Man sieht dem Cambridge-Professor Hardy (Jeremy Irons, l.) und dem indischen Mathe-Genie Ramanujan (Dev Patel) ihre unterschiedlichen Temperamente fast ein wenig an. Foto:  

Im Film „Die Poesie des Unendlichen“ sorgt Dev Patel als indischer Mathematiker in Cambridge für Befremden.

Stuttgart - Das richtig große Talent findet sich oft an ungewöhnlichen Orten. Der Mathematiker Srinivasa Ramanujan zum Beispiel droht, sein Ausnahmetalent bei unterbezahlten Aushilfsjobs im kolonialisierten Indien zu verschwenden – bis ihn der Star-Professor G.H. Hardy nach Großbritannien einlädt. Doch als Ramanujan (Dev Patel) dort eintrifft, prallen nicht nur kulturell zwei Welten aufeinander. Während Cambridges kühle Akademikerriege den impulsiven Inder nicht ernst nehmen will, stößt auch Hardy (Jeremy Irons) angesichts der scheinbar schludrigen Arbeitsweise seines Schützlings an seine Grenzen. Denn von kleinteiligen Beweisen will Ramanujan nichts wissen und schwört stattdessen, eine hinduistische Göttin habe ihm die Eingebung für seine revolutionären Formeln geschenkt.

Filme über verschrobene Forscherpersönlichkeiten sind in letzter Zeit keine Seltenheit. In „The Imitation Game“ knackte Benedict Cumberbatch als Alan Turing unter Hochdruck den Enigma-Code, Eddie Redmayne gewann für sein Porträt Stephen Hawkings in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ sogar den Oscar. Doch obwohl es leicht wäre, bloß auf der Welle dramatisierter Forscherbiografien zu reiten, stellt Matt Brown in „Die Poesie des Unendlichen“ zwei Denkkulturen und ihre Kollision in den Vordergrund: das intuitive Genie Ramanujans gegen die fitzelige Präzision der westlichen Wissenschaftstradition. Obwohl sich das auf dem Papier nach langweiliger Fachdebatte anhört, gelingt Brown dieser Perspektivwechsel anschaulich und ganz ohne ermüdende Belehrungspassagen.

Die Poesie des Unendlichen. Großbritannien 2015. Regie: Matt Brown. Mit Dev Patel, Jeremy Irons. 109 Minuten. Ab 6 Jahren.

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