht und auch bei der Verpflegung in Mensen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung etwa hat dafür längst Konzepte ausgearbeitet. Doch eine flächendeckende Umsetzung lässt auf sich warten.
Eklatantes Ungleichgewicht
Seit Jahren wird in Deutschland zudem über eine Lebensmittelampel diskutiert, über Werbebeschränkungen, etwa für Süßigkeiten, und seit einiger Zeit über eine Mehrwertsteuersenkung für gesunde Lebensmittel. Obwohl dringender Handlungsbedarf besteht, bleibt es beim Redenschwingen.
Zum Schluss noch der Hinweis, dass die Studie am Rande erwähnt, dass gleichzeitig weltweit Hunderte Millionen Menschen von Mangel- und Unterernährung betroffen sind. Die Welt leidet somit nicht nur an Übergewicht, sondern auch an einem eklatanten Ungleichgewicht.