Das Marienplatzfest lockt bei schönem Wetter die Massen an. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Michael Benz und Reiner Bocka präsentieren im Bezirksbeirat ihre Pläne für das diesjährige Marienplatzfest.

S-Süd - Wenn Reiner Bocka und Michael Benz mit ihrem jährlichen Antrag zum Marienplatzfest in den Bezirksbeirat kommen, folgt in der Regel eine längere Debatte. So war es auch in diesem Jahr. Meistens mussten die beiden Macher von Stuttgarts beliebtestem Straßenfest Kompromisse hinnehmen. Doch in der vergangenen Woche war das Gremium ihnen wohlgesonnen. Mehrheitlich stimmten die Bezirksbeiräte dem Antrag zu, am Sonntag länger feiern zu dürfen.

Am Sonntag gibt es morgens ein Kinderprogramm

Von Donnerstag, 20. Juli, bis Sonntag, 23. Juli, findet das Event in diesem Jahr statt. Sonntags dürfen die Veranstalter bereits um elf Uhr starten – mit einem Kinder- und Familienprogramm. Ebenso können sie am Abend bis 24 Uhr feiern. Ausschank-Ende ist eine halbe Stunde vorher.

Ein Grund für die Einigung zwischen den Lokalpolitikern und den Veranstaltern ist, dass es 2016 erstmals recht wenige Klagen von Anwohnern gab. „Es kamen lediglich ein paar Lärmbeschwerden“, sagte der Bezirksvorsteher Raiko Grieb.

Die Veranstalter hatten vor dem Fest im vergangenen Jahr in vielen Punkten umfangreich nachrüsten müssen: Um Wildpinkeln zu vermeiden, hatten sie mehr Toiletten aufgestellt; auch wurde das Gelände um Teile der Tübinger Straße erweitert, damit sich die Menschenmenge dorthin verlagert, statt aus Platzgründen das Festivalgelände direkt um die Straße Marienplatz zu erweitern, wie es 2015 war. Die Verkehrssicherheit war so nicht mehr gewährleistet. Durch die Verlagerung auf die Tübinger Straße konnten Benz und Bocka dieses Problem im Jahr 2016 vermeiden.

Jedes Jahr ein bisschen besser werden. Das ist der Plan, mit dem Michael Benz und Reiner Bocka vor sechs Jahren ihr Projekt Marienplatzfest begonnen haben. Und tatsächlich haben sie sich immer viel Mühe gegeben, Fehler aus der Vergangenheit auszubügeln. Das rechneten ihnen die meisten Bezirksbeiräte positiv an.

Viele Anwohner sind keine Fans des Marienplatzfestes

Zeitweise hätte so mancher Lokalpolitiker das Fest am liebsten verboten. Einigen Anwohnern hätte das sicher gefallen. Denn während zahlreiche Besucher das Fest lieben, graust es vielen Anwohnern vor diesen vier Tagen. Lärm, Dreck, Trubel – so lauten die Klagen. Während und nach dem Fest gehen in der Regel zahlreiche Beschwerden bei der Polizei und beim Bezirksbeirat ein.

Der verlängerte Sonntag soll deshalb insgesamt auch ruhiger werden. Am Vormittag wollen die Veranstalter das Kinderprogramm erweitern. Vor der Bühne planen sie eine lange Speisetafel, wo die Besucher essen können. „Es soll ein Tag des Zusammenkommens sein“, kündigte Benz an. Die viertägige Veranstaltung ist auch für seine kleinen, aber feinen Konzerte berühmt. Für ältere Menschen und junge Familien gab es bisher wenig Programm. „Die kommen aber auch gerne“, sagt Bocka.

Das Straßenfest zieht längst junge und alte Menschen aus ganz Stuttgart an. „Wir Grünen sind ja eine Fangemeinde“, sagte auch Christa Niemeier. „Das Fest schafft Identifikation im Stadtteil.“ Als visionär bezeichnete Bocka es. „Wir sind nicht einfach ein Fest, bei dem im Hintergrund ein bisschen Musik läuft und die Leute eine Bratwurst essen. Vielmehr ist das Marienplatz ein Fest für alle.“

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