Beim DRK-Kreisverband Ludwigsburg folgt ein Konflikt auf den nächsten. Foto: dpa

Beim DRK-Kreisverband Ludwigsburg spitzt sich der Machtkampf zu. Der Geschäftsführer Manfred Hormann prozessiert oft mit Mitarbeitern – das führt zu einem dramatischen Fachkräftemangel.

Ludwigsburg - Ein Konflikt folgt auf den anderen: Ein Streit zwischen dem DRK-Kreisverband und seinem ehemaligen Pressesprecher Arnim Bauer landet vor dem Landesarbeitsgericht. Ein kleiner Konflikt zwischen zwei Rettungsdienst-Mitarbeitern hat ebenfalls ein juristisches Nachspiel. Zudem droht ein neues Konfliktfeld: Wegen akuten Fachkräftemangels wird die neu eröffnete Rettungswache in Enzweihingen komplett mit Freiberuflern besetzt – was den Betriebsrat alarmiert.

Doch der Reihe nach. Baustelle eins ist der seit fast einem Jahr schwelende Streit mit Arnim Bauer, der 40 Jahre beim Roten Kreuz gearbeitet hat und Pressesprecher war. Ihm wurde vergangenes Jahr fristlos gekündigt, weil er im DRK-internen Mitteilungsblatt Kritik am Kreisgeschäftsführer Manfred Hormann geübt hatte. Im Oktober erklärte das Ludwigsburger Arbeitsgericht die Kündigung auf ganzer Linie für unwirksam, der Richter Falk Meinhardt fand deutliche Worte: Es lege keine Pflichtverletzung vor – und selbst wenn, dann hätte eine Abmahnung ausgereicht.

Streit mit Ex-Pressesprecher geht in die zweite Instanz

Doch dies will Hormann nicht hinnehmen – und hat eine 40 Seiten lange Klageschrift auf Berufung beim Landesarbeitsgericht eingereicht. Mit den gleichen Argumenten, mit denen er in erster Instanz gescheitert war. Pikantes Detail: Diesen Prozess führt nicht mehr der offizielle DRK-Justiziar und Stuttgarter Arbeitsrechtsanwalt Achim Lacher, sondern Patrick Hardtke von der Stuttgarter Kanzlei Werwigk & Partner. Der DRK-Anwalt Lacher hatte sich in dem Verfahren mit Arnim Bauer für einen Vergleich eingesetzt, doch Hormann bremste ihn aus.

Baustelle zwei: Ein weiterer Prozess fand am Freitag vor dem Arbeitsgericht statt. Es ging um einen Konflikt auf der Rettungswache in Bietigheim-Bissingen im August 2018. Zwei Rettungsdienst-Mitarbeiter hatten schon länger Streit miteinander, Worte wie „Hurensohn“ und „Arschloch“ sollen gefallen sein. In einer Nachtschicht am 13. August begegneten sich die beiden Kontrahenten im Umkleideraum. Der eine behauptet, seinen Kollegen „deutlich zur Rede gestellt“ zu haben, der andere erklärt, er sei gewürgt und an die Wand gedrückt worden. Eindeutige Beweise fehlen für beide Versionen, dies wurde vor Gericht deutlich.

Entlassung nach sechs Minuten Gespräch

Doch warum ist der Streit überhaupt vor dem Arbeitsgericht gelandet? Der Kreisgeschäftsführer Manfred Hormann soll, wie mehrere Zeugen berichten, einen der beiden Streithähne nur sechs Minuten lang in einem Gespräch angehört und dann fristlos entlassen haben. „Herr Hormann hat mir gesagt: Sie haben einen Fehler gemacht. Sie haben den Betriebsrat eingeschaltet“, erklärte der Ex-Mitarbeiter, der gegen seine Kündigung klagt. Eine Darstellung, die vom DRK-Anwalt Achim Lacher vor Gericht nicht bestritten wurde.

Der Betriebsrat – das ist für die Geschäftsleitung ein rotes Tuch. Seit Jahren streitet man sich vor Gericht. Die Zahl der Prozesse ist zweistellig. Oft geht es um Lappalien, der zuständige Arbeitsrichter Falk Meinhardt wirkt in den Verhandlungen zunehmend genervt. Erst im Dezember wollte Hormann die Betriebsräte erneut vor dem Arbeitsgericht auf Unterlassung verklagen, weil diese ihm in einer internen Mail „Unterschlagung“ vorgeworfen haben sollen. In letzter Minute wurde vor Gericht ein Vergleich geschlossen.

Eine ganze Rettungswache voller Freiberufler?

Doch die dritte Baustelle, der Konflikt um die freiberuflichen Mitarbeiter hat das Potenzial für eine Grundsatzdebatte. Hier geht es nicht mehr um Petitessen. Denn die Betriebsräte haben massive Kritik angemeldet. Ihr Vorwurf: Der dramatische Mangel an Rettungsassistenten und Notfallsanitäter wird im großen Stil durch Freelancer aufgefangen.

Das Problem: Sind freie Mitarbeiter in Dienstpläne fest eingebunden, empfangen sie Weisungen von Vorgesetzten und nutzen Fahrzeuge des DRK, könnten sie schnell in den Verdacht der Scheinselbstständigkeit geraten. Um dieses Problem zu umgehen, hat die Geschäftsleitung eine selbstständige Firma mit Sitz am Bodensee beauftragt, die nun für die externen Mitarbeiter zuständig ist. Angestellte des DRK berichten, dass inzwischen die gesamte Rettungswache Enzweihingen ausschließlich mit Externen besetzt sei.

Dramatischer Fachkräftemangel

Was zu Problemen führt, wie ein Mitarbeiter erzählt: „Die Kollegen kommen angefahren, sind ortsfremd und wissen nicht, welcher Patient in welches Krankenhaus muss.“ Und bei der neu eröffneten Rettungswache in Murr mitten in einem Wohngebiet gibt es Probleme mit den Anliegern, die sich über Lärm beklagen, auch Kommunalpolitiker sind in Aufruhr.

Das gravierendste Problem aber ist der Fachkräftemangel. Allein vier qualifizierte Mitarbeiter hat das Rote Kreuz verloren, weil das prestigeträchtige Notfall-Einsatzfahrzeug am Ludwigsburger Klinikum aufgegeben wurde. Drei der vier Mitarbeiter, die den Intensiv-Rettungswagen bislang fürs DRK gefahren haben, sind direkt zum Arbeiter-Samariterbund (ASB) gewechselt. Der vierte wurde kürzlich in den Ruhestand verabschiedet.

Mitarbeiter wechselt direkt zur Konkurrenz

Dazu wird im Ludwigsburger Klinikum eine Geschichte erzählt: Als der verdiente DRK-Mann verabschiedet wurde, soll er zunächst gesagt haben: „Ich würde mir niemals die grauen (ASB)-Hosen statt der roten (vom DRK) anziehen.“ Noch auf der Feier geriet er aber mit Hormann aneinander. Prompt bewarb er sich trotz Ruhestand für einen Nebenjob beim ASB.

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