Wieder im Aufwind: Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Foto: AFP

Nach einem Umbau und vielen Streiks fühlt sich die Lufthansa nun wieder stark genug, um den Umbau der Branche aktiv zu gestalten

Frankfurt - Carsten Spohr kam gut gelaunt zur Jahrespressekonferenz. Am Mittwoch hatte der Aufsichtsrat den Vertrag des Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa um weitere fünf Jahre verlängert – und zudem konnte er den Journalisten gute Zahlen verkünden. „Wir sind bestens darauf vorbereitet, die noch anstehende Konsolidierung der Branche in Europa nicht nur mitzumachen, sondern aktiv zu gestalten“, sagte der 51-Jährige mit seinem gewohnt breiten Lächeln. Die Insolvenz des Konkurrenten Air Berlin hat dem Marktführer im vergangenen Jahr zwar durchaus viel zusätzliche Arbeit gebracht, wird sich aber nach Spohrs Ansicht spätestens von 2019 an nicht nur bei Umsatz und Passagierzahlen, sondern auch beim Gewinn spürbar bemerkbar machen. Aber das ist nur das Sahnehäubchen, mit dem Spohr seinen Erfolg krönen möchte, denn anders als sein Vorgänger Christoph Franz hat der langjährige Lufthanseat bei der Fluggesellschaft wieder auf Vollgas geschaltet. „Es freut mich dabei ganz besonders, dass wir Ihnen pünktlich und passend zum 100-jährigen Bestehen unseres Markensymbols, unseres Kranichs, das bei Weitem beste Ergebnis der Unternehmensgesichte präsentieren können“, sagte Spohr.

Umbau abgeschlossen

Franz hatte in seinen Jahren als Vorstandschef den Konzern kräftig umgekrempelt, aber immer darauf hingewiesen, dass man angesichts der starken Konkurrenz vorsichtig sein müsse. Spohr dagegen, der im Mai 2014 den Chefposten übernommen hat, will jetzt in die Offensive gehen. Zwar hat bei der Übernahme von Teilen von Air Berlin nicht alles so geklappt, wie sich das Lufthansa-Management das vorgestellt hatte, aber trotzdem ist die Strategie des Piloten aufgegangen, dass nicht nur die „Marken-Gesellschaften“, wie Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines vom deutlichen Passagierwachstum in der Branche profitieren konnten, sondern dass auch die neue Eurowings, als „Günstig-Tochter“ im Konzern, ihr dynamisches Wachstum fortsetzt, zum Teil auch durch die Air-Berlin-Pleite. Zu Einzelheiten, welche Möglichkeiten sich in der Branche aus seiner Sicht ergeben könnten, wollte sich der Lufthansa-Chef jedoch nicht näher äußern. „Über Konsolidierung spricht man nicht, man tut sie“, sagte er nur. Ganz oben auf der Liste steht die italienische Fluggesellschaft Alitalia, die im vergangenen Jahr ebenso wie Air Berlin und der britische Ferienflieger Monarch in die Insolvenz gerutscht ist. Die schwierige Regierungsbildung in Italien könnte da eine Entscheidung allerdings verzögern, meinte der LH-Kapitän.

RekordgewinnLufthansa

Im vergangenen Jahr haben die Insolvenzen, aber auch die nach langem Kampf erzielte Tarifeinigung mit den Piloten der Lufthansa-Gruppe Aufwind gegeben. Der Gewinn legte um satte 70 Prozent auf 2,97 Milliarden Euro zu und übertraf damit sogar die Schätzungen der Analysten. Der Umsatz kletterte um 12,4 Prozent auf 35,6 Milliarden Euro. Dennoch bleibt Spohr, zumindest in dieser Hinsicht, vorsichtig. Im laufenden Jahr rechne man zwar mit weiteren Umsatzsteigerungen, allerdings auch mit höheren Treibstoffkosten. Um rund 700 Millionen Euro soll die Kerosinrechnung steigen, auf 5,9 Milliarden Euro. Dem werde man mit weiteren Kostensenkungen begegnen, sagte Spohr.

Gleichzeitig jedoch sollen die Zeichen weiter auf Wachstum stehen, nicht nur bei Eurowings. Mit 130 Millionen Fluggästen transportierte die Lufthansa 2017 so viele Passagiere wie noch nie und eroberte den Spitzenplatz in der europäischen Luftfahrtbranche von der irischen Ryanair zurück.

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